Die Zahl der Neuwagen in der Schweiz nimmt wieder deutlich zu. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben die Neuwagenverkäufe im Juli 2010 um über 6% zugelegt, wie die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure ausweist. Von der neu erwachten Kauflust will auch die Axa Winterthur profitieren und spannt in der Motorfahrzeugversicherung mit dem grössten Schweizer Autoimporteur Amag (VW, Audi, Seat, Skoda) zusammen, wie Recherchen der «Handelszeitung» ergeben. Damit können Autokäufer ihre Fahrzeuge neu direkt in einer Amag-Verkaufstelle bei der Axa Winterthur versichern lassen.

«Amag passt zu unserer Strategie im Vertrieb», bestätigt Antimo Perretta, Leiter Distribution bei Axa Winterthur. So hätten immer mehr Kunden das Bedürfnis, beim Kauf eines Produktes die dazugehörige Versicherung gleich mit abschliessen zu können. Mit einem Jahresumsatz von 3,7 Mrd Fr. im Jahr 2009 und einem Marktanteil von rund 25% gilt Amag als Marktleader unter den Schweizer Automobilhäusern.

Nebst dem Verkauf von Versicherungen erhofft sich die Axa Winterthur aber vor allem eines von der Kooperation: «Wir wollen die Kundenbeziehungen ausbauen», sagt Perretta. So sollen neu gewonnene Kunden künftig über die Motorfahrzeugversicherung hinaus auch andere Versicherungspolicen bei der Axa Winterthur abschliessen. «Je mehr Policen ein Kunde bei der Axa Winterthur hat, desto tiefer ist im Normalfall auch seine Schadenquote», stellt Perretta fest. Bislang pflegte die Axa Winterthur über die Totalmobil-Versicherung engen Kontakt mit dem Autoimporteur und erbrachte den Amag-Kunden Dienstleistungen wie den Abschleppdienst im Pannenfall.

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Kooperationsdickicht

Die neue Kooperation dürfte besonders der Allianz Suisse und der Zurich-Versicherung ein Dorn im Auge sein. Denn beide führen seit mehreren Jahren eine Partnerschaft mit der Amag. Während Zurich über Zurich Connect direkt mit dem Automobilunternehmen kooperiert, verfügt die Allianz Suisse über einen Exklusivvertrag mit dem Volkswagen Versicherungsdienst (VVD), der seinerseits eng mit Amag zusammenarbeitet. Und diese Zusammenarbeit soll künftig gar verstärkt werden: «Die Zusammenarbeit mit dem VVD und der Amag soll künftig über besondere Angebote und eine verbesserte Anbindung weiter intensiviert werden», sagt René Renggli, Leiter Kooperationen der Allianz Suisse. Das wird wohl auch nötig sein. Denn mit der Axa Winterthur werden die Allianz Suisse und die Zurich nun mit dem grössten Motorfahrzeugversicherer in der Schweiz unter einem Dach konkurrieren müssen (siehe Tabelle).

Fiat und Peugeot suchen Partner

Diese Kooperationsmodelle machen zunehmend Schule. Gemäss Branchenkennern sollen die beiden Automarken Fiat und Peugeot ebenfalls auf der Suche nach neuen Partnern in der Motorfahrzeugversicherung sein. Besonders Peugeot könnte mit einem Marktanteil von 5% in der Schweiz ein interessanter Partner sein. Allerdings sei gemäss den Insidern die Zusammenarbeit mit freien Händlernetzen im Vergleich zu Netzwerken wie Amag oder Emil Frey AG eher schwierig zu koordinieren.

Trotz neuer Partnerschaften tragen die bisher eingegangenen Kooperationen derzeit erst wenig zum gesamten Volumen in der Motorfahrzeugversicherung bei. «Der Anteil der Kooperationen am gesamten Prämienvolumen im Motorfahrzeuggeschäft ist noch relativ gering», sagt René Renggli von Allianz Suisse. Dennoch seien aber die Zuwachsraten im Motorfahrzeugbereich im zweistelligen Bereich und damit überdurchschnittlich. «Dieser Trend wird sich fortsetzen», sagt er. Weniger euphorisch zeigt sich hingegen die Mobiliar, welche vor allem auf lokale Partnerschaften, etwa mit Garagen, setzt. «Das Volumen ist aufgrund der lokalen Gegebenheiten sehr unterschiedlich und liegt über alles gesehen im einstelligen Prozentbereich», sagt Patrik Linder, Verantwortlicher Motorfahrzeuggeschäft bei der Mobiliar.

Mobiliar senkt die Prämien

Nebst der angestrengten Suche nach neuen Kooperationspartnern in der Motorfahrzeugversicherung spielt auch der rege Wechsel von Versicherungspolicen eine immer deutlichere Rolle. Auf Ende September können wieder viele Autohalter ihre Fahrzeugversicherung kündigen, was wiederum zu Umschichtungen führen wird. So haben in der Schweiz im vergangenen Jahr 7% der Autobesitzer ihre Fahrzeugversicherung gewechselt, wie eine Umfrage des Internetvergleichsdienstes Comparis Anfang Jahr ergeben hat. «In der Motorfahrzeugversicherung findet ein deutlicher Wechselmarkt statt», sagt Antimo Perretta, Leiter Distribution bei Axa Winterthur. Bislang habe die Axa Winterthur davon meistens profitieren können.

Entscheidend für die wechselwilligen Versicherten sind dabei die Prämien, welche seit Jahren stark unter Druck stehen. Der starke Wettbewerb unter den Motorfahrzeugversicherern um Neukunden sowie die verhältnismässig schadenarme Periode führten zu immer tieferen Prämien. «Die Prämien im Motorfahrzeuggeschäft sind unverändert stark unter Druck», sagt Thomas Lanfermann, Leiter Motorfahrzeugversicherungen bei der Allianz Suisse. Allerdings sei auch erstmals seit einiger Zeit in einzelnen Bereichen eine Preiserhöhung festzustellen. Grund ist unter anderem eine zunehmende Schadenbelastung. So hat der vergangene Winter einzelnen Versicherern stark zugesetzt.

Von einer Prämiensenkung hingegen können bestehende Mobiliar-Kunden profitieren. Dank einem soliden Geschäftsgang im Jahr 2009 bezahlen bestehende Motorfahrzeugkunden 10% weniger Prämien im laufenden Jahr.