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Konkurrenz
Arnault vs. Pinault: Kunstmäzene im Zweikampf

Fondation Louis Vuitton: Keystone

Bernard Arnault hat bereits einen Kunstpalast in Paris. François Pinault will 2018 nachziehen. Die superreichen Franzosen mögen sich nicht, Kunst aber umso mehr. Das birgt Konfliktpotenzial.

Veröffentlicht am 16.08.2016

Die beiden superreichen Franzosen François Pinault und Bernard Arnault sind Erzfeinde. Sie konkurrieren um Luxusmarken und um Kunst. Dabei liefern sie sich einen Wettlauf um Museen und Auktionshäuser.

Beide sind Kunstliebhaber und sorgen abwechselnd mit spektakulären Ausstellungen und Museumseröffnungen für Schlagzeilen. Zuletzt machte Pinault von sich reden. Voraussichtlich Ende 2018 wird der 79-Jährige sein drittes Museum eröffnen – mitten in Paris will der schwerreiche Unternehmer seine Sammlung präsentieren.

Konkurrent war schneller

Vor mehr als 15 Jahren schon wollte der gebürtige Bretone sich mit einem Neubau auf der Seine-Insel Ile Seguin bei Paris diesen Traum erfüllen. Doch Bürgerinitiativen und die zuständige Gemeinde verzögerten und blockierten den Bau. Aus Protest zog Pinault mit seinen Werken nach Venedig. Dort eröffnete er im April 2006 den Palazzo Grassi, im Juni 2009 sein Museum in der Punta della Dogana.

Mit dem riesigen Kuppelbau in der Nähe des Pariser Centre Pompidou nimmt Pinault Revanche. Denn noch im Oktober 2014 musste der Herr über die Luxusmarken Yves Saint Laurent und Gucci zusehen, wie Bernard Arnault, der Vorstandsvorsitzende von Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), mit viel Pomp die Fondation Louis Vuitton eröffnete.

Tausende Werke

Das pharaonische Monument wurde vom Star-Architekten Frank Gehry entworfen. Der spektakuläre Bau, in dem der Rivale seitdem einen Teil seiner Sammlung zeigt, ragt im Stadtwald Bois de Boulogne in die Höhe, am Westrand von Paris.

Die Sammlung von Pinault gilt als eine der grössten Privatsammlungen zeitgenössischer und moderner Kunst weltweit. Fachleute schätzen sie auf einen Umfang von bis zu 4000 Werken. Sie umfasst neben Klassikern der Moderne auch Arbeiten zeitgenössischer Stars wie Jeff Koons, Damien Hirst, Thomas Schütte und Maurizio Cattelan. Seit Jahren schon stellt Pinault die Sammlung auch ausserhalb seiner Museen in Venedig aus.

Geheimnistuerischer Rivale

Arnault gibt nur häppchenweise Einblick in seine Kollektion. Darüber, wie viele Werke der Geschäftsmann besitzt, herrscht Schweigen. Selbst die Ausstellung zur Eröffnung seiner millionenteuren Fondation bestückte er nur sparsam mit seinen Preziosen.

Zu sehen waren unter anderem raumfüllende Arbeiten von Sarah Morris, Ellsworth Kelly und Olafur Eliasson. In seinem Besitz befinden sich auch Werke des deutschen Bildhauers Thomas Schütte und zahlreiche Gemälde von Gerhard Richter. Damit jagen beide im selben Hoheitsgebiet.

Reich vs. einflussreich

Pinault, der die Führung der Geschäfte vor Jahren schon an seinen Sohn François-Henri abgegeben hat, ist laut Forbes-Rangliste nicht ganz so reich wie Arnault, gilt im Kunstbereich bislang aber noch als einflussreicher. Seine Kunstleidenschaft geht auf die frühen 70er-Jahre mit dem Kauf eines postimpressionistischen Gemäldes zurück. Arnault hingegen entdeckte seine Leidenschaft für Kunst rund zehn Jahre später – mit einem Claude Monet.

Im Jahr 1998 erwarb Pinault für 1,2 Milliarden Euro das britische Auktionshaus Christie's, neben Sotheby's eines der weltweit führenden Häuser der Branche. Nur ein Jahr später tat es ihm Arnault mit dem Erwerb von Philips gleich. Im Jahr 2002 gab er die Kontrolle über das in London beheimatete Auktionshaus jedoch wieder ab.

Bestens gelegen

Mit seinem Museum in Paris hat Pinault gleich doppelt gepunktet. Denn seine «Pinault Collection Paris», so der vorläufige Name des Kunsttempels, liegt zwischen dem Louvre und dem Centre Pompidou und nur wenige Schritte von dem neu eröffneten Zentrum «Les Halles» entfernt. Besser platziert hätte sein Pariser Traum nicht sein können.

(sda/jfr)

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