Wie gross ist das Art Management bei Kendris?

Die Sammlungen unserer Kundinnen und Kunden, die wir permanent betreuen, haben insgesamt einen Wert von rund 3  Milliarden Dollar. Wenn wir noch die Sammlungen von denjenigen hinzurechnen, die wir von Zeit zu Zeit betreuen, kommt sicherlich noch einmal 1 Milliarde dazu. Manche Sammlerinnen und Sammler haben klein angefangen und gehören jetzt zu den 200 bedeutendsten weltweit.

 

Was machen Sie genau für Ihre Kunden?

Wir bieten die klassischen Dienstleistungen eines Art Managements: beispielsweise den Kauf und Verkauf von Kunstwerken, deren Versicherung oder die ganze Logistik inklusive Verpackung und Lagerung. Wir organisieren die Ausleihen an Museen, beraten bei steuerlichen Fragen und erarbeiten Verträge aller Art. Es sind auch mal nur Kleinigkeiten wie zum Beispiel Rahmungen oder dann ein Transport von Europa in den achtzigsten Stock eines Hochhauses in New York.

 

Wenn ich einen Picasso kaufen will: Worauf ist zu achten?

Es ist ja eigentlich absurd. Wenn Sie einen Fernseher kaufen, bekommen Sie ein dickes Handbuch dazu. Wenn Sie ein Kunstwerk in Millionenhöhe kaufen, bekommen Sie gar nichts dazu. Dann kommen wir ins Spiel und sagen: Wir brauchen einen Zustandsbericht und Bilder für die Versicherung sowie die ganze Dokumentation. Dazu gehören die Informationen darüber, wo das Werk herkommt und wem es vorher gehört hat. Wichtig ist auch ein Echtheitszertifikat des Künstlers und ein Zertifikat von Art Loss Register.

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Zeichnen sich Trends bei den nachgefragten Dienstleistungen ab?

Bei der bestehenden Kundschaft werden Services wichtiger, die Risiken ausschliessen. Was wir nicht wollen, ist Raubkunst, illegalen Handel mit Antiquitäten, Geldwäsche, Import- und Exportprobleme oder unzulässigen Kulturgütertransfer. Die Prüfungen und Abklärungen und auch die Dokumentation von Kunstwerken sind viel umfangreicher geworden. Zumal eine seriöse Dokumentation auch zum Werterhalt der Sammlung beiträgt. Bei Kendris ist es sicherlich einzigartig, dass wir so eng mit den anderen Abteilungen zusammenarbeiten, sodass wir das Risiko für die Kundinnen und Kunden minimieren und sie nicht in einen Rechtsfall hineinlaufen oder ihren Ruf schädigen. Die Kunstwelt ist ein Dorf, und jeder will Fehler vermeiden. Wir haben Prozesse und interne Checklisten, die für Transaktionen sehr wichtig sind.

 

Sie arbeiten sehr international. Gibt es Länder, in denen es besonders schwierig ist?

Es kommt immer auf die Aufgabe an. Eine Herausforderung ist sicherlich immer New York, wenn ein Kunstwerk bei der Lieferung in ein höheres Stockwerk gebracht werden muss und beispielsweise ein Kran benötigt wird. Die ganzen Versicherungen und Genehmigungen drum herum sind schon sehr aufwendig.

 

Ab wann sollte man sich um ein professionelles Art Management kümmern?

Das kommt immer auf die Art und den Umfang der Sammlung an. Eine Sammlung historischer Fotografien mit 8000 Werken ist von der Quantität her sehr komplex, da wird dann eine Datenbank notwendig. Bezogen auf die finanzielle Grösse sollte man bei einem Wert von 3 bis 5 Millionen Schweizer Franken schon an solch einen Service denken.

Was kostet das den Sammler oder die Sammlerin?

Wir rechnen nach effektivem Zeitaufwand ab. Bei mir würde die Leistung 325 Franken in der Stunde kosten, bei anderen Mitarbeitenden etwas weniger, 195 Franken. Viele Interessierte geben uns ein Kostendach von beispielsweise 10 000 Franken, und dann kümmern wir uns um alle Dinge, bis zu dieser Preisgrenze. Und bei Einzelaufträgen, wie bei dem erwähnten Audit, erarbeiten wir eine Offerte für die Dienstleistung mit einem Fixbetrag.

 

Und wenn Sie bei Verkäufen unterstützen?

Dort arbeiten wir dann auf Provisionsbasis. Wenn das Werk einen Millionenbetrag erzielt, sind es zwischen 1 und 3 Prozent auf den Verkaufspreis.

