Auf ganz so viele Kilometer wie sein oberster Produzent bringt es das Durchschnittserzeugnis der Eisberg Group vor seinem Verzehr nicht gerade. Thomas Schneiter, CEO des international tätigen Anbau- und Verarbeitungsbetriebs, ist in der Regel nur montags am Hauptsitz in Dänikon ZH anzutreffen. Ansonsten ist er im Ausland unterwegs. Mobil sind aber auch seine Salate. Von den diversen Anbaugebieten, besonders in der Schweiz, Spanien und Tunesien, werden sie zunächst in die fünf eigenen Verarbeitungszentren in Polen, Ungarn, Rumänien, Italien und Dänikon gebracht. Danach führt die Reise über Strecken von bis zu 500 km zur Kundschaft.

Der bekannteste Abnehmer ist McDonald‘s, dessen Filialen in 14 Ländern exklusiv beliefert werden. Während herkömmliche Blattsalate solche Transporte kaum in geniessbarem Zustand überleben können, behält der Eisbergsalat seine knackige Frische unter Voraussetzung einer geschlossenen Kühlkette deutlich länger.

Die gute Haltbarkeit von Eisbergsalat ist eine wichtige Voraussetzung für die Erfolgsgeschichte der Eisberg Group, deren Wurzeln auf einen Bauernhof im Zürcher Furttal zurückführen. Die 1976 von der Betreiberfamilie gegründete Leuenberger AG spezialisierte sich auf den Gemüse- und Salatanbau, wuchs rasant und ging 1983 in die heutige Eisberg Group über. Bereits drei Jahre nach der Gründung begann die Partnerschaft mit Mc-Donald‘s, die bis heute 60% zum Gruppenumsatz beiträgt.

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100 Millionen Franken Umsatz

Coop, Tesco und Spar sind heute die wichtigsten Partner im Detailhandel, weitere sollen gemäss Schneiter dazukommen. Der langjährige McDonald‘s-Manager und ehemalige Nutriswiss-Direktor stiess vor fünf Jahren zur Eisberg Group und hat seither jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich erzielt. «Für 2008 erwarte ich eine weitere Umsatzsteigerung um 15%», so Schneiter, der mit der Eisberg Group heuer die Grenze von 100 Mio Fr. knacken wird. Allein in Rumänien beträgt der Zuwachs im zu Ende gehenden Jahr rund 70%.

Das Fundament für den steilen Weg nach oben ist für die Eisberg Group so klar wie unbestritten und besteht aus zwei Pfeilern: Einwandfreie Qualität beim Produkt sowie Effizienz bei Verarbeitung und Transport. Was einfach klingt, erfordert eine durchdachte und ausgeklügelte Logistik. Mit der einfachen Lieferung von A nach B ist es bei verderblicher Ware wie Salat nicht getan. «Die Kunden möchten das ganze Jahr frischen Eisbergsalat haben, der aber nur im Sommer in der Schweiz gedeiht.» Die internationale Ausrichtung des Konzerns hat deshalb nicht nur mit Expansionsgelüsten zu tun, sondern ist notwendige Grundvoraussetzung. Die Vernetzung war aber vor noch nicht allzu langer Zeit schwierig. «Vor der Öffnung durch die EU hielten Europas Länder ihre Grenzen weitgehend dicht und verunmöglichten so die effiziente Ein- und Ausfuhr - nicht nur von Salat», erklärt Schneiter.

Diese Hürden musste die Eisberg Group früh überwinden, weil ihr Hauptpartner Mc-Donald‘s Mitte der 1980er Jahre eine Expansion nach Osteuropa in Angriff nahm. Die Ausweitung ihrer Aktivitäten in diese Märkte war für die Eisberg Group ein durchaus abenteuerliches Unterfangen und setzte viel Pioniergeist voraus. «Mit Aktenkoffern schmuggelten meine Vorgänger einst Saatgut über die Grenzen nach Polen, um dort einen Anbau zu lancieren.» Eisbergsalat war im Ostblock zu dieser Zeit noch inexistent, dank der Eisberg Group hat er sich heute in Polen, Rumänien sowie Ungarn etabliert.

Die hiesigen Qualitätsstandards bei Anbau und Verarbeitung mussten in Osteuropa mit viel Knochenarbeit zuerst gesichert werden. Seine vielen Geschäftsreisen versteht Schneiter daher bis heute in erster Linie als Qualitätskontrollen vor Ort. Die-ser Aufwand lohnt sich: 2009 wird man in der Ukraine ein weiteres Verarbeitungszentrum eröffnen. Schneiter schwärmt geradezu von den gewaltigen Expansionschancen, die der Osten noch bietet. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum von geschnittenen Salaten liegt in der Schweiz heute bei über 2 kg und ist damit bis zu 50 mal so hoch wie in den osteuropäischen Staaten.

700000 Tonnen Marktpotenzial

«Rechnet man den Verbrauch in diesen Ländern auf das Schweizer Niveau hoch, würde das einer Jahresproduktion von 700000 t Eisbergsalat entsprechen.» Zum Vergleich: 2008 produziert die Eisberg Group 18000 t. «An die Ausschöpfung eines beträchtlichen Teils des Marktpotenzials glaube ich fest», sagt Schneiter. In den Ländern, wo die Eisberg Group aktiv ist, liegen die Marktanteile bei über 50%.

Beim Transport greift die Eisberg Group heute auf modernere Mittel zurück, als dies noch vor Jahrzehnten in Kalifornien der Fall war. Die amerikanischen Pioniere lagerten den Salat für die Fracht damals zwischen kühlenden Eisblöcken, um die Frische zu konservieren. Diesem Vorgehen verdankt der Eisbergsalat seinen Namen.