Stabilität und Frieden. Offene Grenzen und der grösste Wirtschaftsraum der Welt. Die europäische Integration ist ein Erfolg. Aber die wahre Errungenschaft liegt in der Wertegemeinschaft. Europa steht für Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit. Die Menschenrechte sind zum Imperativ geworden – einschliesslich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören.

Diese Aspekte müssen gewahrt werden. Ohne Wenn und Aber. Es gibt keinen Kulturrelativismus, wenn es um die Durchsetzung der Menschenrechte geht. Wenn Minderheiten in Portugal oder Polen, in Ungarn oder Griechenland, in Frankreich oder Rumänien bedroht und verfolgt sind, darf Europa nicht wegschauen. 

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Das ist das Europa, das sich die neue Generation wünscht. Sie ist mehrsprachig, häufig gut ausgebildet, überregional vernetzt und multimedial engagiert. Sie ist vereint im Glauben an den europäischen Wertekanon, der für eine pluralistische Gesellschaft steht. Sie will offene Grenzen und offene Entwicklungsmöglichkeiten. Sie fordert individuellen Freiraum und Selbstverantwortung. 

Ihr Gegner sind die Kräfte, die daran arbeiten, Rechtssysteme umzubauen und autoritäre Strukturen hochziehen. Seit Jahren etwa treten in einzelnen europäischen Staaten Gesetze in Kraft, die die Freiheit der Justiz einschränken. Medien stehen unter staatlicher Kontrolle. Missliebige Wissenschaftler werden diffamiert. Rechtspopulistischer Hass wird nach dem Giesskannenprinzip ausgeschüttet.

Europa muss diesen Kräften die Stirn bieten. Der europäische Wertekanon gebietet das. Und die europäische Jugend wünscht sich eine Gesellschaft, in der man – unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Religion, Hautfarbe, Ethnie oder sozialem Status – mit Eigenverantwortung ein Leben in Frieden und Prosperität führen kann. 

Die alte Generation hat Frieden geschaffen, die neue muss für die freie und faire Gesellschaft eintreten, um der Selbstverwirklichung des Individuums zu dienen. Das Europa der neuen Generation muss den Grundsätzen der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls folgen – und fusst damit auf einem zutiefst europäischen Gedankenkonstrukt, einst ersonnen von Kant und Rousseau. 

Zwei Prinzipien sind in diesem neuen Europa wegweisend: Das Prinzip des gleichen Rechts und das Differenzprinzip, das Abweichungen vom ersten Prinzip nur dann zulässt, wenn die am schlechtesten Gestellten einen Vorteil daraus ziehen.

Millennials im Brennpunkt

«Let Europe arise. Die nächste Generation übernimmt in herausfordernden Zeiten. Welches Europa wollen die Millennials jetzt?» lautet das diesjährige Hauptthema der Gesprächs- und Ideenplattform Europa Forum. Als Höhepunkt der Jahresaktivitäten findet am 23. und 24. November 2022 das Annual Meeting im KKL Luzern statt.

Zu den namhaften Speakerinnen und Speakern zählen alt Bundesrätin Doris Leuthard, Deutschlands früherer Aussenminister Sigmar Gabriel, Historiker und Publizist Timothy Garton Ash, Schriftstellerin Nora Bossong, Chefin Sicherheitspolitik des VBS Pälvi Pulli und Politexperte Fabrice Pothier. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket.