1. Home
  2. Unternehmen
  3. Die Angola-Connection des Jean-Claude Bastos

Pläne
Die Angola-Connection des Jean-Claude Bastos

Der Schweizer Investor Jean-Claude Bastos will das ­westafrikanische Angola entwickeln. Mit eigenen Mega-Projekten, Staatsmilliarden und prominentem Netzwerk. Nun taucht er in den Paradise Papers auf.

Von Sven Millischer
2017-11-01

Das Herz Angolas schlägt über einer Migros-Filiale im Zürcher Kreis 1. Im ersten Stock sitzt an einem Holztisch der schweizerisch-angolanische Investor und Unternehmer Jean-Claude Bastos in weissem Hemd und schwarzer Hose. Er mustert sein Gegenüber kurz durch die Hornbrille, schwingt sich lässig in die Stuhllehne und sagt in breitem Freiburger Dialekt: «Natürlich bin ich ein Klumpenrisiko.»

Die Aussage ist eine blanke Untertreibung. Denn «Jay-Cee», wie er sich im Gespräch nennt, ist überall und nirgends. Ein hyperaktiver Netzwerker für die Sache des Schwarzen Kontinents, im besonderen Angolas Wirtschaft. 20 Prozent weilt er in der Schweiz, 30 Prozent in Westafrika und 50 Prozent jettet er sonstwo auf der Welt umher. Heute Dubai, morgen Durban, übermorgen Dubrovnik. Und dazwischen wirbelt er aus seinem Zürcher Office über der Migros-Filiale.

Jobchancen für Junge

Afrikas Bevölkerungsexplosion treibt Bastos um. Mit Unternehmertum will er Jobchancen für Junge schaffen. «Private Equity» als Alternative zur westlichen Entwicklungshilfe, die wenig nachhaltig sei. Sein «Africa-for-Africa»-Credo trägt der schwerreiche Serienunternehmer mit gemeinnützigen Initiativen in die Welt hinaus: Vom African Innovation Fund mit Ex-DEZA-Chef Walter Fust als Präsidenten bis zum Londoner Thinktank OMFIF, der über die Zentralbanken-Landschaft sinniert.

Gleichzeitig managt der rastlose Bastos den mit fünf Milliarden Dollar dotierten Staatsfonds Angolas und baut an einem 800 Millionen Dollar teuren Tiefseehafen vor der Küste Cabindas. Sein «Bébé», wie er das logistische Megaprojekt nennt.

Auf seiner Mission hat der Charismatiker mit Heimatort Welschenrohr im Kanton Solothurn auch das Schweizer Wirtschaftsestablishment in seinen Bann gezogen: Ob SBB-Verwaltungsrätin Monika Ribar, Ex-Bundesrätin Ruth Metzler, Starwerber Frank Bodin oder der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner. Sie alle haben Jean-Claude Bastos in seinen Firmen als Verwaltungsräte oder Beiräte zur Seite gestanden.

Unterstützung von Ex-Bundesrätin Metzler

Die hiesigen Topmanager wollen das Engagement für den umtriebigen Schweiz-Angolaner allerdings nicht an die grosse Glocke hängen. Keine Zeile findet sich im CV von Ruth Metzler zum langjährigen Beiratsmandat bei Bastos Zuger Finanzgruppe Quantum Global. Auf Anfrage erklärt die Ex-Bundesrätin schriftlich, bei Quantum im Advisory Board für «regulatorische Fragen und Governance-Themen mit Schweiz-Bezug» zuständig zu sein. Auch SBB-Frau Monika Ribar weist 2015 ihr VR-Mandat für Capoinvest - Bastos Hafengesellschaft auf den Britisch Virgin Islands -  ohne den Offshore-Firmensitz aus. «Eine bestimmte Absicht war nicht damit verbunden», sagt ein SBB-Sprecher. Klar ist: Die Marke «Angola» hat in der Welt einen zweifelhaften Ruf. Und Bastos persönliche Bande zur Politelite in der westafrikanischen Republik ist sehr eng, wenn man wie er, die Öl-Milliarden des «Fundo Soberano» zu investieren hat.

