Das Aus des Genfer Autosalons ist ein harter Schlag für den Messeplatz Schweiz. Jahrzehntelang war der Salon der Leuchtturm unter allen Ausstellungen des Landes. Er hatte ein grosses internationales Ansehen. Und Jahr für Jahr über 100 Aussteller und Hunderttausende von Besuchern aus aller Welt in die Hallen der Palexpo beim Flughafen Genf Cointrin gelockt. Sehr zur Freude von Messebauern, Gastronomie und Hotellerie. Dass sogar Bundesrat Guy Parmelin (64) sein Bedauern über das Ende des Salons ausspricht, untermauert dessen Bedeutung.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Zuletzt hatte es sich abgezeichnet, dass die fetten Jahre der Automesse vorbei sind. Corona hat dem Autosalon einen Schlag versetzt, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Einer halbherzig neu ausgerichteten Version war Anfang Jahr nur mässiger Erfolg beschieden. Aussteller und Publikum zeigten dem traditionsreichen Anlass – der Salon fand 1905 zum ersten Mal statt – zuletzt die kalte Schulter.

So krass die Folgen des Entscheides der Organisatoren für die Region sind, den Autosalon nie mehr auszurichten: Man darf nicht vergessen, dass sich der Salon in guter Gesellschaft befindet. Diverse traditionsreiche Messen finden nicht mehr statt. Blick nennt die wichtigsten Veranstaltungen, die nur noch Geschichte sind.

Züspa im Hallenstadion

Eine schnittige Gemüseraffel? Ein neues Sofa? Oder gar eine Sprudelmatte für die heimische Badewanne? Jahrzehntelang war der Fall klar, wenn solche Bedürfnisse auftauchten: Ab an die Züspa! Die traditionellen Marktschreier und Messeverkäufer, die wortreich ihre Ware anbieten, haben den Kampf gegen den Online-Handel aber verloren. Das Publikum blieb aus und auch die Aussteller wurden immer weniger. 2018 wurde die Herbstmesse im Hallenstadion eingestellt, nur ein Jahr vor ihrem 70. Jubiläum.

Laut und enthusiastisch: An der Züspa wird 2002 ein Haarföhn beworben.

Laut und enthusiastisch: An der Züspa wird 2002 ein Haarföhn beworben.

Quelle: Keystone

Muba in Basel

2019 öffnete die Mustermesse Basel, besser bekannt unter ihrer Abkürzung Muba, zum letzten Mal ihre Tore. Die liebevoll «Mutter aller Messen» genannte Ausstellung ist aus der Zeit gefallen. Die 103. Ausgabe war gleichzeitig auch die letzte. 250'000 Besucherinnen und Besucher besuchten die Muba noch einmal. Die Schweizer Mustermesse war im Frühling 1917 als nationale Leistungsschau gestartet worden. In einer Zeit ohne Einkaufszentren und Online-Handel.

Comptoir Suisse in Lausanne

Auch die bekannteste Publikumsmesse der Romandie ist längst Geschichte. 2018 wurde sie letztmals ausgetragen. Seit 1920 war sie ein fixer Bestandteil im Messekalender. Und für viele Deutschschweizer ein guter Grund für einen Besuch ennet des Röstigrabens. Die Veranstaltung im Lausanner Palais du Beaulieu lockte die Massen in Scharen an. Zuletzt funktionierte die Mischung aus Kultur, Handwerk und kulinarischer Tradition aber nicht mehr. Die Messe wurde eingestellt.

Swiss-Moto in Zürich

Was Autofreaks mit dem Aus des Autosalons mitmachen, haben Töffliebhaberinnen und -liebhaber bereits 2021 durchgemacht: Die jährliche, nationale Schweizer Motorrad-Messe Swiss-Moto wurde eingestellt. Sie wurde kurzerhand nach Bern gezügelt, wo sie unter neuer Führung und mit neuem Konzept weiterlebt. Das Motofestival richtet sich an ein breites Publikum, von Jung- und Neulenkerinnen und -lenkern bis zu hartgesottenen Freaks und Fans. Sie will neu auch mit ihrem Festivalcharakter inklusive Show und Demonstrationen punkten.

Besucher an der Swiss Moto 2019, als sie noch in Zürich war.

Besucher an der Swiss Moto 2019, als sie noch in Zürich war.

Quelle: Keystone

Sie alle leben weiter

Trotz all der Schliessungen: Die Messe an sich ist nicht totzukriegen. Noch immer gibt es im ganzen Land diverse Ausstellungen, die sich eines regen Zuspruchs erfreuen und unbestritten ihre Berechtigung und ihr Publikum haben. Darunter sind neue Formate wie Erotikmessen, Sneaker-Ausstellungen oder Tattoo-Messen.

Aber auch arrivierte Messen wie die Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung in St. Gallen, besser bekannt unter dem Namen Olma. Die 80. Ausgabe vergangenen Herbst besuchten 330'000 Besucherinnen und Besuchern. Oder die Bea in Bern, die 2024 über 300'000 Besucherinnen und Besucher anlockte – bei ihrer 71. Austragung.

Auch in Zeiten von Internet und Onlinehandel funktionieren weiterhin Ferienmessen wie die Fespo in Zürich und St. Gallen oder die Gartenmesse Giardina. Nicht zu vergessen die verschiedenen regionalen Hochzeitsmessen.

Patrik Berger von Handelszeitung
Patrik BergerPatrik Berger ist Redaktor Wirtschaft bei der Handelszeitung.Mehr erfahren