Die Übernahme des Stromkonzerns Alpiq läuft nicht ganz nach Plan. Die Ankeraktionäre halten nach Ablauf des Übernahmeangebots an die Publikumsaktionäre weniger als angepeilt. Das Konsortium muss sich nun sein weiteres Vorgehen überlegen.

Nach Ablauf der Nachfrist halten die drei Kernaktionäre CSA Energie-Infrastruktur Schweiz (CSA), das Konsortium Schweizer Minderheiten (KSM) und die EOS Holding gemäss definitivem Ergebnis 89,94 Prozent der Aktien, wie am Donnerstag aus einer Mitteilung hervorging. Angepeilt hatten diese aber einen Anteil von mindestens 90 Prozent. Über dieser Schwelle ist ein fusionsrechtlicher Squeeze-out möglich.

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Die Übernahme sei damit aber nicht gescheitert, sagte eine Sprecherin der Ankeraktionäre auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Die Kernaktionäre würden nach wie vor die vollständige Kontrolle von Alpiq anstreben, fügte ein Sprecher hinzu. Auch werde die geplante Dekotierung wie kommuniziert weiterhin «zeitnah angestrebt». Dazu würden «geeignete Massnahmen geprüft».

Vonseiten des Unternehmens hiess es mit Blick auf die Dekotierung lediglich, ein entsprechendes Gesuch müsste vom Verwaltungsrat der Alpiq an die SIX gestellt werden. «Mehr können wir dazu nicht sagen.»

Ebner ist ausgestiegen

Im Zusammenhang damit ist auch eine Beteiligungsmeldung vom Donnerstag von Interesse. Gemäss dieser hat die US-Investmentgesellschaft Merion Capital den Anteil vor rund einer Woche auf 5,488 Prozent ausgebaut. Eine AWP-Anfrage an Merion zu den Beweggründen blieb bislang unbeantwortet.

Nach dem Verkauf des 25-Prozent-Aktienpakets von Electricité de France (EDF) und damit dem Ausstieg des französischen Stromkonzerns im Mai 2019, war CSA als neuer Ankeraktionär eingestiegen. Dieser hatte dann für die sich im Publikum befindlichen Aktien 70 Franken je Stück geboten. CSA ist ein von der Credit Suisse verwalteter Fonds, in den 135 Schweizer Pensionskassen investiert sind.

Bereits zur Bekanntgabe des öffentlichen Übernahmeangebots regte sich Widerstand. Einer der damals wahrscheinlich grössten Publikumsaktionäre Martin Ebner etwa monierte, dass sie unter Wert abgespeist würden. Er nannte damals einen Preis von 140 Franken als «korrekt». Mittlerweile hat sich Ebner allerdings komplett von Alpiq getrennt.

Ralph Stadler von Ebners Finanzvehikel Patinex sagte am Donnerstag auf Anfrage, dass man sich zum Angebot und zu dessen Endergebnis nicht äussere. Ohne den Abnehmer zu nennen, bestätigte der Sprecher aber, dass man sämtliche Alpiq-Aktien verkauft habe.

Bereits im Mai 2018 hatte Ebner den Anteil am Energiekonzern auf unter 3 Prozent gesenkt.

(awp/tdr)