Der Schweizer Standort von Ebay bekommt die Auswirkungen einer globalen Reorganisation des amerikanischen Handelshauses zu spüren. Ebay-Sprecherin Michela Ratti bestätigt, dass es in der Schweiz zu Entlassungen gekommen sei, welche auf die Sparprogramme zurückzuführen seien. Wie viele der «rund 250 bis 300» Mitarbeitende betroffen -seien, wollte sie nicht sagen. Einen Sozialplan gebe es jedoch nicht, betont sie.

 

Informationen zufolge, die der «Handelszeitung» vorliegen, sind am internationalen Sitz von Ebay in Bern zwanzig Mitarbeiter betroffen. Zudem wird in der Belegschaft eine weitere Entlassungswelle im Herbst erwartet. Sprecherin Ratti dementiert, von solchen Vorhaben Kenntnis zu haben. Es gebe keine Pläne, etwas am internationalen Status der Schweizer Gesellschaften zu ändern, betont sie. Doch es gibt Indizien.

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Der Europachef sitzt nun in den USA

So wurde vor kurzem der bisher in der Schweiz domizilierte Chef der Region Europa/EMEA, Jay Lee, in die USA abgezogen. Zudem wurde er gemäss Handelsregister als Präsident der Ebay International AG gestrichen. Neu ist Lee von Amerika aus für alle Marktregionen von Ebay verantwortlich, wie Sprecherin Ratti bestätigt. Eigene Regionenchefs gibt es nicht mehr.

Rapportierten die europäischen Länder bisher in die Schweiz, so tun sie das jetzt direkt an den amerikanischen Hauptsitz. Dass das keine Auswirkungen auf den Europasitz in Bern hat, ist eher unwahrscheinlich.

Unterlagen bestätigen weitere Abgänge. Eine Ende 2017 beim Handelsregister hinterlegte Liste nennt die Mitarbeitenden von Ebay International in Bern. Drei von fünf aufgeführten «Vice Presidents» sind nicht mehr in der Schweiz, zwei haben Ebay ganz verlassen. Gegangen sind  auch die Stabschefin und die Leiterin «EU Finance Transformation».

Konkurrenz aus den Niederlanden

In Europa machen dem Schweizer Holding-Sitz zunehmend die steuerfreundlichen Niederlande Konkurrenz. Dort wurde in den letzten Jahren das Geschäft mit Rubrikenanzeigen, eine von drei Ebay-Sparten, zusammengezogen.

Vermutlich in diesem Zusammenhang hat Ebay Ende 2018 Vermögenswerte im Umfang von fast 11 Milliarden Franken von der Berner Ebay Holding GmbH an eine Gesellschaft unter dem Dach einer niederländischen Ebay-Gesellschaft übertragen (die «Handelszeitung» berichtete darüber). Ebay wollte sich auf Anfrage nicht zu diesen Transaktionen äussern.