An diesem Dienstag machte es «Bloomberg» offiziell: Tim Cook ist Milliardär. Der Apple-Chef stieg ins Dagobert-Duck-Ranking der US-Wirtschaftsagentur auf, und dabei war er ein spezieller Fall: Cook, 59, hat nicht geerbt (er ist Sohn eines Werftarbeiters). Und Cook hat auch kein Unternehmen gegründet.

Doch als Angestellter hat er aus Apple, dem Tech-Riesen, einen Tech-Giganten gemacht. In diesen Tagen könnte es beim Börsenwert als erster Konzern die Marke von 2 Billionen Dollar überschreiten: 1'970 Milliarden, so der letzte Stand – das ist fast achtmal mehr als am 5. Oktober 2011.

Am dem Tag starb Steve Jobs. Und seither gilt CEO Tim Cook als jener Mann, der nicht an den Firmengründer heranreicht.

Apple Aktie

Entwicklung der Apple-Aktie, August 2015 bis August 2020.

Quelle: Google
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Jobs war alles, was sich die Wirtschaftsmedien, die IT-Nerds und die Apple-Fans von einem Manager wünschten: visionär, versponnen, überraschend, unberechenbar, kreativ und krawattenfrei. Tim Cook war der Mann dahinter – grauhaarig, diszipliniert, fleissig und vor allem stark darin, Lieferketten zu optimieren oder in der Beschaffung günstigere Preise herauszuschlagen. 

«Das ist lächerlich»

«Niemand würde Tim Cook zum CEO machen», hatte ein Silicon-Valley-Investor ein paar Jahre zuvor im Magazin «Fortune» gesagt: «Das ist lächerlich. Die brauchen keinen Typen, der nur Aufgaben erledigt.»

Und doch ging die Erfolgsstory nach Jobs’ Krebstod weiter: Nur ein Jahr später, im August 2012, avancierte Apple zum wertvollsten Unternehmen aller Zeiten – wobei es den Erzrivalen Microsoft ablöste. Doch auch das bremste die Skepsis nicht. «Apple wird nach Steve Jobs noch 24 bis 48 Monate Schwung haben», meinte George Colony, CEO des Marktforschungsinstituts Forrester Research, 2012 in der «Bilanz». Danach werde der Konzern in die Mittelmässigkeit absinken.

Man muss nur einmal danach stöbern, wie oft das Wort «Peak Apple» in den letzten Jahren auftauchte: Noch und noch prognostizierten und prognostizieren Experten, dass dieses Unternehmen seinen Höhepunkt überschritten hat und dass es jetzt dann bergab gehen wird. 

«Als er im September 2014 die Apple Watch vorstellte, kam das Gerät zwar gut an, aber kaum jemand sichtete darin ‘one more thing’».

Das iPhone, der Apple Shop, die Macbooks: Was Apple Geld brachte, stammte in der Ära Cook noch lange aus der Ära Jobs. Der Neue blieb der «ewige Nachfolger», wie ihn «Der Spiegel» letztes Jahr noch nannte.

Als er im September 2014 die Apple Watch vorstellte, kam das Gerät zwar gut an, aber kaum jemand sichtete darin «one more thing» – eine revolutionäre Sache. Danach wurde die Smart-Uhr noch mindestens zwei bis drei Jahre lang vor allem als Flop verstanden. 

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Nicht die Coolness schafft die Margen

Und jetzt? Letztes Jahr überholte Cooks Modell mit einem Absatz von über 30 Millionen Stück die gesamte Schweizer Uhrenindustrie – die 21 Millionen Armbanduhren verkaufte, 13 Prozent weniger als im Jahr 2018. Und so ist die Apple Watch ein weiterer starker Baum im Ökosystem des Konzerns, auf den sich neue Software- und Service-Geschäftsfelder wie Gesundheits- und Patientendaten draufsetzen lassen.

In den neun Jahren unter der Führung von Tim Cook, einem Meister der Excel-Tabellen, hat sich Apple von einer hippen Tech-Firma in einen normaleren Grosskonzern verwandelt, der seine globalen Wertschöpfungsketten und die Kosten hart im Griff hat. Und dies wiederum erklärt die hohen Margen und die Rentabilität viel stärker als der «Coolness-Preisaufschlag» früherer Zeiten.

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China plus Dienstleistungen

Doch zugleich blieb Apple unter Tim Cook eine Umsatz-Maschine – einfach mit leiseren Motoren. 2010, im letzten vollen Geschäftsjahr unter Steve Jobs, hatte die Firma Geräte und Services für 65 Milliarden Dollar verkauft. Im letzten Jahr erreichte der Wert 260 Milliarden. Die Vervierfachung geschah, obwohl Apple im Kerngeschäft der Smartphones Jahr für Jahr heftigere Konkurrenz durch Samsung, Huawei oder Xiaomi erwuchs.

Dabei half, dass Cook entschlossen auf den Wachstumsmarkt China setzte (wobei es dort mit seiner Produktepalette auch weniger politische Beschränkungen verspürte als andere US-Tech-Riesen, als Google, Facebook oder Microsoft): Der Umsatz in der Volksrepublik kletterte von 11 Milliarden Dollar bei Cooks Amtsantritt auf 44 Milliarden im letzten Jahr (der Handelsstreit und eine steigende innerchinesische Konkurrenz führte 2019 zu einem Rückschlag).

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Die zweite Ausbau-Trick: Dienstleistungen statt Geräte. Tim Cook wittert heute den idealen Mix aus Wachstumschancen und hoher Rentabilität in Cloud-Angeboten, im Aufbau eines Fernsehprogramms, beim Zahlsystem Apple Pay oder in der Entwicklung von Fitness-Apps. Das wirkt unauffälliger und wird von vielen bloss als Beigemüse der Hardware-Angebote verstanden.

Aber mit der Sparte «Services» erzielt Apple inzwischen fast doppelt so hohe Umsätze wie mit den Mac-Computern. Und kaum weniger als mit den iPhones. 

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Jobs oder Cook? Die Frage nach dem besten Konzernchef von Apple stellt sich wohl anders. So befand Leander Kahney, Autor einer Biografie über Cook («The Genius Who Took Apple to the Next Level»),
 dass der IT-Konzern erst nach Jobs’ Tod überhaupt einen richtigen CEO gekriegt habe. Also einen Manager des Gesamtkonzerns mit all den organisatorischen und politischen Aufgaben; sowie mit der Fähigkeit, Krisen durchzustehen und sich nicht aus der Bahn bringen zu lassen. Jobs indes war ein Produktgestalter und ein Showman.

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Er war, so Kahney im «Spiegel», «vor allem kulturell erfolgreich. Cook ist es finanziell.»

(rap)

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