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Hochseeschifffahrt
Auf den Weltmeeren unter Schweizer Flagge

M/V Turicum: Das 2012 erbaute Schiff gehört zur Reederei Zürich AG. (Bild: ZVG)

Die Schweizer Handelsflotte kann sich trotz Krise im internationalen Transportgeschäft behaupten.

Von Mathias Peer
am 09.04.2013

Die Schweizer Hochseeschifffahrt kommt gut durch die Krise. Zwar sind auch die Handelsschiffe, die unter Schweizer Flagge die Weltmeere bereisen, von den dramatisch gesunkenen Preisen für den Frachttransport auf hoher See betroffen. Während die Handelsmarinen in vielen Ländern schrumpfen, können heimische Reeder jedoch weiter wachsen und haben heute deutlich mehr Schiffe im Einsatz als noch vor Beginn der Krise.

Die Reederei Zürich ist eines von sechs Unternehmen, das Handelschiffe unter Schweizer Flagge um die Welt schickt. Erst im vergangenen Jahr hat das Unternehmen zwei neue Schüttgutfrachter in Betrieb genommen. Ein weiteres Schiff befindet sich nach Angaben der Reederei gerade im Bau und soll 2015 vom Stapel laufen.

Schweizer Handelsmarine umfasst 39 Schiffe

Nach Auskunft des Schweizerischen Seeschifffahrtsamts, das an das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten angegliedert ist, sind derzeit 39 Schiffe als Teil der Schweizer Handelsmarine unterwegs. Obwohl der Frachttransport auf hoher See seit Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise im Jahr 2008 unter Überkapazitäten leidet, konnten die Schweizer Reedereien in diesem Zeitraum wachsen: Vor fünf Jahren hatten sie lediglich 32 Schiffe im Einsatz.

Die Schweizer Handelsschiffe tragen Namen wie MCT Matterhorn, Silvretta oder Andermatt und bereisen vom Indischen Ozean über das Chinesische Meer und den Atlantik um den gesamten Globus. Mehr als drei Viertel der Flotte sind Massengutfrachter, im Einsatz sind aber auch mehrere Tank- und zwei Containerschiffe.

Schweiz nur einen Platz hinter Australien

Im internationalen Vergleich ist die heimische Flotte zwar eher klein. Deutschland verfügt mit rund 3800 Schiffen über über eine 100 mal grösse Flotte. Schätzungen zufolge werden lediglich 0,1 Prozent der weltweiten Seefracht mit den Schiffen aus der Schweiz transportiert. Für ein Land ohne eigenen Zugang zum Meer ist die Schweiz auf hoher See jedoch gut vertreten: Gemessen an der Zahl der Schiffe liegt die Marine unter Schweizer Flagge weltweit auf Platz 76 – nur einen Platz hinter Australien und deutlich vor Ländern wie Irland, Polen oder Israel. Das geht aus Statistiken hervor, die der amerikanische Geheimdienst CIA in dem «World Factbook» veröffentlicht hat.

Unter österreichischer Flagge sind demnach nur drei grosse Handelsschiffe auf hoher See unterwegs. Dass die Schweizer Flotte im Vergleich zu anderen Binnenländern verhältnismässig üppig ausfällt, hat vor allem historische Gründe: Während des Zweiten Weltkriegs war die Versorgungssicherheit des Landes gefährdert. Der Bundesrat gründete deshalb mit Hilfe eines Notrechtserlasses 1941 die Schweizer Handelsflotte, die zunächst vorwiegend Hilfsgüter des amerikanischen und britischen Roten Kreuzes transportierte. Nach Ende des Kriegs beschloss der Bund, die Flotte beizubehalten - verkaufte die Schiffe jedoch an private Unternehmen.

Bund greift unter die Arme

Obwohl die Schiffe längst nicht mehr nur die Schweiz versorgen, sondern Handelsrouten weltweit je nach Bedarf abklappern, ist sie nach wie vor von nationaler Bedeutung: Die Reedereien müssen sich verpflichten, im Krisenfall nur Fracht auf Anordnung der Schweizer Regierung an Bord zu nehmen und auszuliefern. Im Gegenzug greift der Bund den Unternehmen mit Kreditgarantien in der Höhe von 1,1 Milliarden Franken unter die Arme.

Auf den Weltmeeren aktiv sind die Schweizer aber nicht nur unter eigener Flagge: Mit der Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf hat auch die weltweit zweitgrösste Container-Linienreederei ihren Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter und hat über 400 Schiffe im Einsatz, die unter der Flagge von Ländern wie Panama oder Liberia verkehren. Das Unternehmen war im vergangenen Jahr in die Kritik geraten: Als Reaktion auf entsprechende Medienberichte hatte die Reederei zugegeben, ihr havariertes Schiff MSC Chitra nach einer Kollision auf offener See versenkt zu haben - zusammen mit an Bord geladenen Pestiziden. Eine Genehmigung hatte MSC dafür nicht.

Nach dem Willen der Schweizer Politik sollen die Weltmeere künftig deutlich stärker gegen Verschmutzung geschützt werden. Im März dieses Jahres stimmte nach dem Nationalrat auch der Ständerat dem Beitritt zu vier internationalen Abkommen zu, die von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation vorgelegt wurden. «Mit dem Beitritt zu diesen Übereinkommen will die Schweiz ihr Engagement für den Umweltschutz und insbesondere für den Schutz der Meeresumwelt beweisen», teilte der Bundesrat bereits im Herbst vergangenen Jahres mit.

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