Für US-Präsident Donald Trump (79) startete das neue Jahr mit einem Coup, der die ganze Welt durchrüttelte: In der Nacht auf Samstag nahmen US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro (63) in der Hauptstadt Caracas fest. Inzwischen wurde dieser nach New York gebracht, wo er wegen Drogendelikten vor ein Gericht gestellt wird.
Schnell wurde klar, worauf es der Mann im Weissen Haus bei der Grossaktion abgesehen hat: Venezuelas Erdölvorkommen. Davon hat der Krisenstaat in Lateinamerika nämlich eine Menge – mehr als jedes andere Land auf der Welt. Über 300 Milliarden Fass oder rund 17 Prozent der weltweiten Ölreserven schlummern in Venezuela unter der Erde. Heute macht der Staat davon aber kaum mehr Gebrauch.
Trumps Ölpläne bergen massive Risiken
Das will Trump jetzt ändern. Mithilfe US-amerikanischer Energiekonzerne, die kräftig investieren und so die dortige Ölindustrie wieder aufpäppeln sollen. «Unsere Ölkonzerne – die grössten der Welt – werden Milliarden von Dollar investieren, die marode Ölinfrastruktur sanieren und damit Geld für das Land verdienen», erklärte Trump am Samstag vor der Presse.
Doch laut Experten stehen den kühnen Plänen des US-Präsidenten grosse Hürden im Weg. Unternehmen wie Exxon Mobil, Chevron oder Conoco Phillips müssten in den nächsten zehn Jahren jährlich 10 Milliarden US-Dollar investieren, damit das Vorhaben klappt. Anreize dafür gebe es aber praktisch keine, warnen Branchenkenner. Das hat mehrere Gründe.
1. Marode Infrastruktur
Zwar verfügt Venezuela über die weltweit grössten Ölreserven. Und doch macht venezolanisches Erdöl zurzeit weniger als ein Prozent der globalen Ölförderung aus. Misswirtschaft, Korruption, mangelnde Investitionen und schliesslich die Sanktionen der USA gegen die Branche und den staatlichen Erdölkonzern PDVSA liessen die Produktion massiv einbrechen. Die Folgen: Über Jahrzehnte wurden Pipelines, Förderanlagen und Raffinerien vernachlässigt. Viele Anlagen sind ineffizient oder ausser Betrieb. Bis die Infrastruktur wieder vollständig repariert sei, können rasch Jahre vergehen, erklärt ein Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
2. Tiefe Ölpreise und wenig Rendite
Erschwerend kommt hinzu, dass die Förderung von venezolanischem Öl extrem kostspielig ist. Die Produktion ist technisch aufwendig, Transport und Verarbeitung sind teurer als an anderen Orten, es braucht spezielles Equipment und Know-how. Die derzeit tiefen Rohölpreise – an denen Trump weiterhin festhält – machen dortige Investitionen schlichtweg nicht lohnenswert. US-Konzerne tun besser daran, in Regionen zu investieren, wo Öl schneller und billiger gefördert werden kann.
3. Politische Instabilität
Die Ölkonzerne wären wegen der hohen Kosten wohl auch in einem politisch stabilen Land zurückhaltend mit Grossinvestitionen. In Venezuela, einem Land ohne stabile Regierung, sind Investitionen aber um ein Vielfaches riskanter.
Die betroffenen US-Firmen äussern sich dementsprechend reserviert: Auf Anfrage von Bloomberg erklärt Conoco Philips, es sei noch zu früh, über künftige Geschäftsaktivitäten oder Investitionen zu spekulieren. Exxon Mobil wollte sich zu den aktuellen Entwicklungen nicht äussern.
4. Platzhirsch Chevron
Über Jahrzehnte waren die drei US-Riesen Exxon Mobil, Chevron und Conoco Phillips in Venezuela vertreten. Heute ist nur noch Chevron als einzige US-Grossfirma im Land aktiv. Der in Houston ansässige Konzern deckt etwa 25 Prozent der nationalen Ölproduktion ab und verfügt über eine Sondergenehmigung, die es ihm trotz der US-Sanktionen erlaubt, im Land zu bleiben.
Exxon Mobil wie auch Conoco Phillips zogen sich Mitte der 2000er-Jahre aus Venezuela zurück. Analysten sind sich darum einig: Chevrons derzeitige Marktmacht würde es den zurückkehrenden Firmen schwer machen, sich in Venezuela wettbewerbsfähig zu positionieren. Wie genau Trump die Konzerne also zu einer Rückkehr bewegen will, steht noch in den Sternen.

