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Politik

Kim Jong Il gestorben

Kim Jong Il im Jahr 2010: Unter ihm rutschte Nordkorea in eine schwere Armut. (Bild: Keystone)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il ist tot - der Staatschef erlag offenbar einem Herzinfarkt. Südkorea versetzte seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Kims Sohn und Nachfolger soll in der Schweiz zu

Veröffentlicht am 19.12.2011

Nordkoreas Machthaber Staatschef Kim Jong Il ist gestorben. Der 69-Jährige habe am Samstag während einer Zugfahrt einen schweren Herzinfarkt erlitten, meldeten die nordkoreanischen Staatsmedien am Montag.

Eine in schwarz gekleidete Ansagerin des Staatsfernsehens sprach in einer Sondersendung mit Tränen in den Augen von körperlicher und geistiger Überarbeitung des Machthabers. Zum Zeitpunkt seines Todes habe sich Kim auf einer «intensiven Feldinspektion» befunden, hiess es. Eine am Sonntag erfolgte Autopsie habe die Diagnose bestätigt.

«Es ist der grösste Verlust für unserer Partei und der grösste Trauerfall für unser Volk und Land», erklärte die Nachrichtensprecherin. Das Land müsse «unsere Traurigkeit nun in Stärke umwandeln und unsere Schwierigkeiten überwinden».

Keine ausländischen Delegationen zur Beerdigung geladen

Die Staatsspitze ordnete eine Trauerphase bis zum 29. Dezember an. Die Beisetzung soll am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden. Ausländische Delegationen würden dazu nicht eingeladen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Es sei ein Beisetzungskomitee gebildet worden mit Sohn Kim Jong Un an der Spitze.

In Nordkorea dürfte es zu riesigen Trauerbekundungen kommen. Die staatliche Propaganda bezeichnete Kim Jong Il stets als «geliebten Führer» und machte ihn zu einem Halbgott.

Kim Jong Il hatte 1994 die Macht in dem abgeschotteten Staat von seinem Vater Kim Il Sung übernommen. Er hatte wie sein Vater einen Personenkult um sich aufgebaut. Während seiner Amtszeit rutschte das Land jedoch in eine schwere Armut. Laut einer Uno-Schätzung sind ein Drittel der nordkoreanischen Kinder von Mangelernährung betroffen.

Sohn als Nachfolger - in der Schweiz zur Schule gegangen?

Kim, dem seinerseits eine Vorliebe für Zigaretten, Cognac und gutes Essen nachgesagt wurden, soll an Diabetes und einer Herzerkrankung gelitten haben. Er hatte bereits 2008 einen Schlaganfall erlitten, sich aber davon offenbar weitgehend wieder erholt.

Zuletzt hatte er auf Fotos und Videoaufnahmen seiner jüngsten Reisen nach China und Russland sowie zahlreichen Inlandsreisen einen relativ rüstigen Eindruck hinterlassen.

Zum Nachfolger an der Staatsspitze wurde Kim Jong Un ernannt, wie KCNA meldete. Dieser war zuletzt offenbar systematisch von seinem Vater aufgebaut worden. So hatte er wichtige Posten in der kommunistischen Partei erhalten und offizielle Termine wahrgenommen.

Über den ungefähr 27-jährigen Kim Jong Un ist nur wenig bekannt. Er soll unter anderem Namen in der Schweiz - in Köniz-Liebefeld BE - eine Schule besucht haben, was jedoch nie bestätigt wurde. Die Herrscherfamilie gilt in den Medien des Landes als Tabuthema.

Südkorea in Alarmbereitschaft

Als Reaktion auf die Meldung über den Tod Kims versetzte Südkorea der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Das japanische Kabinett sollte zu einer Krisensitzung zusammentreten.

International hatte Nordkorea die Weltgemeinschaft in den letzten Jahren mit der Entwicklung von Atomwaffen beunruhigt. Raketen waren auf den Süden der koreanischen Halbinsel und auf Japan gerichtet. 2006 und 2009 testete das Land Atomwaffen.

Nord- und Südkorea befinden sich formal noch immer im Kriegszustand. Der Korea-Krieg wurde 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand beendet. Immer wieder kommt es im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten zu militärischen Zwischenfällen.

Kurse an Südkoreas Börse brechen ein

Der Tod Kim Jong Il belastete auch die südkoreanische Börse. Der Leitindex Kospi sackte nach der Todesnachricht um bis zu 5 Prozent ab, konnte sich aber zuletzt wieder etwas erholen. Um 6.45 Uhr (MEZ) stand der südkoreanische Leitindex mit 3,39 Prozent im Minus bei 1777 Punkten.

Der Index setzte damit seine Talfahrt der vergangenen Handelstage fort, als die Aktien in Seoul vor allem wegen der nach wie vor ungelösten Schuldenkrise in der Eurozone deutlich an Wert verloren hatten. Anfang Dezember hatte er noch über 1900 Punkten gestanden. Händler an der Börse Seoul sagten, durch den Tod des nordkoreanischen Machthabers steige die politische Unsicherheit in der Region.

(tno/vst/sda/awp)

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