Netto-Null bis 2050: Welchen Beitrag kann und muss die Wirtschaft für dieses herausfordernde Ziel noch leisten? Um einige der drängendsten Nachhaltigkeitsthemen unserer Zeit anzugehen, haben sich EY, das Europa Forum Luzern und Green Business Switzerland zusammengetan und eine Veranstaltungsreihe mit Nachhaltigkeitsverantwortlichen internationaler Unternehmen mit Sitz in der Schweiz organisiert. In drei virtuellen Events werden Herausforderungen, Trends und Best Practices auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung von Unternehmen beleuchtet.

Während es bei der ersten Veranstaltung um Lebensmittelverpackungen und Ernährungssicherheit ging, standen bei diesem zweiten Event die Branchen Finanzen, Bau und Energie im Fokus. Eingeladen waren Vertreter und Vertreterinnen der Unternehmen BlackRock Switzerland, Vermögensverwalter, Holcim (Tochter von LafargeHolcim Ltd.), Schweizer Baustoffhersteller und BKW Group, Energieunternehmen. Im Panel diskutierten Dr. Mirjam Staub-Bisang (Country Head, BlackRock Switzerland), Dr. Beat Hess (Chairman of the Board of Directors, Holcim) und Dr. Suzanne Thoma (CEO, BKW Group). Moderiert wurde die Runde von Stephan Geiger, ESG Lead Financial Services von EY Schweiz.

Riesiges Wachstum nachhaltiger Investitionen

Eine CO2-arme Weltwirtschaft – wie soll das gehen? «Will ein Unternehmen seine CO2-Emissionen reduzieren, braucht es einen glaubwürdigen, datenbasierten Plan», hielt Stephan Geiger gleich zu Beginn fest. Daten und Messungen können dieses Ziel nachhaltig unterstützen. Damit nannte der Moderator wichtige Faktoren, die während der gesamten Diskussion wiederholt von den Panelisten hervorgehoben wurden.

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«BlackRock entwickelt Messinstrumente, mit denen Unternehmen transparent über ihr Klimarisiko informieren und Investoren so bei ihrer Investitionsentscheidung helfen sollen», verriet Mirjam Staub-Bisang in ihrem Einstiegsreferat. «Wir tun das, weil wir der Überzeugung sind, dass ein Klimarisiko auch ein Investitionsrisiko ist. Deshalb unterstützen wir unsere Kunden in ihren Bestrebungen zu einer Netto-Null-Welt.» Unternehmen, die diesbezüglich mangelhaft vorbereitet seien, würden früher oder später schlechter bewertet und das Vertrauen ihrer Kunden verlieren. Denn die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionen sei immens, betont Staub-Bisang. Es gebe ein «signifikantes globales Momentum», dem überraschenderweise nicht einmal die Coronapandemie einen Abbruch tat. Gerade auch dank dem Green Deal der EU und nun auch jenem der USA werden Produkte und Portfolios zunehmend in Einklang mit den Pariser Klimazielen gebracht. «Nachhaltigkeit ist Mainstream geworden», so Staub-Bisangs Fazit.

Reduktion in vollem Gange

Moderator Stephan Geiger wollte daraufhin wissen, welche Nachhaltigkeitsagenden die BKW Group und Holcim verfolgen. Suzanne Thoma wies auf Erfolge sowohl im Energiegeschäft (profitable Portfolios mit Sonne und Wind) als auch im Bereich Gebäude und Infrastruktur hin (Emissionsreduktion dank dem Einsatz neuer Technologien). Beat Hess sprach seinerseits von Abfallwirtschaft sowie Plänen von neuen Formen von Zement, deren Herstellung weniger CO2 verursacht (etwa durch Recycling). Dabei stellte er klar: «Wir sind der grösste Zementproduzent der Welt und natürlich ist uns bewusst, dass die Herstellung viel CO2 verursacht. Eine Reduktion ist für uns deshalb eine Frage des Überlebens.» (Stichwort CO2-Steuer).

Da der heutige tiefe Zementpreis durch die CO2-Reduktion sicherlich steigen würde, müssten Konsumenten und Architekten für neue Zement- und Gebäudeformen empfänglich und zahlungswillig sein. «Blicken wir auf die Tatsache, dass 60 Prozent der grösseren Städte (Stand Juli 2021) noch nicht gebaut sind, müssen wir uns vorbereiten», sagte Hess. «Gerade Investoren wie BlackRock sind diesbezüglich eine grosse Hilfe. Sie helfen uns und pushen uns.» Auch Suzanne Thoma bestätigte einen gewissen Investitionsschub von der Finanzbranche in Richtung nachhaltigere und kostenintensivere Gebäude.

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Nachhaltigkeit als neuer Standard

Generell dürfen nachhaltige Portfolios nicht als Premiumprodukte gelten: Laut Bisang-Staub sind Investoren nicht bereit, für einen nachhaltigen Ansatz Premiumpreise zu bezahlen. BlackRock Switzerland verschiebe daher seine gesamte Produktpalette in Richtung Nachhaltigkeit – alles andere wird vom Markt nicht mehr akzeptiert. Was geschieht, wenn der Druck der Investoren zu weit geht? Suzanne Thoma glaubt, dass sämtliche Nachhaltigkeitsbestrebungen nur möglich sind, solange das weitere Fortbestehen des Unternehmens und seines Kerngeschäfts gesichert ist. In anderen Worten: «Wollen wir erneuerbare Energien herstellen, müssen wir gleichzeitig immer noch die Versorgungssicherheit unserer Kunden gewährleisten. Wäre diese in Gefahr, könnte dies ein Grund sein, nicht zu investieren.»

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