In «Anna, die Schule und der liebe Gott» zeichnet Richard David Precht ein interessantes Szenario: Man nehme Entwicklungspsychologen und Lerntheoretiker und beauftrage sie damit, eine Schule von Grund auf neu zu bauen. Wie funktioniert «Lernen»? Wann und unter welchen Bedingungen lernt man am besten? Wie ist es um die Psyche von jungen Menschen bestellt? Solche Fragen müssten bei der Errichtung berücksichtigt werden. Diese «Superschule» hätte mit 95 Prozent der heutigen Schulen nichts zu tun. 

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Ein düsteres Fazit – fast schon unglaubwürdig. Denn im EU-Bildungsmonitor liest man, dass der Bildungsraum Europa – vor allem Länder wie die Schweiz, Schweden und die Niederlande – gut aufgestellt ist. Doch was heisst das überhaupt? Wir trichtern jungen Menschen eine unglaubliche Menge an Stoff in kürzester Zeit ein und betiteln es als «hohes Bildungsniveau». Frage: Wer weiss noch, was er oder sie mit 13 gelernt hat? Wovon handelt zum Beispiel das ohmsche Gesetz?

Was in den meisten Schulen herrscht, nennt Bildungsexperte Reinhard Kahl «Bulimie-Lernen»: schnell füttern, schnell bei Prüfungen wieder von sich geben und danach schnell vergessen. Beim Thema Bildung wird Quantität mit Qualität verwechselt. 

Dabei ist eine qualitativ hochwertige Bildung so wichtig wie noch nie. Wir erleben in Europa ein explosives Wachstum des quartären Sektors: Sprich höherwertige Tätigkeiten, die spezialisierte Kenntnisse erfordern, werden immer wichtiger. Und die Hälfte der Berufe, die junge Menschen in Zukunft ausüben werden, gibt es noch gar nicht. Ergo: Es bedarf eines Bildungswesens, das auf nachhaltige Wissensaufnahme und die Bedürfnisse des zukünftigen Arbeitsmarktes gerichtet ist. EU-Bildungsziele mit Fokus auf Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter gehen in die richtige Richtung. Doch es braucht weitaus mehr als das: andere Lehrpläne, andere Methoden und eine ganz andere Interaktion in Schulen. Eine Bildungsreform reicht nicht, wir brauchen eine Bildungsrevolution. Wie genau diese aussehen soll, wissen die Experten. Deswegen ist es so wichtig, sie zu fragen.

Millennials im Brennpunkt

«Let Europe arise. Die nächste Generation übernimmt in herausfordernden Zeiten. Welches Europa wollen die Millennials jetzt?» lautet das diesjährige Hauptthema der Gesprächs- und Ideenplattform Europa Forum. Als Höhepunkt der Jahresaktivitäten findet am 23. und 24. November 2022 das Annual Meeting im KKL Luzern statt.

Zu den namhaften Speakerinnen und Speakern zählen alt Bundesrätin Doris Leuthard, Deutschlands früherer Aussenminister Sigmar Gabriel, Historiker und Publizist Timothy Garton Ash, Schriftstellerin Nora Bossong, Chefin Sicherheitspolitik des VBS Pälvi Pulli und Politexperte Fabrice Pothier. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket.