Dass der Fachkräftemangel gerade vor handwerklichen Berufen nicht Halt macht, dürfte keine Neuigkeit sein. Deshalb müssen Unternehmen und die dazugehörigen Berufsverbände erfinderisch werden, um Kindern und Jugendlichen diese Berufe näherzubringen. Eine solche kreative Initiative stammt aus der Feder des Fachverbands der Metallbaubranche, Metaltec Suisse. Vor drei Jahren lancierte dieser sein Botschafterprojekt «Metall+du macht Schule». Metall+du ist die Nachwuchskampagne des Verbands und setzt sich dafür ein, den Bekanntheitsgrad der Berufe in der Metallbaubranche zu erhöhen.

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Ein selbstgemachtes Racletteöfeli

Das Botschafterprojekt richtet sich an Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen und einen praxisnahen Einblick in die Berufe im Metallbau erhalten möchten. Die Zusammenarbeit mit einer Klasse dauert mehrere Monate: Zu Beginn des Projekts instruieren die Metallbaubotschafterinnen und -botschafter die Klassen im Metallwerken und erklären ihnen den Auftrag. Aktuell können zwei verschiedene Werkstücke angefertigt werden: ein Dragster-Rennwagen und ein Racletteöfeli, das mit Teelichtern betrieben wird. Im mittleren Teil des Projekts arbeiten die Klassen selbstständig an ihren Werkstücken und lernen so die verschiedenen Tätigkeiten von Metallbauern und Metallbauerinnen kennen. Dazu gehören etwa das Bohren, Schweissen oder Schleifen.

Die Botschafterinnen und Botschafter  stehen bei Bedarf für Fragen zur Verfügung. Zum Schluss kommen sie nochmals im Unterricht vorbei und haben dabei auch die Gelegenheit, eine kurze Präsentation über die Berufe Metallbauerin EFZ und Metallbaukonstrukteur EFZ zu halten. Die fertigen Werkstücke dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen und tragen so das Projekt aus dem Klassenzimmer hinaus.

Für Lehrpersonen entsteht für den Unterricht wenig oder nur ein ganz geringer Mehraufwand: Das Projekt enthält nämlich drei bis sechs vorbereitete Doppellektionen und eine Metallbaubox mit Prototypen der Werkstücke und den Planungsunterlagen. Ausserdem kann bei Bedarf und Möglichkeit auch Werkzeug ausgeliehen werden.

Bei den Botschafterinnen und Botschaftern der Kampagne handelt es sich um Fachpersonen, die selbst in einem Metallbaubetrieb arbeiten und zusätzlich vom Verband für diese neue Aufgabe ausgebildet wurden.

Zwei dieser Botschafter sind Cyrill Küng aus Basel-Stadt und Marco Lustenberger aus Luzern. «Für mich ist Metallbauer der schönste Beruf! Deshalb ist es mir ein Anliegen, dass ich junge Menschen ebenfalls dafür begeistern kann», schwärmt Marco Lustenberger. Ist er nicht als Botschafter unterwegs, arbeitet er als Werkstattleiter bei Metallbau Bühlmann in Wauwil. Cyrill Küng, Geschäftsleiter von Pivot Küng, kann nur beipflichten und ergänzt: «Handwerkliche Berufe haben zurzeit einen schweren Stand, das wissen wir alle. Es ist deshalb umso wichtiger, in Schulen präsent zu sein und sowohl unsere Berufe als auch die Weiterbildungsmöglichkeiten zu vermitteln.» Gerade den Eltern, die bei der Berufswahl zu den bedeutendsten Bezugspersonen gehören, muss aufgezeigt werden, dass sich ihre Kinder nach der Lehre weiterbilden können.

Obschon beide Botschafter ihre bisherigen Projekte als positiv werten, liegt auf der Hand, dass nicht alle Jugendlichen danach automatisch Metallbauerin oder Metallbaukonstrukteur werden möchten. «Das ist aber auch nicht weiter schlimm», findet Marco Lustenberger, «es geht darum, ein Bewusstsein für die Berufe zu schaffen. Das Schöne ist, dass alle Jugendlichen am Schluss ihr Werkstück mit nach Hause nehmen. Dort weckt es dann das Interesse des Bruders oder einer Freundin, und so werden unsere Berufe über die Klasse hinaus bekannter gemacht.»

 

Positive Reaktionen von Schulen

Im Fall von Marco Lustenberger hat sich das Projekt bereits so weit herumgesprochen, dass er von interessierten Schulen kontaktiert wird. Die positiven Reaktionen von Lehrpersonen und Kindern bestärken die beiden Botschafter darin, dass diese Initiative der Nachwuchskampagne Metall+du wichtig ist. «Es ist ein gutes Gefühl, wenn sich am Schluss sowohl die Lehrpersonen als auch die Kinder bei mir bedanken», berichtet Cyrill Küng. «Auch ich habe nur gute Rückmeldungen erhalten und freue mich darauf, vielen weiteren Klassen unser Handwerk näherzubringen», sagt Marco Lustenberger. Dass beide Botschafter in den gleichen Schulen mehrere Klassen betreuen dürfen, ist eine Bestätigung für den Erfolg des Projekts.