 

Wie ist das Vorgehen, wenn eine Sammlung verkauft werden soll?

Bei Familiensammlungen kommt es häufig vor, dass nicht alle Werke übermässig wertvoll sind. Ein häufiger Weg ist, dass man über ein Auktionshaus geht. Dort kann man dem Auktionshaus anbieten, dass es sich die besten Stücke aussucht, aber dann wollen wir, dass auch die anderen Werke in kleineren Auktionen angeboten werden. Das ist sicherlich der schnellste Weg, doch das kostet natürlich auch eine Provision von 20 bis 25 Prozent für das Auktionshaus. Handelt es sich um eine sehr werthaltige Sammlung, könnte man mit dem Auktionshaus besprechen, dass es daraus eine eigene Auktion macht. Oder man geht in den Sekundärmarkt, also zu den Galerien, die die einzelnen Künstlerinnen und Künstler vertreten, und bietet dort die Kunstwerke an. Eine gute Möglichkeit ist, einen Art Advisor einzuschalten, die oder der sich auf die Werke spezialisiert hat.

 

Was kann man beim Kunstkauf falsch machen?

Was sicherlich schon jeder Sammlerin einmal passiert ist: ein schneller Kauf. Man geht zur Kunstmesse, sieht etwas und kauft es direkt. Das ist häufig eine regelrechte Jagd nach Kunst, wenn die Messen den wichtigen Sammlern erlauben, vorab durch die Hallen zu gehen und sich innert ein paar Stunden alles anzuschauen und zu kaufen. Dort wird dann schnell vergessen: Wie ist der Zustand, was ist das für ein Material? Es ist ja nicht nur die klassische Malerei, Bildhauerei und Fotografie, die gekauft wird, sondern es werden sogar Werke aus Klopapier gefertigt oder aus Tumblerstaub-Abfall. Manchmal sind die Kunstwerke so gross, dass sie nicht ins Haus oder an den vorgesehenen Platz passen – oder sie sind zu schwer, der Boden hält es nicht aus. Die Schnelligkeit ist keine gute Beraterin.

Was noch?

Es gibt Fälle, bei denen Käuferinnen oder Käufer wertvolle Bilder ohne die notwendigen Zolldeklarationen einfach mit dem Privatjet mit ins Ausland genommen haben. Oder aufgerollt der Assistentin mit ins Flugzeug geben. Bei solchen Fällen bereiten wir vorgängig die erforderliche Deklaration vor, damit alles korrekt importiert und exportiert wird.

 

Was würden Sie Personen raten, die gerade anfangen, eine Sammlung aufzubauen?

Sie sollten die Kunst lieben, die sie kaufen und sich vorstellen können, sie ihr ganzes Leben zu behalten. Wir empfehlen, nicht nach irgendwelchen Trends oder gemäss aktuellem Hype zu kaufen. Das ändert sich alles so schnell.

 

Was wird noch häufig falsch gemacht?

Der Klassiker ist, dass man sein Budget überschreitet, weil es bei einer Auktion zu einem Wettbieten kommt. Und ganz wichtig ist immer die Instandhaltung des Werks, die auch Kosten verursacht.

 

Ein Beispiel?

Denken Sie nur an den Hai, den Damien Hirst in Formaldehyd eingelegt hatte. Nach ein paar Jahren sah der Hai dann auf einmal sehr schwanger aus, und Hirst musste ihn ersetzen. Aber auch bei weniger prominenten Werken muss geprüft werden: Wie sind Feuchtigkeit und Licht in den Räumen der Kunstwerke, wie lagere ich sie ein? Das muss alles gewährleistet sein.

 
 

Welche Leistungen das Art Management umfasst

Expertise  Birgit Gudat verfügt als Kunsthistorikerin über umfassende Kenntnisse im Bereich des Sammlungsmanagements, des Kunstmarktes sowie des internationalen Museumswesens. In ihrer über zwanzigjährigen Laufbahn war sie für renommierte Museen, Auktionshäuser und Privatsammlungen tätig und hat sich ein internationales Netzwerk in der Kunstwelt aufgebaut. Bei Kendris leitet sie die Abteilung Art Management. Diese Abteilung betreut internationale und nationale Kunstsammlungen in all ihren Aspekten, einschliesslich An- und Verkauf, Inventarisierung, Bewertung, Nachforschungen, kuratorische Dienstleistungen, Logistik sowie Strukturierung, Finanzierung und Treuhandservice. Zusammen mit Expertinnen und Experten aus dem Rechts- und Steuerteam bildet die Abteilung ein Gremium, das sämtliche Kunsttransaktionen bei Kendris prüft und begleitet.

Florian Fels
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