«Startup-Frühling in Zürich» – mit diesen Zeilen will Tamedia aktuell deutsche Journalisten für ein geheimes Projekt gewinnen: Denn bereits ab Mai soll eine Gruppe deutscher Online-Redaktoren auf einer Testplattform mit ausgewählter Leserschaft ausprobieren, welche News bei jungen Onlinenutzern in Deutschland ankommen.

Hinter dem Aufruf steht die Chefredaktion von «20 Minuten». Sie plant die Offensive in den deutschen Markt. Nach einer Testphase wird sie entscheiden, ob die Online-Newsplattform für Deutschland funktioniert – und das Projekt im grossen Stil aufgezogen wird.

Das Medienhaus hält sich bislang noch bedeckt: Man prüfe derzeit ein deutsches Online-Portal von «20 Minuten», sagt Sprecher Christoph Zimmer. «'20 Minuten Online? ist besonders im Mobile-Bereich zu einer starken Marke geworden.» Und damit will Tamedia bald auch junge User in Deutschland für sich gewinnen. «Wir sehen Potenzial in der Nische der digitalen und sehr jungen Zielgruppe», so Zimmer.

Harter Kampf im deutschen Markt

Auch wenn die Testphase im Frühling glückt, dürfte sich der Markteintritt für «20 Minuten» in den um ein Vielfaches grösseren deutschen Markt schwierig gestalten. Dort ist der Onlinemarkt durch die beiden Schwergewichte «Bild» und «Spiegel» mehrheitlich besetzt. Und auch der Hamburger Spiegel-Verlag entwickelt aktuell eine Online-Plattform für sehr junge und mobile-affine News-Konsumenten, ebenso das Kölner Verlagshaus Dumont. Während daneben Nischenplayer mit bereits bekanntem Namen, wie Vice, jüngst erfolgreich in den Markt gestartet sind, dürfte es eine weitgehend unbekannte Marke wie «20 Minuten» in Deutschland weit schwerer haben.

«20 Minuten» sollte schon einmal in Deutschland Fuss fassen. Die Gratiszeitung war 1999 mit einer Printversion in Deutschland gestartet, zu jener Zeit unter der Ägide der norwegischen Schibsted-Verlagsgruppe. Damals hielten die Branchengrössen Axel Springer («Bild», «Welt», «Handelszeitung») und Dumont («Kölner Express») mit eigenen Angeboten dagegen. In Deutschland konnte sich «20 Minuten» nicht durchsetzen, die Gratiszeitung wurde 2001 eingestellt. Anders in der Schweiz: Hier kaufte Tamedia 2005 das von Schibsted gegründete Blatt.

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