Sie wuseln in den grossen Lagerhallen, sie schleppen schwere Kisten und sie stapeln die Produkte so, dass die Etiketten vorne und gut sichtbar sind. Die Rede ist nicht von den Menschen, die in den riesigen Auslieferzentren der grossen E-Commerce-Plattformen täglich halbe Marathon-Strecken absolvieren. Sondern von Roboter-Lösungen für die Auslieferzentren. Durch die Covid-19-Pandemie ist das Interesse für neue Technologien stark gestiegen. Denn die bestehenden Zentren müssen nicht nur Corona-tauglich gemacht werden, um die Menschen zu schützen. Roboter kommen deshalb zunehmend in solchen Zentren zum Einsatz.

Grosse Verteilzentren werden bereits heute von Technologie dominiert: Computer dirigieren die Waren, die ganz anders verteilt werden müssen als früher. Statt Paletten an die Filialen zu liefern, müssen heute einzelne, meist individuell bestellte und kombinierte Waren in bestimmten Päckli sehr schnell zu ganz bestimmten Kunden gebracht werden. Geschwindigkeit, Flexibilität und letztlich eine höhere Flächenproduktivität sind die wichtigen Faktoren hier – und es haben sich einige bemerkenswerte Startups in diesem Bereich formiert.

Auch die Flächen der Verteilzentren lassen sich inzwischen flexibel mieten und nutzen. Davon versprechen sich alle etwas: Vermieter reduzieren beziehungsweise vermeiden Leerstand, Amazon-Konkurrenten können eigene Lager in der Nähe ihrer Kunden aufbauen und dadurch Auslieferzeiten weiter verkürzen. Die Startup-Plattform Warehousing1 aus Deutschland beispielsweise vermittelt solche Flächen; Ende 2019 wurde eine weitere Kapitalrunde erfolgreich abgeschlossen.

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Ideal für Retouren

Auch grosse Logistiker wie UPS sind hier aktiv. Die Firma Flowspace beispielsweise stellt Interessenten nicht nur die Datenanalysen für das Realtime-Tracking von Gütern und Paketen zur Verfügung. Die digitalen Anschlüsse sind auch kompatibel mit den Systemen von Amazon, Shopify und Walmart – und damit den grössten denkbaren Konkurrenten im E-Commerce.

Weitere Startups wie Bond, Darkstore und Ovi haben sich darauf spezialisiert, nicht genutzte Flächen wie ehemalige Retailgeschäfte und freie Lagerflächen in grossen Malls zu lokalen Verteilzentren umzunutzen, die dann nicht nur sehr nahe «bei den Kunden» sind, sondern über die praktischerweise auch weitere (Abhol-)Dienste angeboten werden können.

Der Wettbewerb ist hart: Im Juli dieses Jahres verkündete die Lagerfirma Flexe eine Kooperation mit Google Merchants und Google Shopping Ads, um den Endkunden der Waren auf der Basis der aktuellen Lagerbestände jeweils präzisere Schätzungen zu den Eintreffzeiten vermitteln zu können.