Das neue Logistik- und Servicezentrum in Schlieren macht nicht nur Fläche frei für die Gesamterneuerung der Infrastruktur des Universitätsspitals Zürich (USZ) und spart dank ausgeklügelten Logistikprozessen Zeit und Geld. Mit dem City-Logistik-Konzept entlastet es auch den innerstädtischen Verkehr. In Anlehnung an das Konzept der effizienten Konsumentenresonanz (ECR) und unter Einbezug erfolgreich praktizierter Konzepte aus Handel und Industrie entwickelten die Verantwortlichen ein Referenzmodell Spitallogistik. Der Schwerpunkt lag dabei auf standardisierten Prozessen und planbaren Abläufen bei geringem Warenbestand unter Beibehaltung einer hohen Verfügbarkeit.

Branchenübergreifende Standards

Das Logistik- und Servicezentrum dient deshalb nicht primär als Lager, sondern vielmehr als Drehscheibe für den Materialfluss in und aus dem Spitalkomplex. Nur rund 10 Prozent der Waren werden gelagert. Über 20000 Artikel werden ohne Zwischenlagerung gebündelt an die verschiedenen USZ-Standorte geliefert. Täglich werden so über 700 Empfänger in 43 Kliniken und Direktionen mit über 12 Tonnen Material bedient.

Um dies zu ermöglichen, wurden bestehende Lösungen weiterentwickelt und auf die Spitallogistik ausgerichtet. Das automatische Kleinteilelager wurde extra für die Lagerung von sämtlichen im Spital benötigten sterilen und nicht sterilen Warengruppen konstruiert, ein Behälterkonzept mit speziell angefertigten Deckeln eingeführt und standardisierte Rollcontainer entwickelt.

Innovative Technologien optimieren die Logistikprozesse vom Produzenten bis hin zum Patienten. Für die Waren-, Informations- und Werteflüsse kommen branchenübergreifende StandardszumEinsatz. Alle Ladungsträger sind mit Barcode- Etiketten und RFID-Transpondern ausgezeichnet, eindeutige Identifikationen kennzeichnen auch sämtliche Rampen und Räume. Somit können die Sendungen entlang der logistischen Ketten nach GS1- Standards lokalisiert und verfolgt werden. Die Good-Distribution-Practices-(GDP-) Konformität ist mittels Qualitätsmanagement und eines durchgängigen Temperatur- Monitoring-Systems über die ganze Versorgungskette sichergestellt. Ab 2020 wird auch die Aufbereitung von Medizinprodukten am Logistik- und Servicezentrum möglich. Die Dienstleistung soll zudem auch anderen Spitälern angeboten werden.

Einmaliges Konzept in heiklem Umfeld

Die Jury des Swiss LogisticsAward sieht im Logistik- und Servicezentrum des USZ ein einmaliges Konzept für die Versorgung von Patienten in einem schwierigen Umfeld. «Das Gesundheitswesen als wichtiger Eckpfeiler unserer Gesellschaft erlebt zurzeit einen enormen Schub in Logistikthemen, der von einer Professionalisierung in diesem Bereich zeugt», sagt Jury- Präsident Hans Rudolf Hauri. Überzeugt hat die Lösung des USZ auch, weil im Zentrallager alle Warengruppen von Medizinprodukten inklusive Sterilisierung über Medikamente der Kantonsapotheke bis hin zu Lebensmitteln abgewickelt werden können. Zudem wurde der ECR-Ansatz in einer Tiefe umgesetzt, die im Gesundheitswesen eher selten sei, so Hauri. «Zu guter Letzt hat das USZ das Zentrumnicht nur für sich erstellt, sondern möchte dieses auch für weitere Akteure öffnen. Dies birgt vor dem Hintergrund des stetig steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen wertvolles Einsparpotenzial.»

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