Die Erfolgsgeschichte der Mehrwegbehälter hält bereits über siebzig Jahre an. Denn die Förder- und Lagerhilfsmittel haben sich in der Logistik bestens bewährt. Aufgrund ihrer Verpackungsqualität, Kosten (Anschaffung, Handling und so weiter) und Umweltverträglichkeit entscheiden sich viele Unternehmen für den Einsatz von mehrfach verwendbaren Kunststoff- Ladungsträgern. Unter dem Aspekt der Logistik 4.0 gewinnt die Mehrwegbehälterlogistik weiter an Bedeutung.

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Neue Anforderungen für Hersteller

Die Etablierung der Lean-Philosophie in der Gestaltung unternehmerischer Fertigungs- und Logistikprozesse und die dadurch sinkenden Losgrössen konfrontieren Behälterhersteller mit neuen Kundenanforderungen. Einerseits steigt die Nachfrage nach kleineren Behältern. Anderseits haben sich die Anforderungen an das Handling von Mehrwegbehältern verändert. Der Behälter muss intelligent sein, indem er beispielsweise sicherstellt, dass Bauteile in der Montage nur in der richtigen Reihenfolge entnommen werden können (Shadowboards). Auch die Anforderungen an die Materialbeschaffenheit von Behältern verändern sich durch die fortschreitende Digitalisierung – gerade in der Automobilindustrie.

Insbesondere die E-Mobilität bringt immer mehr Bauteile mit elektronischen Komponenten und Sensorik und dadurch höhere Reinheits- und Schutzanforderungen mit sich. Die Utz Gruppe entwickelt ihre Behälter in enger Zusammenarbeit mit ihren Kunden kontinuierlich weiter, um so den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Der Schritt von Lean Logistics hin zu Logistik 4.0 zeichnet sich durch eine flächendeckende Integration und Verfügbarkeit von logistikrelevanten Daten aus, welche dank neuartigen und zunehmend bewährten Informations- und Kommunikationstechnologien erfasst werden können. Logistik 4.0 steht heute für die flexible Selbstorganisation autonomer logistischer Objekte in der Wertschöpfungskette. Dem Mehrwegbehälter kommt dabei eine wichtige Rolle zu, da er in der Regel die kleinste logistische Einheit darstellt. Jede Bewegung eines Ladungsträgers kann sich auf alle anderen Objekte in der Wertschöpfungskette auswirken. Einerseits verändern sich dadurch Bestände und Prozessfortschritte in Arbeits- und Bestellvorgängen, anderseits werden Ressourcen wie beispielsweise Anlagenkapazität, Platz und Transportvolumen verbraucht. Der optimale Systemzustand kann sich mit jeder Bewegung verschieben. In komplexen logistischen Systemen ist es daher zielführender, viele dezentrale Entscheidungen in Echtzeit zu treffen, statt eine vermeintlich optimale Entscheidung im Nachhinein.

Auto-ID-Technologie setzt sich durch

Um einen autonomen Materialfluss zu ermöglichen, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein (siehe Box). Obwohl Technologien für die klare Identifizierbarkeit von Ladungsträgern bereits seit zehn Jahren verfügbar sind, erleben die Auto-ID-Technologien (zum Beispiel RFID) nun den Durchbruch. Mit deren Einsatz kann die notwendige Transparenz zur optimalen Steuerung der Warenströme geschaffen und somit können Lagerbestände, Durch- sowie Umlaufzeiten und Ausschuss signifikant reduziert werden. Die verzögerte Ablösung verdeutlicht, wie sehr Mehrwegbehälter von den vorhandenen Logistiksystemen und deren Digitalisierungsgrad abhängig sind. Oft kommt es in der Umsetzung von Innovationen in Bezug auf Mehrwegbehälter zu Verzögerungen, weil die Umrüstung bereits vorhandener Kommissionieranlagen oder Lagersysteme mit sehr hohen Kosten verbunden ist.

Steigende Kundenanforderungen und zunehmende Behördenauflagen setzen Unternehmen allerdings immer mehr unter Druck, die Nachverfolgbarkeit bis auf Behälterebene (oder gar Produktebene) sicherzustellen. Pharmaprodukte zum Beispiel müssen unter Einhaltung der GDP-Richtlinien (Good Distribution Practice) ausgeliefert werden. Dies stellt viele Unternehmen vor grosse Herausforderungen, da ein bestimmter Temperaturbereich über die gesamte Transportzeit nachweislich eingehalten werden muss. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Firmen für den Einsatz von intelligenten Mehrwegbehältern, welche die Innentemperatur stabil halten und gleichzeitig in Echtzeit dokumentieren.

Gemeinsame Verpackungsentwicklung

Mehrwegbehälter bieten nebst der Temperaturkontrolle und der Minimierung von Transportschäden auch den Vorteil der Abfallvermeidung. Dies zeigt auch die eindrückliche Zahl von durchschnittlich 75 000 Tonnen Karton, welche beispielsweise ein Kunde von Utz durch den Einsatz von Mehrwegbehältern jährlich einsparen kann. Darüber hinaus wird durch das Recycling von Mehrwegbehältern der Materialkreislauf geschlossen. Defekte Behälter dienen auch als Input für den Entwicklungsprozess von neuen Verpackungen. Immer mehr Unternehmen möchten die Entwicklung von Mehrwegbehältern an Verpackungsspezialisten auslagern und Embedded-Engineering- Dienstleistungen in Anspruch nehmen, damit sie sich voll und ganz auf ihre Kerntätigkeiten konzentrieren können. Gerade unter dem Aspekt der fortschreitenden Digitalisierung ist die frühzeitige Entwicklung von ausgeklügelten Mehrwegverpackungen ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Logistikkonzeptes von morgen.