Das Staatsfonds-Mandat lässt die Honorare in Multimillionen-Höhe sprudeln. Man arbeite zu «Industrie-Konditionen», sagt Bastos, der mittlerweile über 600 Angestellte beschäftigt. Sein Company-Geflecht reicht um den Globus: Von den British Virgin Islands über Zug und Zypern bis nach Mauritius und den Seychellen (siehe Netzwerkdiagramm). Bastos steuermilde Konstruktionen wurde auch von Appleby aufgesetzt. Die auf Offshorefirmen spezialisierte Anwaltsfirma hatte ein Datenleak, das eine Gruppe internationaler Investigativ-Journalisten ausgewertet hat. Erwartet wird ein zweite Panama Papers.

«Ich liebe Komplexität»

Auf sein weit verzweigtes Firmengeflecht angesprochen, antwortet Bastos: «Ich liebe Komplexität» und rattert wie zum Beweis die Kennzahlen einzelner Beteilungen herunter. Angereichert mit dem Finanzslang eines Investment Bankers: Von Built-Operate-Transfer bis Residualwert.

Ähnlich fluid wie sein sich ständig häutendes Finanz- und Firmenkonglomerat ist auch Bastos Gesprächsführung. Ein Gedankenblitz jagt den nächsten. In einem Moment erklärt er der Quantentheorie seine grosse Liebe, um hernach über eine animistische Geisterbeschwörung mit viel Whisky an Cabindas Küste zu schwärmen. Der Austausch gleicht einem intellektuellen Parforceritt: Anregend, aber anstrengend.

Tough im Geschäft

Zumal die Afrika-Philanthropie nur eine Facette ist. «Im Geschäft bin ich tough», sagt der Sohn einer Schweizer Fabrikantentochter und eines angolanischen Freiheitskämpfers trocken. Wer nicht performt im schwierigen afrikanischen Umfeld, hat keinen Platz in seiner Vision für ein neues Angola. Die Personal-Fluktuation im Firmenimperium ist hoch, die Zahl seiner Gegner stattlich, sowohl in Angola wie in der Schweiz. Als «Bottleneck», als Flaschenhals, in dem sich alle Entscheide aufstauten, bezeichnen ihn Ex-Mitarbeiter. Die Rede ist von Misstrauen und Intransparenz in der Firma. Man kommentiere «interne Vorgänge» nicht, sagt Quantum Global, aber ja: «Das Umfeld in Afrika ist herausfordernd und kann nicht mit Bedingungen in Europa verglichen werden.»

Bastos macht klar: Statt aus vollklimatisierten Sitzungszimmern auf Dealjagd zu gehen, müssten seine Private-Equity-Experten und Investment Banker die sündhaftteuren Business-Hotels der Hauptstadt Luanda verlassen und raus in den Subsahara-Busch. Dort, wo es keine Strassen gibt, die Mücken stechen und Treibstoff ein begehrtes Diebesgut ist. Bastos Projekte werden sprichwörtlich auf der grünen Wiese geboren.

Zuger Quantum Global und Angolas Staatsfond

Stets aufs Neue sind die Ventures des Schweiz-Angolaners ein Drahtseil-Akt. Zumindest, wenn man westlichen Masstäbe anlegt. «In Afrika gilt eine andere Realität», sagt der Hobbymusiker, der in seinen wilden Jugendjahren als Bassist zahlreiche Schweizer Open-Air-Bühnen bespielte. Auf das heikle Umfeld angesprochen redet sich Bastos ins Feuer und spricht von einer «angolanischen Norm»: Man dürfe sich der Korruption niemals anpassen, aber einer anderen «Marktrealität» sehr wohl. «Die Volatilität dort ist Wahnsinn.» Projekte, die etablierten westlichen Kapitalgebern schlicht zu heikel oder mühselig wären, zieht Bastos mit lokalem Geschäftssinn durch.

