Auch wenn sämtliche Kinos während des Lockdowns geschlossen waren (etliche sind es weiterhin) – auf Filme verzichten musste niemand: Alleine Netflix hält ein Angebot von 36 000 Filmstunden, entsprechen vier Jahre Nonstop-Schauen, bereit. Viele Hollywood-Streifen sind auf Disney+ zu sehen. Mubi, Sky Show, Myfilm und weitere Streamer bringen ebenfalls Filme und mit Amazon Prime Video sowie Apple TV+ gibt es Player mit der erforderlichen finanziellen Stärke, um attraktive Filme und Serien zu verbreiten.

Marktführer unter den bezahlten Diensten ist indes weiterhin Netflix, das in der Schweiz gemäss jüngsten Zahlen zwei Millionen Haushalte erreicht.

Gemäss dem Marktforschungsunternehmen Statista wird Youtube in der Schweiz am meisten genutzt: Rund zwei Drittel aller Schweizer schauen hier regelmässig Filme, deutlich mehr als bei Netflix sowie den Diensten der grossen Telekom-Netzbetreiber in der Schweiz. Amazon kommt auf 7,3 Prozent, Netzkino auf 2,8 Prozent.

Typischerweise haben Haushalte zwei bis drei Streaming-Dienste abonniert. Sie verlieren indes gemäss den Analysten der Investmentbank Bernstein nicht nur langsam die Übersicht über das, was sie sehen. Jetzt drängen sich auch erste Gratisdienste, die sich über Werbung finanzieren, in den Markt. Werbeeinnahmen gelten unter den Streaming-Verbreitern auch als potenzielle weitere Einnahmequelle, um im sich verschärfenden Wettbewerb bei attraktiven neuen Inhalten mitzuhalten. Aus der Sicht der Werbetreiber sind solche Angebote ebenfalls interessant, denn nicht jede Firma will sich den Reputationsrisiken der Youtube-Inhalte aussetzen. Wegweisend ist auch hier Asien: In China ist das werbefinanzierte Streaming das Standard-Geschäftsmodell. Youku von Alibaba, Iqiyi von Baidu und Tencent Video kommen auf je eine halbe Milliarde Zuschauer.

Anzeige

Ob die Rechnung dabei aufgeht und die Zuschauenden mehr als lediglich ihre Augenbrauen über ihren rechteckigen Augen leicht heben, wenn Gratis-Streaming kommt, ist offen. Zwar zeigt die Marktforschung eine Sättigung bei der Anzahl der Dienste und gemäss Umfragen ist ein Drittel der Kunden bereit, für niedrigere Abo-Kosten oder für ein Gratisangebot Werbung zu ertragen (oder diese Zeit für den Gang zum Kühlschrank zu nutzen). Laut den Bernstein-Analysten wird es für den Erfolg dieser Angebote aber entscheidend sein, ob und wie lang die Werbezeit im Verhältnis zum Programm ist. In den USA und in Italien erreicht die Werbung 15 bis 20 Minuten pro Stunde. Werbefinanzierte Angebote haben laut den Analysten lediglich eine Chance, wenn sie unter und bis maximal 5 Minuten bleiben.

Unter Analysten gilt es als ausgemacht, dass sich der Gigant Amazon mittelfristig in einer Poleposition befindet. Denn beim besonders zukunftsträchtigen Contextual Shopping, also dem Einkauf von Produkten beim Zuschauen von Sendungen, ist man besonders gut positioniert.