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100 Schweizer Online-Shops im Vergleich

Schweizer Onlineshops: meist intransparent und teuer
Schweizer Onlineshops lassen den Kunden im Umklaren über teure Versand- und Retourkonditionen. flickr

Wer online bestellt, achtet besser auf das Kleingedruckte: Welche Liefergebühren fallen an? Kann die Ware zurückgesandt werden? E-Commerce-Berater Carpathia hat die 100 grössten Anbieter verglichen.

Von Cynthia Castritius
2016-07-26

Online einkaufen könnte so einfach sein: Produkt aussuchen, bezahlen, nach Hause kommen lassen. Doch der Teufel steckt im Detail – die Lieferbedingungen der einzelnen Anbieter unterscheiden sich erheblich. Die E-Commerce-Beratung Carpathia hat darum die 100 umsatzstärksten Onlineshops der Schweiz unter die Lupe genommen und verglichen, von Amazon über Digitec bis Exlibris und Zalando.

Die Anbieter wurden anhand von vier Kriterien überprüft: Ist der Versand gratis oder ab einem bestimmten Schwellenwert gratis? Können Retouren versandkostenfrei zurückgesendet werden? Wie lange sind die Fristen für eine Retoure? Und wie transparent sind diese Konditionen den Kunden auf der Seite der Anbieter zugänglich?

Fashion-Shops verlangen oft Liefergebühren

Der Vergleich zeigt: Versandkosten gehören bei fast 40 Prozent der Online-Shops dazu. Jelmoli, Ikea, Bettybossi, Amazon und Leshop – alle alteingesessenen Online-Retailer verlangen bereits bei der Standardlieferung Gebühren. Lediglich 16 der 100 unter die Lupe genommenen Retailer versenden die Ware stets ohne Aufschlag - darunter Zalando, Sony, Jeans.ch, Nettoshop.ch und PC-Ostschweiz.ch.

Fashion-Shops liefern in der Mehrzahl (60 Prozent) gegen Versandgebühren. Dabei werden, wie Carpathia-Analystin Heidi Kölliker sagt, «viele andere Sortimente mit deutlich tieferen Margen verkauft».

Viele Schweizer Anbieter (45 Prozent) streichen ab einem Schwellenwert den Lieferaufschlag. Der Wert der bestellten Waren muss dafür je nach Branche unterschiedlich ausfallen. Während ein Kunde Lebensmittel über durchschnittlich 317 Franken ordern muss, damit diese gratis gebracht werden, fallen bei Bekleidung und Schuhe bereits ab 70 Franken die Gebühren weg. Bei Medien reicht sogar eine Bestellung in der Höhe von durchschnittlich 38 Franken.

Generalist Amazon liefert ab 32 Franken frei Haus, Brack und Microspot übernehmen als Elektonik- und Computer-Versender ab knapp 50 Franken die Liefergebühren. Höher ist da schon die Mindestbestellschwelle bei Lebensmittellieferung von Coopathome, die bei stolzen 500 Franken – also einem wirklichen Grosseinkauf – liegen.

Gratislieferung ab 9,90 Franken

Fashionshops wie Laredoute oder Ronja liefern ab einem Warenwert von 90 Franken beziehungsweise 80 Franken frei Haus. Günstiger kommen Kunden bei Esprit weg: Hier reicht eine Bestellung über 40 Franken. Spezialisierte Retailer wie Moevenpick-Wein.ch oder Musik-Equipment-Anbieter Thomann liefern ab einer Order über 400 Franken beziehungsweise 215 Franken gratis. Bei Medien-Anbietern wie Citydisc oder Weltbild reichen Bestellungen in Höhe von 15 und 20 Franken. Bei Exlibris sind es sogar nur 9,90 Franken.

Die grossen Unterschiede hängen mit der Höhe der Logistikkosten zusammen. «Lebensmittel weisen sehr komplexe Logistikanforderungen auf, Medien hingegen tiefere», sagt Kölliker. Vergleichbar niedrige Kosten bringen Generalisten und Elektronikhändler auf.

Retouren auf Kosten der Verbraucher

Aus Kundensicht ist neben den Liefergebühren relevant, zu welchen Konditionen Ware retourniert werden kann. Schliesslich bestellen viele Nutzer online eine Auswahl, um dann zurückzuschicken, was nicht passt. In der Schweiz übernehmen nur fünf der untersuchten 100 Shops das Rücksendeporto für ihre Kundschaft: Zalando, Reifendirekt.ch, Tchibo, Esprit und Thomann.de.

Einige Anbieter nehmen Ware grundsätzlich nicht zurück, auch nicht gegen Gebühr. Darunter sind Lebensmittelanbieter wie Leshop oder Coopathome. Auch Fleurop, Microspot, Zurrose oder Fust bieten diese Option nicht an. Aus Sicht der Shops ist das nachvollziehbar, wenn sich Retourenkosten summieren oder sie mit verderblicher Ware handeln. Analystin Kölliker weist darauf hin, dass aber auch hier die Kommunikation mit dem Kunden das Entscheidende sei.

Am ärgerlichsten aus Kundensicht seien aber nicht nur hohe, sondern vor allem intransparente Bedingungen. Es sei, so Kölliker, «zermürbend, sich durch die FAQs und AGBS zu lesen und noch immer nicht zu wissen, ob und in welcher Frist eine Bestellung retourniert werden kann». Ärgerlich ist auch, wenn erst im Checkout – also beim Gang zur virtuellen Kasse – unerwartet Versandkosten anfallen. Carpathia-Geschäftsführer Thomas Lang: «Das ist ein veritabler Grund, den Kaufprozess abzubrechen.»

Positiv fällt im Vergleich Zalando auf. Gleich zwei Mal fliegt der deutsche Fashion-Retailer der heimischen Konkurrenz in der Studie davon: Es werden keine Versandkosten verlangt und auch die Retoure ist für Zalando-Kunden gratis. Dazu kommt noch eine Retourenfrist von 30 Tagen – mehr Zeit bietet von den inspizierten Onlineshops nur Beliani mit 100 Tagen Rückgaberecht.

Die Strategie des «Schrei vor Glück»-Modeversenders zahlt sich offenbar aus, auch wenn Konkurrent Amazon immer in Sichtweite bleibt. Vor wenigen Tagen meldete das Unternehmen überraschend starke Zahlen, was die Aktie um 20 Prozent in die Höhe trieb. Laut Carpathia-Prognose dürfte der Umsatzanteil in der Schweiz für das Jahr 2016 bei mehr als einer halben Milliarde Franken liegen.

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