Die Spannbreite seines Portfolios ist riesig: Vom Porto do Caio, dem Tiefseehafen-Projekt in seiner Heimatprovinz Cabina, über Goldminen und Holzplantagen. Von einer E-Payment-Lösung namens Bweza bis hin zur «Seifenfabrik», einem Kleinstunternehmer-Projekt im grössten Slum der Hauptstadt Luanda. Ex-Mitstreiter monieren: Was bei Bastos «business» und was benevol sei, bleibe unscharf.

Kritik aus der Opposition

Auch aus welchen Töpfen die Finanzmittel für die zahlreichen Projekte genau stammten. Sein schärfster Kritiker in Angola ist der oppositionelle Polit-Aktivist und Journalist Rafael Marques, der von internationalen Medien gerne zitiert wird und Bastos mehrfach in seinem Blog Makaangola als «Schwindler» bezichtigt hat, der mit seinen Projekten und dem Segen des Dos-Santos-Regimes das Land plündere.

Marques betreibe politische Propaganda, ohne jegliche Faktenbasis, entgegnet Bastos und betont: «Ich habe bei jedem Projekt meine Investition gegenüber dem angolanischen Staatsfonds wie auch gegenüber allen anderen Stakeholdern immer offen gelegt.» Man schliesse alle Vereinbarungen nach dem «arms length»-Prinzip ab.

Kleine Polit-Clique an der Macht

Fest steht, die Ventures haben stets seinem persönlichen Credo zu folgen: Wo gibt es Momentum? Bereits als sich der studierte Betriebswissenschaftler mit Schweizer KMU-Deals die Sporen abverdiente und als Management-Consultant arbeitete, war dies sein Leitmotiv. Bastos Enthusiasmus hat etwas Einnehmendes. Der 50-Jährige - Vater von fünf Kinder aus drei Beziehungen - wirkt zehn, vielleicht 15  Jahre jünger.

Bastos gefühltes Alter entspricht dem tatsächlichen seines wohl wichtigsten Weggefährten: José Filomeno dos Santos. Man kennt sich seit Jugendjahren. Schliesslich war Bastos Onkel angolanischer Botschafter in London. Und «Zénu» der Sohn des angolanischen Präsidenten. Nach drei Dekaden räumte Vater Dos Santos im Sommer seinen präsidialen Posten. Er hinterlässt Angola als marode Staatswirtschaft, fest in der Macht einer kleine Polit-Clique. So leben, trotz enormem Rohstoff-Reichtums, 70 Prozent der Angolaner unter der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt 52 Jahre. Gemäss Transparency International gehört Angola zu den korruptesten Länder der Welt.

In diesem Umfeld kürte Vater Dos Santos seinen Filius José Filomeno 2012 zum Präsidenten des neu etablierten Staatsfonds FSDEA. Das «Wall Street Journal» sprach damals von einer «family affair». Der Fond speist sich aus den Öl-Einnahmen, ist fünf Milliarden Dollar schwer und verfolgt hehre Ziele: Er soll das Volksvermögen langfristig sichern und mit gezielten Investitionen das westafrikanische Land zum Besseren entwickeln. «Ich war es, der den Businessplan für den FSDEA geschrieben hat», sagt Bastos und wischt im gleichen Atemzug die Vorwürfe der Vetternwirtschaft vom Tisch: «Ich arbeite mit José Filomeno zusammen, nicht weil er der Sohn des Präsidenten war, sondern weil er eine gute Person ist.»

Dominante Stellung beim Staatsfonds

Bastos hat nicht nur den Bauplan für den milliardenschweren «Fundo» verfasst, dessen bevorzugtes Finanzinstitut für die Cash-Haltung die Zürcher Falcon Private Bank ist. Mit seiner in Zug domizilierten Quantum-Global-Gruppe ist er auch der Investment Manager des «Fundo», dessen Private-Equity-Beteiligungsverhikel das Finanzkonglomerat von der Trauminsel Mauritius aus steuert.

