Digitale Assets werden für das Schweizer Banking immer wichtiger: Mit Sygnum und Seba gibt es zwei lizenzierte Banken. Bei Swissquote hat der Boom bei Bitcoin und Co. die vergangenen zwei Jahre das Handelsgeschäft und die Anzahl der Neukundinnen und Neukunden mächtig befeuert. Und mit der Crypto Finance gibt es einen Finanzdienstleister, der eine wachsende Asset-Management-Sparte unterhält.

Banken und Family Offices gehen rein

«Krypto – oder digitale Assets – ist ein zukunftsgerichteter Wachstumsmarkt mit enormem Potenzial für Anlegende und somit auch für Asset Manager», sagt Stefan Schwitter, der kürzlich die Leitung des Asset-Management-Bereichs bei Crypto Finance übernommen hat. «Als neue Assetklasse mit aktuell gerade mal 1 Billion Dollar Marktkapitalisierung sind für die nächsten Jahre aussergewöhnliche ‹Multiples› möglich.»

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Das Potenzial dieser neuen Assetklasse werde ernst genommen, und das zeige sich an den Vorgängen der traditionellen Finanzwelt. So bieten Firmen wie Blackrock, Fidelity, Wells Fargo und viele andere ihren Kundinnen und Kunden bereits Zugang zu Kryptoanlagen, sagt Schwitter weiter. «Es kommt auch nicht von ungefähr, dass die Asset Management Association Switzerland, der Verband der Schweizer Asset Manager, kürzlich die Crypto-Finance-Gruppe als Mitglied aufgenommen hat», so Schwitter. «Auch hier möchte man sich für die Zukunft positionieren.»

Traditionelle Asset Manager sieht man hier nicht als Konkurrenz. «Diese Assetklasse hat sehr spezifische Charakteristiken, die eine traditionelle Asset Managerin beziehungsweise ein traditioneller Asset Manager zuerst verstehen muss und in ihrem beziehungsweise seinem Risk-Framework und den Prozessen erst mal abbilden können muss», erklärt Schwitter. Das Verständnis für die Blockchain-Technologie sei dabei zentral.

Seit Jahresanfang haben Bitcoin und Ether, die Kryptowährung auf dem Ethereum-Protokoll und -Netzwerk, gut 60 Prozent an Wert verloren. Für Schwitter ist das kein Grund zur Beunruhigung. «Krypto ist eine junge Assetklasse und somit deutlich dem Marktsentiment ausgesetzt. Während Privatinvestoren vermehrt prozyklisch agieren, das heisst, bei steigenden Kursen investieren und bei fallenden verkaufen, sehen wir einen deutlich anderen Trend bei institutioneller Kundschaft.» Banken, Vermögensverwalter und Family Offices würden sich darauf vorbereiten, Kryptoanlagen in ihrem Vermögensraster umzusetzen. «Je nach Institut kann dies über Anbindung zum Kryptohandel, Auswahl der Custo-dy-Lösung oder über Anlageprodukte laufen», so Schwitter.

Viele bereiten sich darauf vor, Kryptoanlagen in ihrem Vermögensraster zu haben.
 

Kryptowährungen seien im aktuellen Entwicklungsstadium ein ausgeprägtes «risky asset», welches sich mehr oder minder im Gleichschritt mit anderen «risky assets» wie beispielsweise Wachstumsaktien bewegt, sagt Schwitter. Konkret heisst das, dass das aktuelle Makroumfeld von steigenden Zinsen und steigendem Dollar negativ für Kryptowährungen ist.

«Wir sind vorsichtig, wenn es darum geht, Narrative für Krypto zu bedienen», sagt Schwitter. «Wer sich von Krypto einen Hedge gegen steigende Zinsen, hohe Inflation oder fallende Aktienkurse erhofft hatte, wurde in der Tat enttäuscht. Ein sinnvolles Narrativ ist unseres Erachtens, dass Bitcoin ein ‹outside money› darstellt, das nicht nach Belieben inflationiert oder konfisziert werden kann.» Was die weiteren Kryptowährungen, die Altcoins, angeht, so sei hier das geeignete Narrativ, dass es sich hierbei um Technologieplattformen und -anwendungen handle.

Für Investierende gibt es unterschiedliche Zugangswege. Für Banken könne eine Anbindung an eine Handels- und Custody-Plattform die richtige Wahl sein. Dasselbe gelte für professionelle Anleger – gerade auch mit Zugang zu Kryptoderivaten. «Für die meisten Anlegerinnen und Anleger macht der Zugang über geeignete Kryptoanlageprodukte am meisten Sinn», erklärt Schwitter. «Gerade bei Anlageprodukten hat auch ein Umdenken stattgefunden, wobei Anlegerinnen und Anleger vermehrt auf die Struktur und die Gegenparteirisiken der Anlageprodukte schauen.» Gerade sogenannte ETP weisen Gegenparteirisiken auf, die Anlegerinnen und Anleger mittlerweile genau beachten. «Für sicherheitsbewusste Anleger macht ein regulierter Kryptofonds am meisten Sinn, da er die höchste Sicherheit bietet», so Schwitter.

Auch die Mitte September reibungslos erfolgte Umstellung beim Ether sieht Schwitter als positiv an. «Der erfolgreiche ETH-‹Merge› zeigt eindrücklich, dass die Krypto-Community heute in der Lage ist, extrem anspruchsvolle Projekte umzusetzen und sich weiterzuentwickeln. ETH als mit Abstand grösste Anwenderplattform verbraucht nach dem Merge über 99 Prozent weniger Energie, und zukünftige Upgrades werden das Protokoll auch schneller und skalierbarer machen.»