Porträt des Tages - Biella Neher AG
Digitaler Wandel belastet Bundesordner-Hersteller

Biella Produktion in Brügg
Seit Jahren kämpft der für seine Bundesordner bekannte Büromaterial-Hersteller Biella mit den Herausforderungen des digitalen Wandels.Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY

Die Digitalisierung und die ausländische Konkurrenz haben dem Büromaterial-Hersteller Biella zugesetzt. Nun dürfte die Schweizer Traditionsfirma französisch werden.

Von Roberto Stefano
am 29.03.2019

Mit einem Minus von über 53,75 Prozent sind die Aktien von Biella-Neher die klaren Verlierer unter den liquidesten Werten im OTC-Markt im Vergleichszeitraum: Ende 2013 noch an der Berner Börse BX zu 8000 Franken kotiert, ist ihr Preis bis Ende 2018 – inzwischen im ausserbörslichen Handel - auf 3700 Franken gefallen. Der Kurssturz ist durchaus begründet: Seit Jahren kämpft der für seine Bundesordner bekannte Büromaterialhersteller mit den Herausforderungen des digitalen Wandels. Die zunehmende Digitalisierung führt zu einem anhaltendend Rückgang im klassischen Geschäft mit Büroartikeln. Zudem befindet sich das Traditionsunternehmen in einem intensiven Wettbewerb mit günstigeren Herstellern aus dem Ausland.

 

Digitale Archivierungslösungen und Restrukturierungen

Als Antwort auf den Rückgang in ihrem angestammten Business hat Biella digitale und hybride Archivierungslösungen unter dem Namen SimplyFind entwickelt. Diese sollen den Sinkflug bei den Erlösen stoppen und langfristig die Profitabilität sichern. Zuvor musste das Unternehmen allerdings mehrere Restrukturierungsmassnahmen einleiten. Zuletzt wurde das Biella-Werk in Polen geschlossen sowie die lokalen Vertiebseinheiten in Warschau und Hoorn in den Niederlanden.

 

Der Schritt hat deutliche Spuren im jüngsten Halbjahresergebnis hinterlassen: Wegen Restrukturierungskosten in der Höhe von 4,1 Millionen Franken bis Juni 2018 resultierte ein Verlust von fast 6 Millionen Franken im ersten Semester. Zuvor erzielte der Büromaterialhersteller im gesamten Geschäftsjahr 2017 bei einem Umsatz von 130,7 Millionen Franken, ein Konzernergebnis von 3,2 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis (Ebit) ging von 3,1 auf 2,7 Millionen Franken um fast 13 Prozent zurück.

 

Kaufangebot für 4607 Franken pro Aktie

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen bei der Biella Gruppe allerdings verändert. Zur Freude der Aktionäre: Mitte Mai veröffentlichte die Konkurrentin Exacompta SAS mit Sitz in Paris ein Übernahmeangebot für das Traditionsunternehmen. Für alle im Publikum befindlichen Aktien bieten die Franzosen einen Preis von 4607 Franken pro Wertpapier. Damit will die Gesellschaft die vollständige Kontrolle des Schweizer Hauses erreichen. Dem Deal bereits zugestimmt haben der Verwaltungsrat von Biella sowie die bestehenden Ankeraktionäre EGS Beteiligungen, Nebag und die Neher Holding, die zusammen einen Anteil von 52,69 Prozent am Unternehmen halten. Die Übernahme von Biella durch Exacompta soll es ermöglichen, die Ressourcen beider Firmen zu bündeln, um die Marktpositionen beider Gesellschaften zu festigen und auszubauen, erklärte die Schweizer Traditionsfirma in ihrer Meldung zum geplanten Verkauf.

 

Ankeraktionäre planen Übernahme der nicht operativen Aktiven

Da der französische Käufer kein Interesse an den nicht operativen Aktiven von Biella in Polen und Ungarn zeigt, plant die Beteiligungsgesellschaft Nebag zusammen mit den weiteren Ankeraktionären die Übernahme dieser Tochtergesellschaften. Für den Kauf wollen sie die Polun Holding gründen, sollte das Angebot zustande kommen. Die Nebag beabsichtigt in das neue Unternehmen 2,4 Millionen Franken zu investieren.

Anzeige