Sind künstlichen Treibstoffe, so wie Synhelion sie zukünftig im Industriemassstab herstellen will, lediglich eine Brückentechnologie, bis man andere Energieträger nutzen kann? Oder wird man diese Treibstoffe viele Jahre verwenden können?

Herkömmliche Treibstoffe nutzen fossile Energiequellen, die jedoch zum einen nicht unendlich verfügbar sind und zum anderen umweltschädliche Emissionen verursachen. Wir gehen deshalb einen anderen Weg und nutzen für die Herstellung unserer Treibstoffe die Kraft der Sonne. Solarwärme ist die preiswerteste erneuerbare Energiequelle, in riesigen Mengen verfügbar und weltweit an vielen Orten nutzbar. Langstreckentransporte, insbesondere die Luftfahrt, brauchen einen Energieträger mit sehr hoher Energiedichte und globale Infrastrukturen zur Betankung. Es existiert heute beispielsweise keine Batterie-Technologie, welche Interkontinentalflüge ermöglichen könnte. Wir gehen darum davon aus, dass wir noch sehr lange auf flüssige Kohlenwasserstoffe in gewissen Transportsektoren angewiesen sein werden, und sehen darum nachhaltige Treibstoffe nicht als Brückentechnologie, sondern als langfristige Lösung.

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Ein wichtiges Thema bisheriger Energieträger ist die Gesamtbilanz inklusive Umwandlungsverlusten. Wie sieht es hier aus? 

Unsere Technologie basiert auf konzentrierter Sonnenstrahlung. Wir nutzen die Wärme der Sonne also direkt und wandeln sie nicht zuerst in Strom um. Die geringere Anzahl an Umwandlungsschritten macht unsere Technologie in der Produktion äusserst effizient.

An welchen Stellen konkret finden hier Innovationen statt?

Die vier Schlüsselinnovationen, die wir bei Synhelion selbst entwickelt haben, sind zunächst für die Produktionsanlagen das Spiegelfeld und die Steuerungstechnik. Je genauer wir die Spiegel fokussieren und so Streuungsverluste verhindern können, desto weniger Spiegel und demzufolge weniger Gesamtfläche brauchen wir. Zweitens ist es der Solar-Receiver, der saubere solare Prozesswärme bei nie zuvor erreichten Temperaturen von über 1500 Grad Celsius liefert. Drittens unser thermochemischer Reaktor, der die Sonnenwärme zur Erzeugung von Synthesegas nutzt. Und viertens ist es unser thermischer Energiespeicher (TES), der einen kontinuierlichen Betrieb rund um die Uhr ermöglicht.

Philipp Furler: CEO und Gründer von Synhelion

Philipp Furler: CEO und Gründer von Synhelion

Quelle: ZVG

Der Luftfahrt-Retter

Name: Philipp Furler

Funktion: CEO und Gründer von Synhelion

Ausbildung: PhD in Maschinenbau ETH Zürich (2014), Executive MBA der University of Strathclyde. -Insgesamt mehr als zehn Jahre -Berufserfahrung in den Bereichen Hochtemperatur-Solarchemie und Reaktorbau.

Das Unternehmen: Das Zürcher ETH-Spin-off Synhelion stellt aus Solarenergie und mit den beiden Ausgangskomponenten Wasserstoff und Kohlenmonoxid künstliche Treibstoffe her. Diese bilden eine grüne Alternative zu den fossilen Treibstoffen, denn sie haben die gleichen Eigenschaften wie fossile Energieträger. Im März 2022 hat die Fluggesellschaft Swiss angekündigt, ab dem nächsten Jahr mit dem Solartreibstoff zu fliegen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Nutzung bisheriger Infrastrukturen – wie sieht es hier aus?

Unsere Solartreibstoffe sind mit der weltweit bestehenden Infrastruktur für Treibstoffe kompatibel. Das bedeutet, dass unsere Solartreibstoffe in bestehenden Verbrennungsmotoren und Flugzeugturbinen verwendet werden können und dafür auch keine neuen Lagerungs- und Transportkapazitäten geschaffen oder umgerüstet werden müssen.

Auch die Produktionsstandorte sind bei der Energieerzeugung ein aktuelles, wichtiges Thema.

Ein entscheidender Vorteil von Solartreibstoffen besteht darin, dass die Technologie zu ihrer Herstellung nicht um Ackerland konkurrenziert, das für die Landwirtschaft benötigt wird. Wir brauchen typischerweise Wüstengebiete mit viel Sonnenschein. Solche Flächen sind in vielen Regionen rund um den Globus vorhanden, auch in politisch sehr stabilen Regionen wie Südeuropa, Australien oder den USA.

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