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Auftrag
Apples «Raumschiff» glänzt mit Schweizer Lack

Apples neuer Hauptsitz begeistert weltweit. Der futuristische Bau erinnert an ein Raumschiff. Auch ein Aargauer Unternehmen hat daran mitgewirkt.

Von Flavian Cajacob
am 06.03.2013

Im April hat Apple seine neue Firmenzentrale im kalifornischen ­Cupertino eröffnet. Bis September soll auch der letzte von insgesamt 12 000 Mitarbeitenden den Mac in seinem Büro hochgefahren haben. Das futuristische Hauptgebäude, das an ein riesiges Raumschiff erinnert, gehört mit ­einer Fläche von 260 000 Quadratmetern zu den grössten der Welt. Es wurde noch vom 2011 verstorbenen Steve Jobs unter dem Arbeitstitel «AC2» (Kurzform für Apple Campus 2) angestossen.

Vom Silicon Valley an den Rand des Reusstals, nach Fislisbach im Kanton Aargau: Hier, am Sitz von Monopol Colors, steht Lionel Schlessinger vor seiner «Matrix», einem Ding, das der Phantasie von Alien-Vater H. R. Giger entsprungen sein könnte. «Darum beneidet uns die Konkurrenz rund um den Globus», sagt Firmenpatron Schlessinger, «Europas modernste Mischanlage für Farben.»

Tausende von Rezepte auf Lager

Mehr als 32'000 Farbrezepte sind im System des Aargauer KMU gespeichert, darunter der Ton mit der Bezeichnung «AC2». Lionel Schlessinger lacht. «AC – für mich hat diese Abkürzung immer für Air Condition gestanden.» Deshalb auch habe er sich lange Zeit keinen Reim darauf machen können, weshalb sein Kunde in den USA im Wochentakt neue Farbmuster anforderte. Bei Probe Nummer 15 oder 16 sei dann endlich Schluss gewesen, der Kunde zufrieden – und Schlessinger ratlos: «Eine Air Condition in Schwarz, eine schwarzgetünchte Klimaanlage also, das hat für mich absolut keinen Sinn gemacht.»

Man schrieb das Jahr 2013. Bei Apple in Cupertino fuhren gerade die Bagger auf. Nach und nach machte der Technologiekonzern seine Pläne rund um das neue, von Stararchitekt Norman Foster entworfene Hauptquartier publik: Gesicherte Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, ein Auditorium mit 1000 Plätzen, Besucherzentrum, Ladengeschäfte, Cafés, ein 10'000 Quadratmeter grosses Fitnesscenter, eine Parklandschaft mit drei Kilometern Wander- und Laufwegen, dazu Wiesen, Teiche und ein Obstgarten, riesige Solaranlagen und eine natürliche Belüftung.

«Heimat der Innovation»

Die «Heimat der Innovation kommender Generationen», so hatte Apple-Gründer Steve Jobs kurz vor seinem Tod verkündet, sollte ein betörendes Gesicht, einen bestechenden Charakter und einen kurzen Rufnamen erhalten: «AC2».

«AC2» – in Fislisbach dämmerte es langsam aber sicher auch dem Farbenproduzenten Schlessinger: «AC» stand nicht für Air Condition, sondern für Apple Campus. Der Unternehmer tätigte ein paar Anrufe. Und tatsächlich: «Auf Nachfrage bei unserem Kunden in Übersee und unter Verpflichtung zur absoluten Verschwiegenheit wurde mir beschieden, dass es unser Schwarzton AC2 Norman Foster und seinem Team angetan hatte», erinnert sich der 52-Jährige.

Gegen Grosskonzerne durchgesetzt

Wenig später wurde Monopol mit der Herstellung einer grösseren Menge der äusserst widerstandsfähigen Lumiflon-Fluorpolymerbeschichtung beauftragt, welche zur Weiterverwendung an einen Fassadenhersteller nach Deutschland ging. «Eigentlich hat es mich damals vor Freude fast zerrissen», erzählt Schlessinger. «Aber ich durfte kein Sterbenswörtchen darüber verlieren, nicht einmal meinen Mitarbeitern oder der Familie gegenüber.»

Inzwischen sind gut vier Jahre vergangen. Schlessinger und seine Firma sind längst zum Tagwerk übergegangen. Und im Silicon Valley kann der «Apple Campus 2», der mittlerweile zu «Apple Park» umbenannt worden ist, mit einiger Verspätung bezogen werden.

33 Tonnen Speziallack

«Insgesamt haben wir 33 Tonnen ­Speziallack geliefert. Das reicht für eine Fläche, die etwa 22 Fussballfeldern entspricht», sagt Lionel Schlessinger und hebt einen Kübel Farbe vom Förderband der «Matrix». Das im Metallic-Look gehaltene Schwarz aus Fislisbach wurde auf Panelen appliziert, welche inskünftig die oberste Etage des futuristischen Rund­gebäudes zieren.

Was Schlessinger ganz besonders freut, ist die Tatsache, dass sein Aargauer Familienbetrieb sich gegen internationale Grosskonzerne durchgesetzt hat. «Natürlich, wir sind international aufgestellt und bekommen es immer wieder mit Prestigeprojekten zu tun.» Er klopft seiner «Ma­trix», der zuverlässigen Farbmischanlage, auf die Gelenkschulter. «Aber an Sir Norman Foster und Apple zu liefern, das kommt für uns als KMU schon fast einem Ritterschlag gleich.»

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