Sein Interesse an internationalen Themen und politischer und wirtschaftlicher Kausalität wurde ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater arbeitete für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und war als Arzt unter anderem in Afghanistan und im Sudan im Einsatz. Und durch dessen Engagement beim IKRK lernte Dominique Ursprung auch das Diplomatiezentrum Genf schätzen.

Seine Ausbildungsreise begann daher am Genfersee. Er absolvierte am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung (IHEID) ein vierjähriges Studium. Und erinnert sich: «In Genf wurde mir aufgrund der Hunderten von Studierenden, die den gleichen Abschluss anstrebten, klar, dass ich mich spezialisieren muss. Gleichzeitig entstand dort auch eine erste Beziehung zu Japan. Sie war das Resultat vieler Bekanntschaften, die mir dieses Land näherbrachten und damit Neugier für den Inselstaat auslösten.»

Auf nach Tokio

Dank einem Stipendium der Handelskammer Schweiz-Japan, einer Organisation, die Ursprung eine Dekade später leiten würde, kam er zu einem Austauschsemester an der Sophia-Universität in Tokio. Das Thema dort war International Economics, aber das Lernerlebnis für Ursprung etwas speziell. Da er nur englischsprachige Kurse besuchen konnte, war sein Sozialleben am Campus eingeschränkt. Und deshalb wurden seine hohen Erwartungen nur teilweise erfüllt. Der Austausch mit Japanern war recht limitiert und das Verhalten der meist jüngeren Mitstudierenden kam ihm häufig etwas albern vor.

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Interessant ist, dass die Sophia eine römisch-katholische Bildungsstätte ist. Ursprung hatte sich aber nicht deshalb dafür entschieden, sondern: «Da das IHEID damals keine Abkommen mit Japan hatte, musste ich mich als zahlender ‹non-degree student› einschrieben. Die Vorgabe war, dass ich drei meiner vier Genfer Disziplinen belegen musste: Geschichte, Politik und Wirtschaft. Diese Kombination wurde nur an der Sophia angeboten, und so war dies auch meine einzige Option für dieses Austauschsemester.»

Der Aufenthalt in Tokio vermittelte auch eine breitere Sichtweise auf die Nachbarländer China und Korea. «Die Dozenten und Dozentinnen waren sehr gut; so wie beispielsweise die Schweizer Professorin Martina Deuchler. Sie ist eine der bedeutendsten Kennerinnen der diplomatischen Geschichte Koreas.»

Klar, dass Ursprung die koreanische Halbinsel auch persönlich kennenlernen wollte; 2008 kam das Angebot für ein Praktikum an der Schweizer Botschaft in Seoul gerade richtig.

Der Entscheid für einen zweiten Master an der SOAS London traf Ursprung während diesem EDA-Praktikum in Seoul. «Ich stellte ernüchtert fest, dass auf Schweizer Seite niemand vertiefte Kenntnisse des Gastlandes hatte. Wie schon in Japan realisierte ich, dass nur fundiertes Hintergrundwissen es erlaubt, eine Arbeit glaubwürdig auszuüben. Für mich mitentscheidend, nicht in Asien weiterzustudieren, war auch die fehlende Debattenkultur in Asien.»

Die regionale Spezialisierung wollte Ursprung zwar behalten, nur mussten seine nächsten Ausbildungsetappen an einer Institution sein, die universitäre Sprachkurse als integrierten Teil des Studiums anbietet. Und so machte Ursprung seinen Master of Science in International Management for Japan an der School of Oriental and African Studies (SOAS) in London.

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Der Kreis schliesst sich

Was nach der Pandemie wohl auf Jahre hinaus limitiert sein wird, ist das günstige Reisen rund um den Globus.

Dominique Ursprung nutzte diese Möglichkeiten und legte damit einen Grundstock an Wertschätzung für den Fernen Osten. Wissen, das er später in seiner Karriere direkt umsetzen konnte. «Für eine junge Person extrem wertvoll ist das persönliche internationale Netzwerk, das man während eines Auslandjahrs aufbauen kann.»

Dass das tatsächlich funktioniert, sieht man an der Karriere von Ursprung. Während seiner Zeit im Land der aufgehenden Sonne erfuhr er per Zufall, dass die ZHAW mit der Universität Ritsumeikan in Beppu, im Südwesten Japans, eine Partnerschaft führt.

Im Sommer 2012 durfte Ursprung an der ZHAW den Bereich Foreign Affairs and Applied Diplomacy aufbauen.

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Der Japan-Kenner

Name: Dominique Ursprung 
Funktionen: Dozent ZHAW Center for European Business & Affairs; Direktor Handelskammer Schweiz-Japan, SJCC; Sekretär der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Japan 
Alter: 35 
Ausbildung: 2008 International Economics, Sophia-Universität Tokio, 2011 Master of Science, SOAS London, 2014 CAS Hochschuldidaktik ZHAW Zürich