Für die deutsche Bundeskanzlerin ist es eine besondere Woche: Seit zehn Jahren ist Angela Merkel im Amt. Eine Feier dazu ist jedoch nicht geplant, zu gross sind momentan die Herausforderungen bei der Flüchtlingsfrage, denen sich die Kanzlerin stellen muss. Hinzu kommt: Ihre Beliebtheit in der deutschen Bevölkerung war wegen ihrer Offenheit auch schon mal besser.
 
Gleichzeitig lobte Merkel zuletzt bei ihrem eintägigen Besuch in Bern die Schweiz für ihre Asylpolitik – und sah diese gar als Inspiration für ein europäisches Modell. Wer jedoch auf Rückendeckung aus Berlin bei einer möglichen Neuverhandlung der Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union hoffte, blieb enttäuscht.

Merkels Art kommt hier gut an

Die Personenfreizügigkeit sei ein Grundpfeiler des europäischen Binnenmarktes, so Merkel. Gleichzeitig akzeptiere sie den Ausgang der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative, wiederholte die deutsche Kanzlerin das Mantra vieler EU-Politiker. Immerhin: In der Schweiz kommt die Physikerin ob ihrer bedächtigen Art bei so manchem Beobachter ganz gut weg.
 
Nicht zuletzt deshalb, weil sich frühere politische Gegenspieler wie der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den vergangenen Jahren mehr als einmal rüpelhaft gegenüber der Schweiz aufführten. Unvergessen dessen Aussagen zum Steuerstreit 2009. Als Bundesfinanzminister liess er verlauten, dass Deutschland Steuerbetrug nicht nachweisen könne, «weil uns die Schweiz die Informationen dazu» vorenthalte. Deshalb müsse Deutschland statt zum Zuckerbrot auch zur «Peitsche» greifen.

Macht ohne markige Worte

Die Drohung der «Schwarzen Liste» gegen Steueroasen durch die OECD sei gewissermassen «die siebte Kavallerie vor Yuma» gewesen, die «man ausreiten lassen kann, aber die nicht unbedingt ausreiten muss». Die Indianer müssten lediglich wissen, dass es sie gäbe, so Steinbrück weiter. 

Merkel brauchte solch markigen Worte indes nicht, um eine Dekade an der Macht zu bleiben: In der neuesten Rangliste des Magazins «Forbes» zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt schafft es die deutsche Kanzlerin auf Platz 2 und schlägt damit sogar Barack Obama. Die Begründung: «Merkel ist das Rückgrat der Europäischen Union mit ihren 28 Mitgliedern, und ihre entscheidenden Handlungen beim Problem mit den syrischen Flüchtlingen und bei der griechischen Schuldenkrise haben sie auf der Liste nach vorne gebracht.»

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Zwei offizielle Staatsbesuche führten sie in die Schweiz

Da verwundert es wenig, dass der einflussreichsten Frau der Welt nur wenig Zeit für die Schweiz bleibt. Inklusive dem Blitzbesuch im September gastierte Merkel Berechnungen der deutschen Zeitung «Welt» zufolge während ihrer Amtszeit bislang nur zehn Mal in die Schweiz – darin eingeschlossen sind auch ihre häufigen Auftritte am Weltwirtschaftsforum Wef in Davos.
 
Zuletzt gaben gleich vier Bundesräte der Bundeskanzlerin die Ehre und empfingen sie zum knapp sechsstündigen Treffen. Im zweiten Teil des Ausflugs in die Schweiz holte sie sich den Ehrendoktortitel ab, der ihr von der Universität Bern bereits 2009 verliehen wurde. Nur war sie seit ihrem ersten Staatsbesuch 2008 nie mehr offiziell in der Schweiz.
 
Immerhin ist bekannt, dass Merkel privat gerne ihre Ferien in der Schweiz verbringt – auch wenn einer der letzten Ausflüge wohl nicht in guter Erinnerung bleibt: Nach einem Sturz beim Langlaufen auf der Loipe ging der behandelnde Arzt zunächst von einer Prellung aus. Schliesslich lautete die schmerzhafte Diagnose: Anbruch am linken hinteren Beckenknochen.