Über Ostern hat Tim Pfister vier Tage frei gemacht. So viel wie nie mehr seit Ausbruch der Pandemie vor gut einem Jahr. Selbst am Weekend verkneift sich der Chef des Berner Diagnostikunternehmens Ender (jawohl, Berndeutsch für schneller), anders als die Corona-geplagte Normalbevölkerung, eine wirkliche Auszeit. Der Betriebswirtschafter, der mit seinen superschnellen PCR-Tests – eigentlich ein Widerspruch in sich – seit einem Jahr für Furore sorgt, arbeitete, ebenso wie die gesamte Geschäftsleitung, meistens durch. «Doch ich habe mir fest vorgenommen, in Zukunft wieder Wochenende zu machen» – zumindest von Freitagabend bis Sonntagmittag.

Pfister hat sich seine Sporen als Unternehmer in der Diagnostik – einem komplizierten und schwierigen Geschäft – in der Tiermedizin abverdient; mit Tests für Infektionskrankheiten bei Pferden. Nun steht er einem explosionsartig wachsenden Kleinunternehmen vor und schreibt eine der wohl schönsten Unternehmensgeschichten, welche diese Pandemie hervorgebracht hat.

Ab durch die Decke

Es war ein Start von null auf hundert. Oder besser: von neun auf fünfzig. So viele Angestellte hat er mittlerweile, mehr als fünfmal mehr als vor einem Jahr. Und gleich nochmals so viele kann er in den nächsten Wochen einstellen, wenn er denn genügend geeignete Kandidaten und Kandidatinnen findet. Vor allem Laboranten, biomedizinische Analytiker, aber auch Leute fürs Backoffice sind gefragt. Und damit das alles auch zu bewältigen ist, steht dem CEO seit kurzem ein Co-CEO zur Seite, der weiss, wie man Prozesse skaliert und ein Unternehmen zum Fliegen bringt. Matthias Peterhans war Gründer und Langzeit-CEO von Cascination, einem Berner Medizinaltechnikunternehmen, das Equipment für computergesteuerte Operationen herstellt.

Wichtigstes Plus der schnellen Berner: eine Technologie, die es möglich macht, die zeitraubenden Heizzyklen, die den PCR-Test so aufwendig machen, zu verkürzen. Zudem bietet Ender, anders als etwa Roche, auch Labordienstleistungen an. Und am Testzentrum Flughafen Zürich figurierte man als Generalunternehmer mit Rundum-Service. Als Nächstes steht die Eröffnung eines eigenen Labors in Bern an, ein weiterer Schritt in Richtung Vorwärtsintegration. Und die Akquise weiterer Grosskunden wie Parlamentsdienste, Kantone und Firmen. Je ender, desto besser.

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