Die Finanzkrise hinterlässt bei den Verwaltungsratshonoraren ihre Spuren. Im Schnitt betrug die Entschädigung eines VR-Mitglieds im Jahr 2008 89000 Fr. Im Vorjahr lag dieser Betrag noch bei 99000 Fr., was ein Minus von 10% bedeutet. Dies geht aus der Umfrage der «Handelszeitung» bei den börsenkotierten Firmen und den übrigen Grossunternehmen in der Schweiz hervor (siehe Kasten unten). Auffallend sind die Abstriche bei den Banken - eine Folge des Beinahe-Kollapses des Finanzsystems nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der immensen Aktienkursverluste. Die Verwaltungsratsmitglieder der UBS, die von den Schweizer Bankinstituten am stärksten unter die Räder kam, bezogen letztes Jahr durchschnittlich 460000 Fr. Honorar, 27% weniger als im Vorjahr. Bei Sarasin waren es 24% weniger (271600 Fr), bei Julius Bär resultierte ein Minus von 21% (270000 Fr.)

Credit Suisse: Spitzenreiterin

Allerdings gibt es eine Ausnahme: Die Credit Suisse, die im Gegensatz zur UBS keine staatliche Überlebenshilfe brauchte und heute als Profiteurin der Finanzkrise angesehen wird, führt die Rangliste der durchschnittlichen VR-Vergütungen mit 742 000 Fr an. Beeindruckend ist gleichzeitig der Einschnitt beim Honorar des letztjährigen Credit-Suisse-VR-Präsidenten Walter Kielholz, der im Mai 2009 das Präsidium der Rückversicherers Swiss Re übernommen hat. Kielholz Honorar bei der CS ging 2008 von 14,2 Mio auf gut 2 Mio Fr. zurück. Marc Dosch, Sprecher der Grossbank, begründet: «Die Vergütungen von VR-Präsident und Vize in der Credit Suisse Group sind variabel, da sie leistungsabhängig, das heisst unter anderem ans Geschäftsergebnis gekoppelt sind.» Und das Resultat 2008 war für die Finanzbranche allgemein eine Enttäuschung. «Die nichtleistungsabhängigen VR-Vergütungen für die ‹normalen Mitglieder›», so Dosch weiter, «sind sehr stabil bei rund 400000 Fr.» Im Gegensatz zur «Handelszeitung»-Umfrage ist in den CS-Zahlen die Vergütung für den Vizepräsidenten und den Vorsitzenden des Audit Committee nicht dabei.

Ebenfalls eine Konsequenz aus dem Annus horribilis 2008 hat die Bank Sarasin gezogen. Der Geschäftsbericht weist für den VR-Präsidenten, Christoph Ammann, ein um 63% tieferes Honorar aus als für seinen Vorgänger Georges Krayer. Laut der Kommunikationsabteilung des Instituts war Krayer bis im April 2008 Verwaltungsratspräsident mit einem 100%-Mandat. Sein Nachfolger Ammann übt nun ein 50%-Mandat aus. Das erkläre indes nur einen Teil der Reduktion. Wie die Bank Sarasin ausführt, hat Christoph Ammann aus «Solidarität mit dem Bonusverzicht der Geschäftsleitung» auf einen Teil seines Honorars für das Geschäftsjahr 2008 verzichtet.

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EFG-Präsident: Minus 93 Prozent

Ein massiv tieferes Honorar erhalten hat Jean-Pierre Cuoni, Präsident der Bank EFG: Minus 93%. Der Banker sagt auf Anfrage der «Handelszeitung»: «Als Firmengründer mit einer persönlichen Kapitaleinlage hatte ich, nach Erfüllung vertraglicher Ziele bis Ende 2007, eine Profitbeteiligung, die jetzt abgelaufen ist.» Die VR-Mitglieder dagegen erhielten 19% mehr Honorar, und zwar 107 000 Fr.

