Maurus Candrian, leitender Mitarbeiter des Baudepartements des Kantons St. Gallen und ehemaliger CVP-Kantonsrat, hat in einer E-Mail an die israelische Botschaft in Bern den Tod von Juden bei einem Terroranschlag auf einen israelischen Reisebus in Bulgarien bejubelt.

«Juden in Bulgarien ermordet. Grossartig. Ein guter Tag in meinem Leben», schrieb Candrian laut der «Sonntagszeitung», die zuerst darüber berichtet hatte, in der Mail an die Botschaft. Und weiter: «Ich bin sehr stolz auf die Helden, die die Juden getötet haben.»

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Der Fall ist auch im Antisemitismusbericht 2012 erwähnt, über den der Schweizerische Isrealitische Gemeindebund und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus am Sonntag informierten.

Candrian wurde für seine Aussagen im Dezember von der St. Galler Staatsanwaltschaft per Strafbescheid zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen und 1200 Franken Busse verurteilt (nicht 25'000 Franken, wie die «Sonntagzeitung» berichtet hatte).

Kanton prüft Entlassung

Der St. Galler Baudirektor, Regierungsrat Willi Haag, sagte nun gegenüber dem Regionaljournal Ostschweiz von Radio SRF, er sei in zweierlei Hinsicht empört: Zum einen wegen der E-Mail an die israelische Botschaft an sich, zum anderen, weil ihn Maurus Candrian nicht frühzeitig über seine Verurteilung informiert habe.

Gemäss «St. Galler Tagblatt» überprüft das Baudepartement in Zusammenarbeit mit dem Personalamt, ob Candrian noch weiter für den Kanton arbeiten darf oder nicht. Noch in dieser Woche soll ein Entscheid fallen. Jörg Frei, Präsident der CVP des Kantons St. Gallen, forderte im Regionaljournal Candrians Rauswurf.

Brief an israelische Botschaft

Der heute 54 Jahre alte Maurus Candrian sass von 2004 bis 2008 im St. Galler Kantonsrat. Er war Mitglied der CVP-Fraktion. Dann trennte er sich von den Christlichdemokraten und wandte sich später den Grünliberalen zu, deren Vizepräsident er im Kanton St. Gallen war und für die er 2007 für den Nationalrat kandidierte.

Candrian sagte am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda, er bereue die Email an die isrealische Botschaft. Er habe darin eine Kritik an Isreals Nahostpolitik schlecht formuliert; er habe keine Juden verletzen wollen. Er werde sich in einem Brief bei der israelischen Botschaft und beim SIG in aller Form entschuldigen.

(tno/vst/sda)