UBS-Präsident Colm Kelleher ist ein Mensch, der sagt, was er denkt. Mit dieser zuweilen sehr direkten Art ist der Ire nun bei einigen Topbankern in der Schweiz angeeckt.
Stein des Anstosses: Kellehers Auftritt bei einer Finanzkonferenz im November in Hongkong. Der UBS-Präsident monierte, dass die Schweiz «ihren Reiz verlieren würde» im Wettrennen mit Finanzplätzen wie Hongkong und Singapur. Kelleher schoss dabei gegen die geplante Verschärfung der Eigenkapitalregeln für die UBS und folgerte, «die Schweiz hat eine Identitätskrise, welche Rolle sie in der Welt des Bankings spielen soll».
UBS-Präsident soll den Finanzplatz nicht schlechtreden
CEOs von Schweizer Vermögensverwaltungsbanken ging das zu weit: Es gehe nicht an, dass der Präsident der grössten Schweizer Bank den heimischen Finanzplatz im Ausland derart schlechtrede, so die Kritik. Zudem sei die Kritik falsch, der Schweizer Finanzplatz stünde bei ausländischen Kunden weiter hoch im Kurs.
Der CEO einer Schweizer Privatbank, der bei Kellehers Auftritt in Hongkong im Plenum sass, trat anschliessend sogar an ihn heran, um ihm zu sagen: «Das war jetzt nicht gut.» Der UBS-Präsident sei qua Amt der Klassensprecher der Schweizer Banken. «Man merkt, dass sich Kelleher nicht mit der Schweiz identifiziert», stellt ein Bank-CEO gegenüber der Handelszeitung fest. Auch der öffentlich ausgetragene Streit mit der Regierung um die Bankenregulierung sei nicht gut.
Kritik an der Kritik
Es gibt aber auch andere Stimmen: Ein Topmanager einer Privatbank ist zum Teil mit dem Iren einig. Denn seit die Schweiz die EU-Sanktionen übernommen habe, würde die Schweiz nicht mehr als neutrales Land gesehen, das erschwere die Kundenakquise, so der Banker.
Kellehers Fürsprecher verweisen wiederum darauf, dass der UBS-Präsident längst nicht der einzige Topshot sei, der Kritik am Standort Schweiz äussere. Roche-Präsident Severin Schwan habe zum Beispiel viel härtere Kritik geäussert. Eines ist sicher: Eine Debatte um seine Ansichten scheut der streitbare Ire nicht.


3 Kommentare
Der Topbanker, der die Anlehnung an EU Sanktionen als Problem sieht gehört zur Finanzbranche, die alle US Sanktionen bereits umsetzten bevor die Schweiz entschieden hatte mitzumachen. Letzterer Entscheid war nicht zuletzt aus der Überlegung, dass die US und EU -Sanktionen sowieso auf Schweiz und ihre Firmen Auswirkungen gehabt hätte. Die Firmen richten sich viel mehr selbst auf US und EU Sanktionen aus.,da sie sich ( richtigerweise) von Gegensanktionen fürchten .
Als die UBS 2008 am Abrund stand und mit 6 Milliarden Staatshilfe gerettet wurde, da gab's keine Kritik am Standort Schweiz. Als der Bund bei der CS Übernahme 9 Milliarden Verlustgarantie gestellt hat, und die UBS für 3 Milliarden übernehmen konnte, war auch keine Kritik am Standort Schweiz angebracht. Nur 20% der UBS ist in Schweizer Besitz. Ist es wirklich nötig, dass der Schweizer Steuerzahler regelmässig für die Spekulationssucht der anderen 80% Anteilseigner aufkommt, und sich dazu noch die Sprüche von Kelleher anhören muss, die an Arroganz und Undankbarkeit kaum zu übertreffen sind?
Bitte einfach nicht Tatsachen verdrehen : dass die UBS gerettet werden musste ist absolut unschön ; der Bund hat aber 6 Milliarden verdient-also für den Steuerzahler Einnahmen generiert. Auch CS hat dem Steuerzahler ( bis anhin) nichts gekostet.