Nestlé, Roche, Novartis, SMI — das sind die grossen Namen, auf die Anleger gespannt blicken wie ein Kaninchen auf die Schlange. Viele Börsianer erhoffen sich dort das grosse Geld und schöne Kursgewinne. Diese strahlenden Namen allerdings verdecken leicht den Blick in die zweite Reihe. Dabei finden Anleger dort die wahren Kurschampions.

Die Performance zeigt das ganz eindeutig. Zwar bringt es der SMIC — das ist der SMI inklusive Dividenden — in den letzten fünf, zehn und 15 Jahren auf Steigerungen von 35, 115 und 190 Prozent, aber die Titel aus der zweiten Reihe im SMIM schneiden in den selben Zeiträumen deutlich besser ab.

Nebenwerte im SMIM — enorme Outperformance zu Blue Chips

So liefern die 30 grössten und liquidesten Werte ausserhalb des SMI in den letzten fünf Jahren ein Plus von 70 Prozent, in den letzten zehn Jahren gab es dort Steigerungen von 165 Prozent und seit Oktober 2004 sogar ein Plus von 320 Prozent!

Während die grossen Blue Chips im SMI inklusive Dividende in den letzten 15 Jahren damit eine jährliche Performance von durchschnittlich 7,3 Prozent abwerfen, waren es bei den grössten Nebenwerten 10,0 Prozent im Jahr!

Die Erfolgsstrategie der Hidden Champions

Ein Grund für die klare Outperformance ist die Zusammensetzung des SMIM. «Im Index gibt es besonders viele Unternehmen, die ein einzigartiges Geschäftsmodell mit speziellen Produkten oder Dienstleistungen besitzen und damit in ihrem jeweiligen Markt eine führende Stellung einnehmen», erklärt Andreas Stocker, Börsenexperte bei Commerzbank.

Diese Firmen aus der zweiten Reihe, diese verborgenen, sogenannten «Hidden Champions» verbinden aber noch weitere Gemeinsamkeiten. «Bei diesen Mid Caps handelt es sich oft um Familienunternehmen, die nicht selten vom Hauptaktionär selbst geführt werden und die dabei keine nur von kurzfristigen Erfolgen geleitete Strategie verfolgen, sondern langfristig denken», weiss Stocker.

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Solide Finanzierung

Viele haben allerdings zwar auf der einen Seite eine exzellente Marktstellung in ihrer Nische, aber «Hidden» sind sie dann auch nicht. Manche Unternehmen aus dem SMIM sind sogar weltweit bekannt und ganz prominent. Etwa eine Lindt & Sprüngli, die Schokolade ist weltberühmt, eine Logitech, die Computertastaturen oder Computermäuse hat fast jeder in der Hand, und ohne eine Swatch oder zumindest einen Rohling des Unternehmens gehen rund um den Globus ganz viele Menschen nicht aus dem Haus.

Auffallend ist bei den grossen Nebenwerten auch das solide finanzielle Fundament mit einer hohen Eigenkapitalausstattung. Das hilft ihnen wirtschaftliche Schwächephasen oder Rückschläge in der Forschung und Entwicklung von neuen Produkten leichter wegzustecken.

Überdurchschnittliches Gewinnwachstum

Die starke Marktstellung mit exzellenten Produkten in einer Nische zahlt sich in Krisenzeiten besonders aus. «Während Analysten ihre Schätzung beim Gewinnwachstum für die grossen Werte in Europa im Stoxx Large 200 seit Anfang des Jahres von 7,8 auf 3,7 Prozent gekürzt haben, gab es bei den Stoxx Mid 200 nur eine geringfügige Reduktion von 9,1 auf 8,4 Prozent», berichtet Aktienexperte Stocker.

Im nächsten Jahr übrigens sollen die Mid Caps in Europa beim Gewinnwachstum ebenfalls die Nase vorn haben. Das Researchhaus FactSet rechnet dabei in 2020 bei den Blue Chips mit einem Gewinnanstieg um 9,4 Prozent, die Mid Caps sollen ihr Ergebnis aber um 9,9 Prozent ausbauen.  

Straumann — enormes Wachstum

Ein Überflieger sogar für die Mid Cap-Verhältnisse im SMIM ist Straumann. Seit 2013 ist der Titel auf das Siebenfache geklettert. Der Gesundheitskonzern mit Fokus auf Produkte und Lösungen für Zahnersatz und Zahnerhalt wächst aber auch stark und konnte den Umsatz in den letzten vier Jahren auf 1,4 Milliarden Franken verdoppeln. Der Dentalspezialist profitiert zum einen vom hohen Wachstumstempo am Markt für Implantate mit Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent pro Jahr und kauft zudem beständig Firmen des Sektors insbesondere im Ausland zu.

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Mit einem erwarteten 30er-KGV im nächsten Jahr ist die Aktie zwar nicht ganz billig. Aber Straumann ist mit einem Marktanteil von 25 Prozent Weltmarktführer und wächst um 15 Prozent im Jahr und damit dreimal so schnell wie die Branche. Schon 2022 ist ein 20er-KGV drin. Wegen der aktuell etwas hohen Bewertung kann es zwischenzeitlich zwar zu Korrekturen kommen, aber mittelfristig sind deutlich höhere Kurse drin.

Helvetia — top Performance und günstige Bewertung

Von einem Hoch zum nächsten jagt auch Helvetia. Die Aktie der Versicherung bringt in diesem Jahr bereits ein Plus von 25 Prozent und hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Dazu kommen hohe Dividenden aktuell von 3,6 Prozent.

Mit seiner Performance zählt der Finanzkonzern aus St Gallen zu den wenigen Finanzkonzerne in der Schweiz und in Europa, die heute höher stehen als je zuvor. Trotz des aktuellen Höhenflugs gibt es die Aktie zum moderaten 13er-KGV. Und das liegt weit unter dem Durchschnitt im SMIM mit einer KGV-Bewertung von über 20.

Zwei Immoaktien im Favoritenkreis des SMIM

Mit Swiss Prime Site und PSP Swiss Property finden sich im SMIM auch zwei Immoaktien. Mit dem Immobilienboom der letzten Jahre ging es auch mit den beiden Titeln steil bergauf und ein Ende des starken Laufs ist nicht in Sicht.

Die Zinsen dürften möglicherweise noch bis Mitte der 20er-Jahre niedrig bleiben und Immobilien als Asset so weiter anfeuern. Die beiden Unternehmen ruhen sich aber auf dem Rückenwind der Zinsen nicht aus und optimieren ihr Portfolio oder setzen auf Expansion. Bei Swiss Prime etwa ist wegen der Fertigstellung mehrerer Bauprojekte ab Ende 2019 mit einem deutlichen Anstieg im Mietertrag zu rechnen.

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Breit gestreut mit von der Partie

Börsianer, die breit gestreut auf den SMIM setzen wollen, greifen zum Indexzertifikat (ISIN: CH0029591101, Laufzeit endlos). Bei einem Bezugsverhältnis 10:1 sind Anleger dann bei weiteren Kursgewinnen der grossen Nebenwerte voll mit von der Partie.