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Ärger für Boeing – immer mehr Maschinen bleiben am Boden

LOT - Polish Airlines Boeing 737 MAX8 taxiing for take off in Dusseldorf Airport DUS EDDL in Germany, the airline operates this new and modern aircraft the Boeing 737-8 MAX and connects DUS to Warsaw Chopin WAW EPWA airport in Poland. (Photo by Nicolas Economou/NurPhoto via Getty Images)

Eine Boeing 737 Max 8 der Polish Airlines am Flughafen Düsseldorf. Seit Dienstagnachmittag dürfen die Maschinen dieses Typs auch nicht mehr auf deutschem Boden landen.

Quelle: Nicolas Economou/NurPhoto

Mehrere Länder haben ein Flugverbot für die Boeing 737 Max verhängt, darunter auch Deutschland. Der Druck auf den US-Hersteller wächst.

Veröffentlicht am 12.03.2019

Wegen Sicherheitsbedenken nach zwei Abstürzen halten immer mehr Länder Boeing-Flugzeuge vom Typ 737 MAX 8 am Boden. Am Dienstag erteilten auch Grossbritannien, Singapur und Australien diesen neuesten Modellen des amerikanischen Flugzeugbauers ein Start- und Landeverbot. Am Dienstagnachmittag zog auch Deutschland nach und verhängte ein Flugverbot für den Boeing-Typ. 

Fast 40 Prozent der bislang weltweit eingesetzten Boeing 737 MAX heben dem Branchendienst Flightglobal zufolge vorübergehend nicht mehr ab, darunter knapp 100 Maschinen im grössten Markt China.

Kaum Flugzeuge des Typs Boeing 737 MAX im Schweizer Luftraum

Einige Länder und Airlines warten noch auf die Ergebnisse der Unfallermittlungen und die offiziellen Empfehlungen von Boeing, so auch die Schweiz. In der Schweiz sei zudem kein Flugzeug dieses Typs immatrikuliert, teilte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) auf Anfrage mit. Im Schweizer Luftraum gebe es lediglich zwei oder drei Flüge pro Monat von Maschinen des Typs Boeing 737 MAX durch ausländische Gesellschaften.

Der Reisekonzern TUI erklärte am Dienstag, alle Flüge mit diesem Flugzeugtyp würden eingestellt, nachdem die britische Flugaufsicht einen Betriebsstopp verhängt hätte. Kurz zuvor hatte es noch geheissen der Konzern lasse seine 15 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 weiter fliegen. In Europa sind knapp über 40 Flugzeuge des Typs unterwegs, wie das Branchenportal «Travelnews» berichtet. 

Das seien namentlich Air Italy, IcelandairLOT, Norwegian und die erwähnte TUI, die auch ab und an Schweizer Flughäfen mit einer Boeing 737 Max 8 ansteuert. Zudem verfüge die Turkish Airline über elf weitere solcher Typen. Weltweit sind gemäss BAZL 350 Maschinen dieses Typs ausgeliefert und rund 5000 bestellt worden.

Swiss hat von Boeing keine 737 Max im Einsatz, sondern seit drei Jahren die Maschine 777-300ER, wie Sprecherin Meike Fuhlrott gegenüber dem Portal sagte. 

Temporäres Grounding

Manche Länder und Airlines gehen jedoch von sich aus weiter: Grossbritannien, Malaysia, Singapur und Australien verbannten das Modell am Dienstag zumindest temporär aus ihrem Luftraum. Die britische Luftfahrtbehörde teilte mit, sie habe vorsorglich verfügt, alle kommerziellen Flüge von allen Airlines zu untersagen, die im Vereinigten Königreich landen, starten oder das Land überfliegen.

Die Anordnung werde bis auf Weiteres in Kraft sein, hiess es. Die Behörde betonte, sie stehe in engem Kontakt mit der europäischen Luftaufsicht EASA. Derzeit nutzen fünf Maschinen des Typs 737 Max Flugbasen in Grossbritannien.

In Singapur betreiben mehrere ausländische Gesellschaften und die heimische SilkAir 737-MAX-Maschinen, in Australien ist nur Fiji Airways betroffen. Auch der Oman erlaubt keine Starts und Landungen des Flugzeugtyps mehr.

Wichtige Märkte für Boeing

In den für Boeing wichtigen Märkten China und Indonesien dürfen heimische Airlines die 737 MAX 8 schon seit Montag nicht mehr einsetzen. Chinas Behörde für zivile Luftfahrt stellte "Ähnlichkeiten" zwischen dem Unfall vom Sonntag und dem Absturz im Oktober fest.

Der Flugbetrieb werde erst wieder aufgenommen, wenn Boeing die nötigen Massnahmen zur Flugsicherheit bestätigt habe. Auch Südkorea und die Mongolei forderten ihre heimischen Airlines auf, die 737 MAX 8 nicht mehr einzusetzen.

Einige Unternehmen erklärten bereits selber, auf Flüge mit Maschinen des betroffenen Typs zu verzichten. «Wir kennen die Unfallursache nicht, lassen Teile unserer Flotte aber als Sicherheitsmassnahme am Boden», teilte Ethiopian Airlines mit.

Auch die südafrikanische Comair, die Cayman Airways, die brasilianische Gol Airlines und die Aeromexico lassen 737 MAX 8 vorerst nicht mehr starten. Argentiniens Vorzeige-Airline Aerolinas Argentinas setzt Flüge mit seinen fünf 737 MAX 8 ebenfalls aus. Zuvor hatten sich Piloten geweigert, mit dem Modell zu starten.

Boeing muss handeln

Boeing sicherte zügige Änderungen an der Steuerungssoftware des betroffenen Flugzeugmodells zu. Der Konzern erklärte, schon vor Monaten damit begonnen zu haben, die Steuersoftware weiterzuentwickeln, «um ein jetzt schon sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen.» Das Software-Upgrade solle in den kommendem Wochen bei allen Maschinen aufgespielt werden. Die Gesellschaft verwies bei der Ankündigung nicht auf den Absturz am Sonntag in Äthiopien.

Am Montag waren die Datenschreiber der Maschine gefunden worden. Ethiopian Airlines zufolge wurden sowohl der Stimmenrekorder, der die Kommunikation im Cockpit aufzeichnet, als auch der Flugschreiber mit den digitalen Flugdaten geborgen.

Boeing steht nach dem Absturz der Boeing 737 MAX 8 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines am Sonntag in Äthiopien unter Druck. Dabei waren alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Bereits Ende Oktober war in Indonesien ebenfalls kurz nach dem Abheben eine neue Maschine dieses Typs der Lion Air abgestürzt.

Aktie verliert

Am Montag verlor die Boeing-Aktie rund zwölf Prozent, und auch am Dienstag musste sie Kurverlurste hinnehmen. Am Dienstagnachmittag (MEZ) hatte sie bereits wieder über sechs Prozent verloren. 

Die amerikanische Flugaufsichtsbehörde FAA forderte von Boeing, angekündigte konzeptionelle Änderungen bis April umzusetzen, erklärte den Flugzeugtyp aber für flugtauglich. Die Ermittlungen hätten erst begonnen und bislang lägen keine Informationen vor, die Schritte erforderlich machen würden, hiess es in einer Mitteilung der Behörde.

(sda/tdr)

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