Klaus-Michael Kühne ist erfolgreicher Logistikunternehmer und mit einem Vermögen von acht bis neun Milliarden Franken der reichste Deutsche in der Schweiz. Doch mit dem Weg, den die Eidgenossenschaft eingeschlagen hat, ist der früher in Hamburg ansässige Manager offenbar alles andere als einverstanden. Kühne sieht das Land auf dem absteigenden Ast. Zwar sei die Schweiz noch immer schön und wirtschaftsfreundlich, sagt er in einem Interview mit der «FAZ». «Aber sie verliert an Attraktivität. Die besten Zeiten sind vorbei.»

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Vor allem die anstehenden Abstimmungen bereiten dem Unternehmer Bauchschmerzen. Zwar räumt Kühne ein, dass es die Schweizer nicht schätzten, wenn sich Ausländer in die politischen Belange einmischten. Und Kühne kann angesichts der hohen Zuwanderung auch die «verständliche Angst der Überfremdung» nachvollziehen. Gleichwohl sagt er. «Es wäre verhängnisvoll, wenn Ecopop angenommen werden würde.» Das Management in der Hauptverwaltung seines Logistikkonzerns Kühne + Nagel in Schindellegi stamme überwiegend aus dem Ausland.

Die EU baut Druck auf die Schweiz auf

«Insofern würden wir schon sehr darunter leiden, wenn die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen stark beschränkt werden würden. Dann müssten wir uns überlegen, eine Reihe von Funktionen ausserhalb der Schweiz anzusiedeln. An unserem Hauptsitz hier wollen wir aber festhalten», so Kühne in dem Interview.

Aus dem Blickwinkel der Wirtschaft hätte die liberale und unternehmensfreundliche Schweiz laut Kühne lange Zeit einen sehr beneidenswerten Status. Dieser baue sich aber allmählich ab: Das liege auch daran, dass die EU, von der die Schweiz auch profitieren wolle, gehörigen Druck ausübe.

Schweiz laut Kühne «unberechenbar» geworden

Des Weiteren macht Kühne einen Paradigmenwechsel hierzulande aus: Nicht immer verstünden die Schweizer, dass Kühne nicht die schweizerische Staatsbürgerschaft annehmen wolle – obwohl er schon seit 40 Jahren hier lebt. «Man möchte diejenigen, die hier schon lange wohnen, auch zu Schweizern machen. Das ist aber erst seit ein paar Jahren so. Diesbezüglich hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Kühne sich in diesem Jahr kritisch gegenüber seiner Wahlheimat äussert. Nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Februar monierte er in einem Interview, dass die Schweiz «unberechenbar» geworden sei. In der Schweiz entstehe eine Neidkultur, wie es sie in Deutschland schon lange gibt, sagte Kühne. Das könne nur zu weiteren Volksabstimmungen in der Schweiz führen, Verwaltungsratshonorare und Managergehälter zu begrenzen.

(moh)