Mehr noch: Ein Jahresabschluss des «Fundo» zeigt, welch dominante Stellung Bastos beim Staatsfonds inne hat. So zahlte der FSDEA im 2014 rund 121 Millionen Dollar an Beratungsmandaten aus, wovon 96 Prozent an Firmen aus dem Bastos-Umfeld gingen. Neben der Quantum-Gruppe flossen auch Fees an den Management-Berater Stampa, die HR-Firma Uniqua oder seinen Engineering-Planer Tomé International, in dessen Verwaltungsrat Armin Meier sitzt.

Hafen «Porto do Caio» für 800 Millionen Dollar

Der ehemalige Kuoni-Chef mit Afrika-Affinität sieht keinen Anlass daran zu zweifeln, dass bei Tomé die Regeln eingehalten würden. Und angesprochen auf die Konzentration an Mandaten beim «Fundo» verweist Bastos auf das fehlende wirtschaftliche Ökosystem im Land. Nicht vergleichbar mit einem Markt in einer westlichen Industrienation. «Das schafft Zusatzkomplexität.Im Vorfeld eines Projekt müssen wir viel Vor-und Aufbauarbeit leisten.»

Solch eine lange Vorgeschichte hat auch das Herzensprojekt von Jean-Claude Bastos, der 630 Meter lange Tiefseehafen (samt Lagern, Freihandelszone, Kraftwerk und Schiffsreparatur) vor der Küste seiner Heimatprovinz Cabinda. Das Gesamtkunstwerk «Porto do Caio» soll die Frachtkapazität in der Region massiv erhöhen bei reduzierten Logistikkosten. Die Güterpreise sollen darob um die Hälfte sinken und so gemäss Caio-Angaben bis zu 30'000 neue Jobs indirekt schaffen.

Finanziert wird der Bau durch einen 600 Millionen Dollar Kredit der chinesischen Exim-Bank, den Bastos mit seinem exzellenten Sino-Netzwerk eingefädelt hat. 180 Millionen Dollar steckt der angolanische Staatsfund ins Projekt über seinen Infrastruktur-Fund, den ebenfalls die Zuger Quantum-Global-Gruppe managt. Und Bastos wird es auch sein, der den Hafen mit seiner BVI-Gesellschaft Capoinvest, in der Monika Ribar bis Mitte 2016 im Verwaltungsrat sass, für die nächsten 30 Jahren per präsidentiellem Dekret betreibt. Bastos Amtskumulation beim Porto do Caio stiess dem Oppositionsjournalisten Marques sauer auf: Vor den Wahlen im Sommer schrieb er über den Porto do Caio als jüngsten Beispiel für die «präsidentielle Kleptokratie».

73 Millionen Dollar ins Hafenprojekt gesteckt

Für Bastos dagegen ist die exklusive Hafen-Konzession der gerechte Lohn für seine persönlichen und finanziellen Risiken. 73 Millionen Dollar an eigenen Geldern habe er bisher in das Hafenprojekt gesteckt: «Als ich vor zehn Jahren raus nach Cabinda fuhr, gab es an der Stelle nichts als Dschungel.» Bastos trommelte hernach aus allen Herren Ländern die Hafen-Spezialisten herbei. Darunter auch Ex-Panalpina-Chefin Ribar, welche die Verhältnisse in Angola und speziell im Hafen von Luanda sehr gut kennt. Dieser kann Schiffe mit 2000 Container löschen. 8000 sind es im neuen Porto.

Womit der Hafenbetreiber in spe nicht gerechnet hatte, war der Widerstand aus Angolas etablierter Offshore-Öl-Clique: Plötzlich wurden 150 Container samt Schiff auf Meeresgrund vor seinem Hafen versenkt. Und plötzlich lagen zwei Pipelines in 10-Meter-Wassertiefe, die in der Ursprungssondierung mit Sonar noch nicht existierten. Die Behörden samt Transportminister waren ahnungslos. Schliesslich regelte man die Angelegenheit «the angolan way». Der Schweizer Investor darf seinen Hafen mit dem präsidentiellen Segen bauen. Einfach offshore, zwei Kilometer vom Festland entfernt. Anfang 2019 soll Bastos «Bébé» das Licht der Welt erblicken.

Dieser Artikel erschien zuerst in der «Handelszeitung» vom 2. November 2017.

Anzeige