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Justiz
Uli Hoeness: Zocken bei der Bank Vontobel

Uli Hoeness offenbart sich: Vor Gericht gesteht er, 15 Millionen Euro mehr über Zürcher Banken als bisher bekannt hinterzogen zu haben. «Es war immer klar, dass das Konto zum Zocken da war», sagt er.

Veröffentlicht am 10.03.2014

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness hat mehr Steuern hinterzogen als die Staatsanwaltschaft ihm bislang vorwirft. Auf insgesamt etwa 18,5 Millionen Euro summiert sich die ausstehende Steuerschuld, wie der Fussballmanager am Montag vor dem Landgericht München einräumte. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen 3,5 Millionen hinterzogener Spekulationsgewinne angeklagt.

Die höhere Summe ergebe sich aus einer nun vorliegenden Aufstellung von Devisengeschäften zwischen 2002 und 2005, erklärte Hoeness und zeigte sich in dem vielbeachteten Verfahren reumütig. «Ich bin jetzt froh, dass alles transparent auf dem Tisch liegt», sagte der 62-Jährige im Münchner Justizpalast. «Mein Fehlverhalten bedaure ich zutiefst», sagte er. «Ich werde alles dafür tun, damit ich dieses traurige Kapitel für mich abschliessen kann.» Ihm sei klar, dass ihm nur absolute Steuerehrlichkeit helfe.

Devsienspekulation mit Vontobel

Hoeness zeigte sich enttäuscht, dass ihn die Staatsanwälte trotz seiner Selbstanzeige vom Januar 2013 vor Gericht gestellt haben. Nach Recherchen von Journalisten habe er seinerzeit beschlossen, mit Hilfe seines Steuerberaters reinen Tisch zu machen. Seine umfassenden Spekulationen in der Zeit seien auf die Schnelle allerdings nicht zu dokumentieren gewesen. Er habe seinerzeit über ein Zürcher Konto der Bank Vontobel mit Devisen spekuliert und die Gewinne in Wertpapiere angelegt. Über 50’000 Transaktionen seien aufgelaufen.

«Es war immer klar, dass das Konto hauptsächlich zum Zocken da war», sagte Hoeness. Die Beträge seien immer extremer geworden. «Das war der pure Kick, das pure Adrenalin.» Ab dem Jahr 2006 habe sich das Glück dann gewendet. «Es wurde richtig eng.» Sein Freund, der frühere Adidas -Chef Robert Louis-Dreyfus, habe ihm mit Millionenbeträgen aus der Patsche geholfen.

Fünf Millionen für soziale Zwecke

Insgesamt hätten sich die Kapitalmarktgeschäfte nicht gelohnt. «Unter dem Strich habe ich von 2003 bis 2009 einen Millionenverlust erlitten.» Zudem habe er keine Dokumentation über seine Schweizer Geschäfte angelegt. «Ich hatte keinen Überblick. Letztlich war alles ein grosses Durcheinander.» Dass die Münchner Staatsanwälte trotz der Selbstanzeige einen Haftbefehl und eine Hausdurchsuchung erwirkte, habe ihn schockiert. «Die Folgen für mich und meine Familie waren katastrophal.» Er habe sogar Morddrohungen erhalten.

«Ich bin kein Sozialschmarotzer», rief Hoeness. In den letzten Jahren habe er an die fünf Millionen Euro für soziale Zwecke gespendet und in den letzten zehn Jahren mehr als 50 Millionen Euro an Steuern in Deutschland gezahlt.

Fünf Millionen für soziale Zwecke

Die Staatsanwaltschaft will den Fussball-Manager und Wurstproduzenten wegen der Hinterziehung von gut 3,5 Millionen Euro Steuern verurteilt sehen. Anklagevertreter Achim von Engel erklärte zum Prozessauftakt, Hoeness habe seinem Miesbacher Finanzamt Kapitalerträge und Verkaufserlöse von gut 33,5 Millionen Euro verschwiegen. Zudem habe er Verlustvorträge über gut 5,5 Millionen Euro falsch deklariert. Die Selbstanzeige von Hoeness erwähnte der Staatsanwalt nicht.

Das Landgericht München will klären, ob der Fussballmanager wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ins Gefängnis muss. Offen ist, ob Hoeness seine Vergehen so rechtzeitig und umfassend beim Finanzamt angezeigt hat, dass er eine Strafe abwenden kann. Auf Steuerhinterziehung stehen bis zu fünf Jahre Haft, in besonders schweren Fällen zehn Jahre. Der Fussballmanager beruft sich darauf, dass das Gesetz Steuersündern bei einer Selbstanzeige Straffreiheit gewährt. Der Prozess ist auf vier Tage bis Donnerstag angesetzt.

Diskussion um Selbstanzeige

Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl unterbrach nach der Verlesung der Anklage die Verhandlung kurz. Hoeness, der mit drei Anwälten erschien, äusserte sich zunächst nicht. Er bestätigte lediglich mit knappem Nicken seine vom Richter vorgetragenen Personalien. Die Hoeness-Affäre befeuerte die Debatte über den Umgang mit prominenten Steuersündern. Das Rechtsinstrument der Selbstanzeige wird immer stärker genutzt, um einer Strafverfolgung zu entgehen. Allein in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Selbstbezichtigungen im Februar auf einen Rekordwert von knapp 1000.

Während sich Hoeness heftiger Kritik ausgesetzt sieht und die grosse Koalition in Berlin an schärferen Gesetzen arbeitet, stärkten Fans und Sponsoren des FC Bayern ihrem Idol demonstrativ den Rücken. Sie verweisen auf die jahrzehntelangen Verdienste des Ex-Fussballers und Weltmeisters von 1974. Hoeness hatte auch Unterstützer im Gerichtssaal, eine Frau zeigte sich mit einem roten T-Shirt auf dem der weisse Schriftzug «Uli Hoeness – Legend» prangte.

(reuters/me/se)

 
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