Der an der Schweizer Börse kotierte Sensoren- und Chiphersteller AMS kann im Übernahmepoker um den deutschen Lampenhersteller Osram mitmachen. Osram hat den Weg für ein Übernahmeangebot des österreichischen Unternehmens freigemacht.

Die Münchner hoben das bestehende Stillhalteabkommen mit AMS auf und unterschrieben eine Kooperationsvereinbarung, wie Osram am Mittwochabend in einem Communiqué mitteilte. In der Kooperationsvereinbarung seien Schutzzusagen für Mitarbeiter, Standorte und wesentliche Unternehmensteile enthalten. Weil AMS einen Blick in die Geschäftsbücher von Osram werfen durfte, mussten sich die Österreicher verpflichten, ihre Offerte nur mit Zustimmung von Osram offiziell vorzulegen.

Höheres Angebot als Bain Capital und The Carlyle Group

Es sei im Interesse der Aktionäre und weiteren Anspruchsgruppen von Osram, AMS die Veröffentlichung des Kaufangebots zu ermöglichen, schrieb Osram weiter. Das AMS-Angebot liege mit 38,50 Euro je Osram-Aktie um 10 Prozent höher als das noch laufende Angebot des Bieterkonsortiums von Bain Capital und The Carlyle Group. Das Angebot von AMS bewerte Osram mit einem Unternehmenswert von rund 4,3 Milliarden Euro.

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Die beiden US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle bieten lediglich 35 Euro je Aktie, was Osram mit 4 Milliarden Euro bewertet. Die Kaufofferte der Amerikaner liegt bereits seit Ende Juli offiziell vor und läuft derzeit bis 5. September.

An der Börse sorgten die Neuigkeiten für gute Laune. Der Aktienkurs von Osram legte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um fast zwei Prozent zu.

Die Spitzen von AMS und Osram seien überzeugt, dass die Schaffung eines weltweit führenden Anbieters von Sensoriklösungen und Photonik erhebliche Vorteile für die Kunden bieten würden, schrieben die Österreicher. Ein Zusammenschluss beider Unternehmen ermögliche eine erhebliche Wertsteigerung.

AMS werde bestehende Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und ähnliche Vereinbarungen in Deutschland fortsetzen, darunter das im Juli 2017 mit der IG Metall und den Arbeitnehmervertretern von Osram beschlossene Eckpunktepapier «Zukunftskonzept Deutschland».

Darüber hinaus werde AMS die deutschen Produktionsstandorte für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren weiterführen. München solle Co-Hauptsitz des gemeinsamen Unternehmens neben dem österreichischen Premstätten werden und eine bedeutende Präsenz weltweiter Unternehmensfunktionen erhalten.

Appetit aufs Autozuliefer- und Photonik-Geschäft

Der Chip-Hersteller interessiert sich gemäss früheren Angaben vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von «Front-End-LEDs» dort gebündelt wird. Das Digitalgeschäft und das Verbrauchergeschäft mit LEDs soll hingegen verkauft werden.

Vergangene Woche rechnete AMS im neuen Verbund mit Synergie- und Sparpotenzial von jährlich über 300 Millionen Euro. Bereits ab dem ersten Jahr nach Abschluss werde sich ein positiver Ergebniseffekt einstellen und ab dem zweiten Jahr eine über den Kapitalkosten liegende Rendite, versprach AMS damals. Allerdings entstünden zunächst einmal Integrationskosten in Höhe von rund 400 Millionen Euro.

AMS-Aktionäre sind skeptisch

Am Ende soll ein Konzern mit einem Umsatz von rund 5 Milliarden Euro entstehen, der ein jährliches Wachstum im zweistelligen Prozentbereich und eine um Sonderfaktoren bereinigte EBIT-Marge von über 25 Prozent anstrebt. AMS alleine wies 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden und eine Marge von 9 Prozent aus.

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Investoren reagierten skeptisch auf die Pläne: Die Aktien von AMS stürzten vergangene Woche nach der Ankündigung der Kaufofferte ab und fielen zeitweise gar unter die Marke von 40 Franken. Am Mittwoch legten die Titel in einem festeren Gesamtmarkt um 2,3 Prozent auf 40,88 Franken zu. Die Osram-Aktie kletterte gleichzeitig im Nebenwerteindex MDax bis Börsenschluss um 3,1 Prozent auf 36,25 Euro. Das war der höchste Schlusskurs seit einem knappen halben Jahr.

(sda/gku)

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