Cameron Meyer, Niki Terpstra und Heinrich Haussler kämpfen um den Sieg. Die beiden Australier und der Niederländer liegen in der Tour de Suisse derzeit an der Spitze. Ihre sportlichen Meisterleistungen verfolgen indes weniger Leute als auch schon. Die Dopingskandale liessen das Radfahren in der Publikumsgunst immer weiter sinken.

Dennoch lassen viele Schweizer Gemeinden ganz schön viel Geld springen, um an der Tour eine Rolle spielen zu können. Es ist ein teuer Spass. Ein Startort bezahlt unter der Woche 20'000 Franken dafür, dass die Männer mit den strammen Waden hier und nicht anderswo in die Pedalen treten. Am Wochenende koste es bereits 25'000 Franken. Ein Zielort muss 60'000 bis 80'000 Franken in die Hand nehmen.

«Das sind Wölfe, die nehmen alles»

Doch damit beginnen die Ausgaben erst. Der Ort muss ein aufwändiges Organisationskomitee auf die Beine stellen und die vielen Auflagen einhalten, welche die Sportvermarktungsfirma IMG den Orten auferlegt. Ein Vertreter eines Veranstaltungsortes sagt: «Das sind Wölfe, die nehmen alles».

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Im Regelwerk der IMG ist beschrieben was neben den Lizenzgebühren sonst noch für Leistungen zu erbringen sind. So ist beispielsweise der Zielort für die Bereitstellung der Infrastruktur der VIP-Zone und das Medienzentrum verantwortlich. Auch bei den Einnahmen gibt e Vorschriften: Die regionalen Sponsoren des Start- oder Zielortes dürfen nicht in Konkurrenz zu den Sponsoren der Tour de Suisse stehen. Viele Pflichten, wenige Möglichkeiten also. «Mich nervten die IMG-Leute», bringt ein OK-Mitglied seine Gefühlslage auf den Punkt.

Der Tourismus zahlt

Doch das sind noch nicht alle Kosten. Hinzu kommen die Ausgaben für die Streckensicherung auf dem. Um die fünfte Etappe als Zielort begrüssen zu können, zahlte die Gemeinde Leuggern 60'000 und als Startort der sechsten Etappe nochmals 20'000 Franken. Der Gemeindepräsident betont jedoch, das dafür keine Steuergelder verwendet worden seien. Vor allem der regionale Tourismus und Sponsoren hätten die Ausgaben übernommen.

Für die Verpflegung der Zuschauer ist ebenfalls der Austragungsort verantwortlich. «Wer nichts organisiert, der hat auch nichts» so ein OK-Mitglied. Die IMG verteidigt sich. «Prinzipiell erhält ein Etappenort viele Leistungen, der diesen Preis absolut rechtfertigt.»

Viele wollen gar nicht

Im Samstags-Zielort Bad Ragaz beträgt das Budget um die 250'000 Franken. Davon fliessen 105'000 Franken an die IMG. Die Gemeinde bezahlt 40'000 Franken und stellt Werkhofangestellte und Mitarbeiter von Bau und Betrieb zur Verfügung. Das ist darin nicht einmal enthalten. Die Gemeinde wird wohl drauflegen.

Doch die Kosten sind nicht das grösste Problem der mitmachenden Orte. «Viel schlimmer ist das miserable Image des Radsportes. Viele Bürger wollen den Anlass gar nicht», sagt ein OK-Mitglied.