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Steuerbetrug
Bank Frey: «Reputationsrisiko gering»

Bank Frey: Ende 2009 herrschte im Institut Hochstimmung. Keystone

Die Bank Frey gibt auf. Schuld seien vor allem Auflagen. Akten zeigen: Ziel waren Abschleicher anderer Schweizer Banken, Frey wuchs rasant, das Risiko wurde massiv unterschätzt - ein tödlicher Fehler.

Von Christian Bütikofer
am 18.10.2013

Am 8. Dezember 2009 versammelte sich die Spitze der Bank Frey um Verwaltungsratspräsident Markus A. Frey, Vizepräsident und Wegelin-Partner Otto Bruderer und die Geschäftsleitung um Gregor Bienz zur 30. Verwaltungsratssitzung der Zürcher Privatbank.

Die Stimmung musste ausgelassen sein, die Zahlen waren superb. Gregor Bienz konnte einen Nettogewinn der Bank von 2,379 Millionen Franken verkünden – 38 Prozent über Budget. Die Kundenvermögen verzeichneten «einen erneut starken Anstieg», wie aus handelszeitung.ch vorliegenden Akten hervorgeht. In Zahlen: Per Ende November 2009 betrugen sie über 1,27 Milliarden Franken, was einem satten Plus von 63 Prozent gegenüber dem Jahresanfang entsprach. Erstmals durchbrach der Bruttoertrag Ende November die 10-Millionen-Grenze. Zur Erinnerung: Ende 2008 warf die UBS unerwünschte Kunden raus.

Entlassung wegen Betrugsfall

Wegen dem «weiterhin schnellen Wachstum der Bank» wollte CEO Gregor Bienz eine «Stärkung auf Stufe Management». Die Fluktuation der Bankmitarbeiter war auf tiefem Niveau, aber nicht überall herrschte eitel Sonnenschein: «Drei der vier Abgänge im Jahr 2009 waren bankseits geplant», meinte CEO Bienz, während man einen vierten Mitarbeiter aufgrund eines «Betrugsfalls fristlos entlassen» musste.

Fürs Jahr 2010 berichtete Gregor Bienz weiter: «Aufgrund des erfreulichen Wachstums an Neugeldern erhöht sich die Ausgangsbasis von 1,1 Milliarden auf 1,3 Milliarden Franken. Somit errechnet sich auch ein höherer Reingewinn fürs Jahr 2010. Neu wird ein Reingewinn von 3.3 Millionen Franken erwartet.»

Neugeld liess Gebührenertrag explodieren

Weiter rapportierte der Leiter Asset Management Christoph Stöckli: «Ende November wurden 602 Millionen Franken in 193 Mandaten verwaltet. Damit hat sich die Anzahl der Vermögensverwaltungsmandate im laufenden Jahr mehr als verdoppelt (+112 Prozent) und die verwalteten Vermögen haben um 25 Prozent oder 121 Millionen Franken zugelegt.»

Auch bei den Gebühreneinnahmen sah es laut Stöckli rosig aus: «Bis Ende November wurden rund 5,1 Millionen Franken an Courtagen eingenommen. Das ist rund 49 Prozent mehr als im Vorjahr und 25 Prozent mehr als budgetiert. Dieses erfreuliche Ergebnis basiert auf einer hohen Aktivität im Asset Management sowie insbesondere einem hohen Neugeldzufluss, einer Vielzahl an neu zu investierenden Portfolios und einer steigenden Basis an verwalteten Vermögen.»

Von 7,9-Milliarden-«Umverteilung» profitieren

Das Wachstumskonzept der Bank wurde vom Verwaltungsrat Deutsch und deutlich festgehalten: «Es wird erwartet, dass aufgrund verschiedener Bestrebungen in politischen, rechtlichen und regulatorischen Bereichen im Inland sowie auch im nahen Ausland über die nächsten Jahre verwaltete Vermögenswerte in geschätzter Höhe von 7,9 Milliarden Franken innerhalb des Finanzplatzes Schweiz ‹umverteilt› werden. Die aktuelle Ausrichtung der Bank erscheint als geeignet, um von dieser Umverteilung zu profitieren. Entsprechend sollte das aktuelle Profil der Bank geschärft werden.»

Auch die Vereinigten Staaten waren ein Thema: «Der Verwaltungsrat prüft einen auf den Markt USA ausgearbeiteten Geschäftsplan.»

Keine Hilfsdienste an andere Staaten

Weiter steht im Dokument: «Der Verwaltungsrat erachtet die im Grundlagenpapier formulierte Haltung als angemessen. So soll die Bank ihre Kunden in gebührender Form auffordern, ihren steuerlichen Verpflichtungen nachzukommen. (...) Im Grundsatz wird festgehalten, dass alleine der (steuerpflichtige) Kunde selbst für seine Verpflichtungen, die Steuern zu entrichten, verantwortlich ist. Ferner erachtet die Bank es nicht als ihre Aufgabe, Staaten in der Ausübung ihrer hoheitlichen Rechte oder Pflichten zu unterstützen oder von ihnen als ‹Hilfspersonen› in Anspruch genommen zu werden, um diese Rechte oder Pflichten durchzusetzen.»

«Reputationsrisiko gering»

Auch über das Reputationsrisiko dieser Strategie der Bank Frey machte man sich in der obersten Etage um Bruderer, Bienz und Co. eingehende Gedanken: «Ein allfälliges Reputationsrisiko in diesem Zusammenhang wird als gering eingeschätzt. Der Verwaltungsrat begrüsst eine einheitliche Sprachregelung, die inhaltlich vom Management vorgeschlagen werden soll.»

Ein wenig mehr als drei Jahre später war die Begeisterung verflogen, die Verwaltungsräte nahmen Reissaus. So schrieb einer vergangenen Juni an Verwaltungsratspräsident Markus A. Frey: «Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Gedanken, aus dem Verwaltungsrat der Bank Frey & Co. AG auszutreten. Bei der Entscheidungsfindung nahm ich in den vergangenen Tagen/Wochen auch die Hilfe von zwei unabhängigen, sich mit der USA-Problematik auskennenden, Anwälten in Anspruch. Ich gebe deshalb mit sofortiger Wirkung meinen Austritt bekannt.»

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