Es gibt aber auch Bankpräsidenten, die deutlich zulegen konnten: So hat Josef Meier von der Neuen Aargauer Bank, einer CS-Tochter, im Vergleich zur Vorjahresperiode ein anderthalbfach höheres Honorar erhalten. Es ist von 145000 auf 375000 Fr. gestiegen. Ein normales VR-Mitglied hat dagegen keine Erhöhung erfahren. Gemäss Christoph Steiner, dem Sekretär des Verwaltungsrates, haben zwei Faktoren dazu geführt: «Josef Meier hat ein deutlich höheres Pensum als sein Vorgänger wegen einer höheren Präsenz bei Anlässen und Kundenbesuchen, einem höheren Sitzungsrhythmus und gestiegenen Anforderungen im regulatorischen Bereich.» Kommt hinzu, dass das Honorar Teil der arbeitsvertraglichen Regelung bei der Credit Suisse sei, deren Angestellter er nach wie vor sei.

Valora-Verwaltungsratspräsident Rolando Benedick darf sich ebenfalls über ein deutlich höheres Honorar freuen - es ist um ganze 220% höher ausgefallen: «Aufgrund der grossen Veränderungen im Verwaltungsrat und in der Konzernleitung hat der Verwaltungsrat entschieden, dass der Präsident im Vergleich zu seinem Vorgänger zusätzliche Aufgaben und entsprechende Verantwortung übernehmen soll», erläutert Benedick und fügt hinzu: «Ich habe mich gerne dafür verpflichtet und diese Aufgaben wahrgenommen. Das Honorar wurde fairerweise entsprechend ebenfalls angepasst. Die Anpassung entspricht dem normal üblichen Rahmen.»

Auffällig ist das VR-Honorar des letztjährigen Jelmoli-Präsidenten, Christopher Chambers. Er bezog 2008 ein mehr als dreimal so hohes Honorar wie im Vorjahr, also statt 750000 Fr. neu 2,5 Mio Fr. Dazu teilt Mediensprecher Daniel Gfeller mit: «Beim Honorar 2008 handelt es sich um eine einmalige, erfolgsabhängige Entschädigung, welche unter anderem auch den ausserordentlichen zeitlichen Aufwand in Zusammenhang mit der Umstrukturierung des Konzerns und die Erzielung einer Einigung mit den verschiedenen Aktionärsgruppen widerspiegelt.»

Das Honorar für das Feintool-Präsidium hat sich ebenfalls mehr als verdoppelt: «Diese Erhöhung der VR-Honorare im Geschäftsjahr 2007/2008, insbesondere beim VRP, ist auf die gute Entwicklung der Gesellschaft im betreffenden Zeitabschnitt zurückzuführen», erklärt Feintool-VRP Alexander von Witzleben.

Rolf Soiron, VR-Präsident von Nobel Biocare, hat im Vergleich zur Vorjahresperiode ein um 47% tieferes Honorar erhalten. Ein normales VR-Mitglied hat jedoch eine Verminderung um 95% erfahren. Nicolas Weidmann, Sprecher von Nobel Biocare, begründet: «Die Gehaltsunterschiede für VR-Mitglieder sind darauf zurückzuführen, dass Nobel Biocare zwischen 2007 und 2008 sein Vergütungssystem umgestellt hat.» Die Vergütung eines Verwaltungsratsmitglieds - inklusive VR-Präsident - bestehe aus einem fixen Bar-Bestandteil und einer variablen Komponente. 2007 bestand die variable Komponente noch aus Optionen, 2008 wurde diese auf eingeschränkte Aktien umgestellt, um den langfristigen Charakter der finanziellen Anreize zu verstärken. «Der markante Rückgang der Gesamtvergütung für die einzelnen VR-Mitglieder zwischen 2007 und 2008 liegt in der rückläufigen Kursentwicklung der Nobel-Biocare-Aktie im betrachteten Zeitraum begründet», so Weidmann

Geberit: Auszahlung nur in Aktien

Eine der wenigen, wenn nicht die einzige Schweizer Firma, die ihre Verwaltungsräte ausschliesslich in Aktien bezahlt, ist der Sanitärtechniker Geberit: «Die Aktien sind für den Verwaltungsrat zwei Jahre gesperrt. Damit wollen wir bewusst die VR-Entschädigung an die mittelfristige Entwicklung des Unternehmenswerts koppeln», teilt Roman Sidler, Head Corporate Communications bei Geberit, mit. Letztes Jahr betrug die Einbusse bei den VR-Mitgliedern im Schnitt 11% (auf 205 000 Fr.). Glück hatte dagegen Geberit-Präsident Günter Kelm. Sein Honorar, 365 000 Fr., ging lediglich um 0,7% zurück.