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Apple-Boykott treibt Banken zur Weissglut

Cornèrcard: Hat faktisch das Monopol auf Apple und Samsung.  zvg

Immer mehr Regional- und Kantonalbanken wehren sich gegen die Apple-Blockade 
der Kreditkartenfirma Aduno. Die Stimmung ist gereizt. Doch das Gezänk kennt auch einen klaren Gewinner.

Von Michael Heim
am 23.05.2017

Ein Jahr nach dem Start des Handy-Zahlungssystems Apple Pay und kurz nach der Lancierung von Samsungs ähnlichem Angebot hadern immer mehr Banken mit der Boykott-Strategie ihrer Kartengesellschaften. UBS, Credit Suisse und Aduno arbeiten nicht mit den Handy-Bauern zusammen, um ihre eigene Payment-App Twint zu stützen. Ihre Kreditkarten sind nicht kompatibel.

Vor allem beim Gemeinschaftsunternehmen Aduno herrscht ­gereizte Stimmung. Aduno wird ­kontrolliert von Twint-Aktionären: ­Raiffeisen, ZKB und BCV halten 45 Prozent der Aktien. Zusammen mit der Migros Bank haben sie die Mehrheit. Gleichzeitig beliefert Aduno über die Tochter Viseca alle Kantonalbanken und viele Regionalbanken mit Kreditkarten. Und die halten wenig von der Reduit-Mentalität.

Direkt bis diplomatisch

Die «Handelszeitung» weiss von zahlreichen Regional- und Kantonalbanken, die auf höchster Ebene bei Aduno vorstellig wurden. «Wir klopfen da immer wieder an», sagt der Vertreter einer grösseren Kantonalbank, der nicht namentlich ­genannt werden will. «Wir sind frustriert, dass sich nichts tut.»

Etwas ­diplomatischer formulieren es jene, die mit ihrem Namen hinstehen. Man wolle den Kunden «die Wahlfreiheit lassen», sagt Urs Vock von der Aargauischen Kantonalbank. Marianne Wildi, Chefin der Hypothekarbank «Hypi» Lenzburg ergänzt: «Wir bedauern, dass einige Banken die Entwicklung nicht als Chance sehen und die neuen An­bieter blockieren.»

Empfehlen alternative Angebote

Auch die Regionalbank Valiant machte mehrfach Druck. Über die Tochtergesellschaft Entris kon­trolliert sie 14 Prozent von Aduno und ist damit die drittgrösste Ak­tionärin. Doch auch das reicht nicht. «Wir würden es vorziehen, wenn unsere Kunden die Wahl hätten», sagt ­Valiant-Sprecher Marc Andrey. Die Bank verweist ihre ­Kunden nun an das Angebot von Swiss Bankers. Dort gibt es mit ­Apple und Samsung kompatible Karten. Allerdings nur als «Prepaid-Karte» ohne Kredit.

Die Aduno-Gruppe stehe «in ­engem Dialog» mit den Aktionärs- und Vertriebsbanken, sagt Sprecherin Nadine Geissbühler. «Der Verwaltungsrat der Aduno Gruppe hat entschieden, dass die Tochter Viseca derzeit keine Zahlungen mit Apple Pay oder Samsung Pay anbietet.»

In der Branche ist es ein offenes Geheimnis: Das Aduno-Management wollte Apple Pay einführen, doch die Aktionäre sagten nein. ­Offenbar entstand die Boykott-Strategie eher kurzfristig. «Wir gingen noch kurz vor dem Start von Apple Pay davon aus, dass Aduno mitmacht», sagt das Geschäftsleitungsmitglied einer kleineren Kantonalbank. «Erst in letzter Minute kam dann die Wende.»

Die Banken weichen aus

Für Aduno bedeutet der Boykott den Verlust von Kunden aus den ­eigenen Stammlanden. Die Graubündner Kantonalbank wirbt schon seit längerem wie Valiant für die ­Prepaid-Karten von Swiss Bankers. Die Basler Kantonalbank brach das Twint-Kartell gar mit einem eigenen Produkt. Seit längerem vertreibt sie eine Kreditkarte für Fans des FC Basel. Herausge­berin ist nicht Aduno, sondern die Konkurrentin Cornèrcard. Im Februar schaltete die BKB darauf Apple Pay frei. Seither werben die Basler genüsslich damit.

Kurz darauf wechselte gleich eine ganze Bank das Lager: Die ­Baloise Bank Soba bezieht seit März alle Kreditkarten von Cornèrcard. Zuvor war die frühere Solothurner Kantonalbank Kundin der Grossbank UBS, die sich Apple ebenfalls verweigert. Der Wechsel habe verschiedene Gründe gehabt, sagt ­Baloise-Sprecher Amos Winteler. «Apple Pay war einer davon.»

Boykott-Gewinnerin Cornèrcard

Cornèrcard ist die Gewinnerin der Boykott-Strategie der Twint-Banken. Ihren Chef Alessandro Seralvo sieht man nur noch lächelnd, denn er hat in der Schweiz faktisch das Monopol auf ­Apple und Samsung. Knapp zwei Millionen Karten verwaltet Cornèrcard. Neben ihr haben nur Swiss Bankers und Swisscard (teilweise) Apple Pay im Angebot.

Die Baloise-Tochter Soba war nicht die erste Bank, die sich die Tessiner Cornèrcard angelte: 2010 wechselten gleich zwei Banken von Aduno zu ihr: Die LLB-Tochter Bank Linth und die Banca Popolare di Sondrio. In der Branche fragt man sich: Folgen nun andere diesen Vorbildern?

Samsung könnte für Druck sorgen

Noch machen viele Banker bloss die Faust im Hosensack. «Der Leidensdruck ist zu gering», sagt ein Payment-Manager. So richtig gestartet sei Apple Pay ja noch nicht.

Und so blicken nun alle gespannt auf Samsung. Vor kurzem erst lanciert, könnte Samsung Pay der Diskussion neuen Wind geben. Noch bieten erst Cornèrcard und Swiss Bankers Samsung Pay an, doch in der Branche wird erwartet, dass auch Swisscard bald nachzieht. Sollte Samsung mehr Erfolg haben als Apple, wird es eng für das Abwehrkartell der Twint-Banken.

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Was Apple mit 250 Milliarden Cash alles kaufen kannn

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Apple besitzt flüssige Mittel von gut 250,4 Milliarden Franken. Das könnte sich der Techkonzern damit alles leisten: Der Listenpreis eines Airbus A380 beträgt knapp 402 Millionen Schweizer Franken. Apple könnte sich somit sagenhafte 635 Airbusse besorgen.