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Rennsport
2400 Gläubiger wollen Geld von Dein-Deal-Partner

Start- und Ziel-Bereich am Hockenheimring: Der Traum einer flotten Runde ist für viele geplatzt. (Bild: Wikimedia)

Topspeedracing verkaufte Gutscheine für Fahrstunden auf dem Hockenheimring – und ist nun zahlungsunfähig. Jetzt kommen neue Details ans Licht. Die Kritik am Schweizer Schnäppchenportal ist gross.

Von Volker Strohm
am 15.08.2013

Viele Formel-1-Begeisterte wollten sich einen Traum erfüllen, ersteigerten sich beim Schweizer Schnäppchenportal Dein Deal eine rasante Fahrt – und sitzen nun auf wertlosen Gutscheinen. Denn die Firma Topspeedracing aus dem schwäbischen Laichingen ist zahlungsunfähig.

Jetzt berichtet die «Schwäbische Zeitung», dass sich rund 2400 Gläubiger beim Ulmer Rechtsanwalt Oliver Bauer gemeldet hätten. «Oberstes Ziel ist immer noch die Befriedigung der Gläubiger», wird Bauer zitiert, der für das Ulmer Insolvenzgericht ein Gutachten erstellt.

Möglich seien zum jetzigen Zeitpunkt drei Szenarien: die Abwicklung, der Verkauf an Dritte oder die Weiterführung der Firma, die zuletzt noch einen Mitarbeiter beschäftigt hatte. Bei den Gläubigern handle es sich laut Bericht nicht nur um Banken, sondern vor allem um Kunden der Firma. «Sie haben Geld überwiesen, warten jedoch bis heute auf die flotte Gegenleistung», heisst es.

Autos nicht auf aktuellem Stand

Aktuell ruht der Geschäftsbetrieb bei Topspeedracing – wer sich auf die offizielle Büronummer einwählt, wird von einer Tonbandstimme abgewimmelt: «Veranstaltungen finden nicht statt.» Die Krux: Laut Bauer befänden sich die Rennautos nicht auf dem aktuellen Stand der Technik. Der Anwalt bestätigt damit gegenüber der «Schwäbischen Zeitung» Recherchen von handelszeitung.ch: Gerd Schwenk, dem Gründer und Firmenchef von Topspeedracing, ist es zum Verhängnis geworden, dass schlechte Mechaniker die Fahrzeuge unsachgemäss gewartet hatten. Zudem hatte ein Werkstattbrand die Firma vergangenes Jahr in finanzielle Schräglage gebracht.

Ob die Fahrzeuge jemals wieder unter der Flagge von Topspeedracing fahren können, sei nur unter der Voraussetzung möglich, dass das Insolvenzgericht ein eigentliches Insolvenzverfahren eröffnet und die Firma in Eigenregie saniert wird. «Letztlich entscheiden aber die Gläubiger nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das weitere Vorgehen», heisst es.

Schwenk liess eine Anfrage von handelszeitung.ch unbeantwortet und äusserte sich auch gegenüber der «Schwäbischen Zeitung» zu den Vorwürfen nicht – dürfe er laut Insolvenzrecht auch gar nicht, heisst es.

Dein Deal wartet auf Geld – und wird kritisiert

Eine Gesamtsumme der Gläubiger nennt Bauer nicht – klar ist, dass sich darunter auch die Forderung von Dein Deal in der Höhe von 105'000 Franken befindet. Die Ringier-Tochter hatte diesen Betrag im Frühjahr 2013 als Vorschuss für Rückerstattungen an Kunden geleistet, um einen Liquiditätsengpass bei Topspeedracing zu überbrücken.

Auch die Firma Dein Deal, die sich nach dem Konkurs des Massschneiders Sartoriani zum zweiten Mal innert weniger Wochen mit einem zahlungsunfähigen Partner konfrontiert sieht, steht in der Kritik. Die Kunden, die sich über diese Plattform einen Topspeedracing-Gutschein gekauft hatten, bemängeln, dass sie nun selbst die fehlende Gegenleistung respektive das ausstehende Geld einfordern müssen. Zwar hat Dein Deal die eigene Provision von 20 Prozent zurückerstattet – aber nicht als Bargeld, sondern in Form von Dein-Deal-Guthaben. 

«Damit ist der Kunde gezwungen, wieder mit Dein Deal zu geschäften. Die Firma subventioniert ihren Verlust durch eine neue Transaktion», schreibt ein frustrierter Kunde. Auf verschiedenen Kanälen wird zu einer Sammelklage aufgerufen.

Dein-Deal-Gründer und Geschäftsleitungsmitglied Adrian Locher rechtfertigt sich auf Anfrage erneut: «Das von uns gemachte Kulanz-Angebot zur Rückerstattung dieser Kommission machen wir freiwillig, obwohl wir juristisch gesehen dazu nicht verpflichtet wären.» Aus seiner Sicht soll die Gutschrift einen Teil des Schadens und Ärgers vergüten. Die enttäuschten Kunden, die in der Boxengasse stehengelassen wurden, sehen dies freilich anders.

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