Wohnungen, Fahrzeuge und Büroräume teilen – im Februar 2020 war die Welt für die Mega-Disruptoren Airbnb, Uber und Wework noch schwer in Ordnung. Spätestens seit März ist das mit der physischen Nähe bei geteiltem Besitz so eine Sache, Reisen in schöne Destinationen sind weitgehend unmöglich, das Homeoffice hat die Gemeinschaftsräume abgelöst. Erweist sich Corona als Innovationskiller?

Auf den ersten Blick trifft das zu: Kreativität lässt sich schlecht isoliert nur via Zoom, Slack, Skype, Hangouts oder Teams aufbauen. Zufällige Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Fachrichtungen, wie sie in Live-Innovations-Seminaren typisch sind, gibt es damit kaum. Es ist auch ungleich schwieriger, gemischt zusammengesetzte Teams aufzubauen, wenn die Talente irgendwo auf der Welt blockiert sind.

Demgegenüber stehen die Gewinner. E-Commerce boomt genauso wie praktisch alles andere, was sich von zu Hause aus über Mobiltelefone und Notebooks konsumieren lässt: Netflix, Spotify, E-Sports, Computerspiele und natürlich die Cloud-basierten Arbeits- und Kommunikationstools. Selbst mobiles Banking, in Europa vor 2020 eher eine Angelegenheit der Taschengeldgeneration-Z, hat seinen Durchbruch erlebt.

Das ist kein Zufall. Bekannte Firmen und Produkte waren in Krisen entstanden: Microsoft 1975 nach der ersten Rohöl krise, Uber 2009 nach der Finanzkrise. Der iPod von Apple, mit dem der angeschla gene Computerhersteller 2001 seine Wende schaffte, kam nach dem Platzen der Dot-com-Blase. Und Alibaba, das chinesische Gegenstück zu Amazon, gelangte 2003 auf den Markt, als sich in China die Corona-virus-Krankheit Sars ausbreitete.

Als Disruptionskiller treten vermehrt die grossen Tech-Unternehmen auf. Sie kaufen nicht nur alles auf, was ihnen gefährlich werden könnte – wie es Facebook mit Instagram und Whatsapp vorgemacht hatte. Weil in den entwickelten Ländern in den kommenden zwei Jahren der Staat als letzte grosse Stütze der Nachfrage auftreten wird und Präferenzen für grosse Lieferanten hat, sind das zwar gute Nachrichten für die grossen Tech-Adressen. Aber schlechte für viele kleine.

Das Gleiche gilt für Airbnb, Uber und Wework. Hotels schliessen reihenweise, Taxis bleiben stehen, geteilte Büros bleiben leer. Den Kern der Asset-freien Vermittler betrifft es weniger; sie haben flexiblere Geschäftsmodelle. Allzu sicher sollten sie sich aber nicht fühlen. Denn in etlichen angemieteten Räumen treffen sich ambitiöse Disruptoren. Ihr wichtigstes Ziel: die Geschäftsmodelle ihrer digitalen Gastgeber umkrempeln.