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Menschen in Aleppo droht humanitäre Katastrophe

Aleppo: Zwei Millionen Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Keystone

Die Versorgung mit Trinkwasser und ärztlicher Hilfe in Aleppo wird immer prekärer. Das berichten die WHO und das Uno-Kinderhilfswerk. Ohne sofortiges Eingreifen steht den Bewohnern Schlimmes bevor.

Veröffentlicht am 10.08.2016

Wegen anhaltender Kämpfe in der belagerten nordsyrischen Metropole Aleppo sind nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerkes Unicef zwei Millionen Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Zugleich werde die medizinische Versorgung wegen gezielter Angriffe auf Krankenhäuser immer schwieriger, warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag.

Die Vereinten Nationen appellierten an die Kriegsparteien, das Feuer für 48 Stunden einzustellen, damit Uno-Mitarbeiter humanitäre Hilfe leisten sowie Stromnetze und Wasserleitungen reparieren können. Es drohe eine der schwersten humanitären Tragödien im gesamten Verlauf des syrischen Krieges, heisst es in einer Erklärung.

Gesundheitsversorgung problematisch

Dabei blieb es auch nach einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrates am Dienstagnachmittag. Russland und die USA diskutierten derzeit über einen Plan, der regelmässige Hilfeleistungen über die «Castello»-Nachschubroute im Norden von Aleppo möglich machen solle, sagte der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin.

Allein im Juli habe es zehn Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen gegeben, sagte WHO-Sprecher Tarik Jasarevic in Genf. Im Osten der Stadt, der von Rebellen gehalten wird, seien acht von zehn Spitälern sowie 13 von 28 Gesundheitsstützpunkten nur noch teilweise oder gar nicht mehr funktionsfähig. Mittlerweile seien aufgrund der Flucht oder der Tötung von Medizinern in ganz Ost-Aleppo – wo bis zu 300'000 Menschen ausharren – nur noch 35 Ärzte im Einsatz. Ihre Möglichkeiten, Kranken und Verletzten zu helfen, blieben weit hinter den Erfordernissen zurück.

Ernsthafte Gefahr für Kinder

In Aleppo gibt es nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks seit vier Tagen kein fliessendes Wasser. «Diese Einschränkungen kommen inmitten einer Hitzewelle, die Kinder einem grossen Risiko wasserverursachter Krankheiten aussetzen», sagte die Unicef-Vertreterin für Syrien, Hanaa Singer. Es bleibe keine Zeit, um ein Ende der Kämpfe abzuwarten. «Das Leben von Kindern ist in ernsthafter Gefahr.»

Vor drei Wochen hatten syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten die letzte Versorgungsroute der Rebellen nach Aleppo gekappt und die Stadt belagert. Ein Bündnis syrischer Rebellengruppen unter Führung von Islamisten hatte am Samstag einen neuen Korridor zur Versorgung des Ostens der geteilten Stadt freigekämpft, war bislang aber noch nicht in der Lage, grössere Hilfslieferungen in die Stadt zu bringen.

Über 100 Tote unter Zivilisten

Syrische und russische Kampfflugzeuge verstärkten in den vergangenen Tagen ihre Angriffe auf die Aufständischen, darunter die islamistische Fatah al-Scham, die frühere Al-Nusra-Front. Ein Fernsehsender der mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbündeten Hisbollah-Miliz berichtete, die Regierungstruppen seien auf die Rebellenstellungen vorgerückt. Diese bestritten jedoch Geländegewinne der Armee.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Grossbritannien meldete am Dienstag gegenseitigen Beschuss von Rebellen und Regime und heftige Kämpfe in der Region. Berichten zufolge wurden bei den Kämpfen seit Ende Juli mindestens 130 Zivilisten getötet.

Teil der Taktik

Nach Angaben von Hilfsorganisationen gehören Angriffe auf Spitäler und Gesundheitseinrichtungen in Syrien bei den Konfliktparteien schon seit längerem zur Kriegstaktik.

Bei einem Angriff im Februar auf mindestens fünf Spitäler und zwei Schulen waren nach Uno-Angaben fast 50 Menschen ums Leben gekommen. Bei der Bombardierung einer Klinik in Aleppo Ende April wurden mindestens 30 Menschen getötet. Das humanitäre Völkerrecht verbietet derartige Attacken, die als Kriegsverbrechen eingestuft werden.

(sda/jfr/gku)

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