Dem Start des Online-Kontos CSX fieberte die Branche lange entgegen. Erstmals lancierte mit der Credit Suisse eine grosse Bank ein rein aufs Handy ausgerichtetes Bankangebot. Das im Oktober 2020 präsentierte CSX war dann nicht ganz so der grosse Wurf, wie man das aufgrund früherer Ankündigungen erwarten konnte. Dafür war die Marketingkampagne umso prägnanter. CSX wurde beachtet.

Ein Jahr liess sich die Bank Zeit für die Publikation von Nutzerzahlen, nun gibt’s den ersten Wasserstand: 100'000 Kunden nutzten die Digitalplattform, schreibt die Bank in einer Medienmitteilung. Insgesamt eine Milliarde Franken werde über CSX verwaltet. Auch die Werbekampagne hat offenbar funktioniert. Jede zweite Person kenne die Marke CSX, heisst es in der Mitteilung.

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Eine Transaktion pro Tag

Wenig Klarheit schafft die Credit Suisse in einer zentralen Frage: Wie viele Kunden konnte die Bank effektiv neu gewinnen? Wie viele wurden einfach intern umgebucht? Eine Antwort dazu gibt es nicht. Die Bank schreibt bloss, dass etwa die Hälfte der Kunden das Konto als Lohnkonto verwende. Im Schnitt tätigten die Kunden etwa eine Transaktion pro Tag.

Anders als Startups wie Neon oder Yapeal konnte CSX auf eine breite Basis im Retailgeschäft der Grossbank zurückgreifen. So wurden Kleinkunden, die ins Beuteschema von CSX passten, offensiv zu einem Wechsel zu CSX gedrängt. Nur wer sich aktiv und innert kurzer Zeit gegen den vorgeschlagenen Wechsel wehrte, blieb im traditionellen Produkt.

Auch Kunden der Ende 2020 aufgelösten Neuen Aargauer Bank wurden zu einem direkten Wechsel in das CSX-Konto aufgefordert. Vielen von ihnen dürfte im Voraus nicht ganz klar gewesen sein, dass es sich dabei um ein Digitalkonto handelt. Der Kundenbrief, welcher der «Handelszeitung» vorliegt, war diesbezüglich eher unscharf.

Günstiger, aber weniger Services

CSX ist für Bankkunden vorderhand deutlich günstiger als ein klassisches Kontopaket. In der einfachsten Form weist das Konto keine monatliche Grundgebühr auf. Allerdings sieht CSX auch keine klassischen Schaltertransaktionen vor. Wer an einer Bankkasse Geld beziehen will, wird abgewiesen. Auch Überträge von einem aufs andere Konto können nicht am Bankschalter getätigt werden.

Sind die 100'000 Kunden nun ein Erfolg? Zahlen der Konkurrenz relativieren dies. Das ohne Rucksack gestartete Fintech Neon ist mit rund 80'000 – effektiv akquirierten – Kunden auf dem Weg zur gleichen Marke, wenn auch nach einer deutlich längeren Zeit. Zak von Bank Cler kommt laut «Tagesanzeiger» im Moment auf etwa 45'000 Kunden. Das britische Fintech Revolut nannte für den Schweizer Markt einst die Zahl von 350'000 Kunden. Allerdings gab es dazu schon länger keine Updates mehr. 

Am ehesten vergleichbar ist das Joint Venture Yuh von Postfinance und Swissquote. Nach rund einem halben Jahr liegt dieses – ebenfalls stark beworbene – Online-Konto bei rund 30'000 Kunden. Anders als die CS nennt Yuh auch Zahlen zu den internen Wechslern. Rund die Hälfte der Kunden seien aus dem Bestand von Postfinance und Swissquote, sagte Yuh-Chef  Markus Schwab Anfangs November zur «Handelszeitung».

Weniger als fünf Prozent haben CSX wieder verlassen

Unter dem Strich scheinen die meisten CSX-Kunden mit dem Angebot zu frieden zu sein. Der Anteil der Kunden, welche nach dem Wechsel das Konto saldierten oder zurück ins alte Modell wechselten, liege unter fünf Prozent, sagt CS-Sprecher Yves Kaufmann.