In den Tourismusdestinationen dieser Welt sind Airbnb und andere Zimmervermieter schon lange ein Ärgernis für Behörden und Anwohner. Die Sharing Economy sorge für steigende Mieten, Wohnungsknappheit, Lärm und Verschmutzung, so die Vorwürfe an die Internet-Plattform. Airbnb gilt damit sowohl als Sympton als auch als Treiber des Overtourism, des «Übertourismus», der immer mehr Städte und Landschaften ihres Charmes beraubt.

Während Politiker und der Mieterverband in der Stadt Luzern gegen professionelle Anbieter von Ferienwohnungen vorgehen wollen, wehren sich die Einwohner von Ibiza gegen noch dreistere Vermieter. Zwei Bürgerinitiativen beschuldigen andere Einheimische, ihre Balkone an Gastarbeiter und sogar Touristen zu vermieten, wie die Zeitung «Ultima Hora» berichtete.

Der Mieterverband Plataforma Prou! und die Organisation Eivissa Desperta haben Beschwerde beim Inselrat eingelegt. Als Beweis dienen Fotos, welche die Aktivisten in der Catalunya-Strasse aufgenommen und im Netz gepostet haben.

Nichts Neues

Laut «Ultima Hora» sind die zweckentfremdeten Balkone in Ibiza-Stadt schon in früheren Jahren gesichtet worden. Eine andere Lokalzeitung, die «Nou Diari», berichtet, dass die Unterkünfte für 25 Euro auf Airbnb annonciert würden. Doch die Plattform dementiert. «Uns ist nicht bekannt, dass diese Unterkünfte auf Airbnb angeboten werden», sagte eine Sprecherin dem deutschen Fachportal «Reisereporter».

Prou! kritisiert nicht nur die Vermieter, welche die Touristenmassen immer mehr auch ins Zentrum der Städte bringen. Auch die Behörden seien mit ihrer «Passivität» ein Teil des Problems. Ibiza werde zu einem «völlig unkontrollierten Ort, in dem das Recht des Frechsten gilt», so der Mieterverband. Er fordert die Einheimischen auf, sich gemeinsam gegen den Missbrauch zur Wehr zu setzen.

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«Kinderwagen statt Rollkoffer»

Die Angst um die Identität der eigenen Stadt oder des Quartiers ist auch in der Schweiz verbreitet. In Luzern stören sich Politiker der SP daran, dass Airbnb aus Wohnhäusern halbe Hotels gemacht habe. Sie werben mit dem Slogan «Kinderwagen statt Rollkoffer» für eine Eingrenzung der Plattform, wie der «Blick» berichtete.

Airbnb dagegen streicht die wirtschaftliche Bedeutung des Angebots für die Stadt heraus. Zahlen der Datenanalyse-Firma AirDNA zeigen, dass Airbnb den Luzernern in einem Jahr über 16 Millionen Franken eingebracht haben soll. Auch Ibiza lebt vom Tourismus. Doch immer grössere Teile der Bevölkerung wollen die Schattenseiten des Milliardenbusiness nicht länger hinnehmen.