Apple steht die grösste Übernahme der Firmengeschichte bevor. Der iPhone-Hersteller will offenbar den Musikspezialisten Beats für 3,2 Milliarden Dollar übernehmen. Schon nächste Woche könnte Apple den Deal bekannt geben.

Das von Hip-Hop-Ikone Dr. Dre gegründete Unternehmen ist in erster Linie bekannt für seine hippen Kopfhörer mit dem markanten «b». Wer im Zug, im Tram und auf der Strasse genau hinschaut, kann das boomende Produkt immer auf irgendeinem Kopf entdecken.

Apple will nicht die Kopfhöher

Doch eigentlich geht es Apple nicht um die Kopfhörer oder um die Firma Beats. Wie ein mit den Verhandlungen vertrauter Insider gegenüber dem Nachrichtenportal «Buzzfeed» sagt, will der kalifornische Tech-Gigant nur eines: Jimmy Iovine. Der 61-Jährige New Yorker soll Apple helfen, die Musiksparte des Konzerns rund um die Anwendung iTunes aufzupolieren.

Iovine ist eine dicke Nummer im internationalen Musikbusiness. Er gründete 2006 zusammen mit Dr. Dre das Unternehmen Beats, dessen CEO er auch ist. Doch das ist nicht alles. Er stampfte 1989 auch das Musiclabel Interscope aus dem Boden. Seit über 20 Jahren ist Iovine im Topmanagement des Musikgiganten Universal Music und präsidiert dort die Labels Interscope, Geffen und A&M. Zudem arbeitete er als Musikproduzent oder Komponist mit Superstars wie Eminem, Bruce Springsteen, Lady Gaga, Dire Straits oder U2 zusammen.

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Falls Apple die Beats schluckt, würde Iovine seine Zuhause bei Universal verlassen, um bei Apple eine «kreative Rolle» einzunehmen, so der Insider gegenüber «Buzzfeed». Iovine soll Apples «Musik-Stategie aufmöbeln und leiten».

Apple hat Anschluss verpasst

Der Plan würde Sinn machen. Apples Musiksparte schwächelt. Der Konzern hat den Anschluss an den heute gängigen Musikkonsum per Stream nicht wirklich geschafft. Der Start des eigenen Streaming-Services iRadio verlief nicht wie gewünscht und kam bei den Nutzern nicht gut an. Auch iTunes, Apples wichtigste Musikanwendung, steht häufig in der Kritik von Nutzern und Experten.

Von den Schwachstellen profitiert die Konkurrenz. Die Streaming-Dienste Spotify und Pandora verbuchen grosse Erfolge und sind beliebt. Zudem hat Beats selber vor einiger Zeit mit beatsmusic.com einen eigenen Stream-Dienst lanciert, der ebenfalls bei den Nutzern gut ankommt.

Kontakt zu Steve Jobs

Die Übernahme von Beats würde daher sicherlich die ein wenig eingerostete Musiksparte bei Apple wieder in Schwung bringen.

Ein Deal zwischen Apple und Beats wäre das Happy End einer langen Bekanntschaft. Wie das «Wall Street Journal» schreibt, habe der 2011 verstorbene Apple-Chef Steve Jobs des Öfteren Iovine zuhause in Los Angeles besucht. Der Universal-Mann sei etwa entscheidend für die Entstehung des schwarz-roten U2-iPods gewesen. Auch soll es damals schon Gespräche zwischen den beiden über einen Streaming-Dienst gegeben haben, die dann aber versiegten.

Iovines Abgang von Universal wäre ein harter Schlag für den Musikmulti. Aber wohl ein riesiger Gewinn für den iPhone-Hersteller.