Andreas Bachmann, der jahrelang bei der 90-Personen starken CS-Tochter «Credit Suisse Fides» arbeitete, die alleine in Zürich 65 Mitarbeiter beschäftigte, plauderte am Mittwoch über Internas des Offshore-Geschäfts der Schweizer Bank. Bachmanns Aussagen vor dem US-Gericht in Virginia rücken die Credit Suisse in ein schiefes Licht.

So hatte Bachmann für die Betreuung seiner Kunden bei der Credit Suisse Fides (vormals Suisse Fides) meist mit Josef Dörig zu tun, wenn es darum ging, für Steuerbetrugs-Kunden Firmengeflechte aufzubauen.

Kurze Wege

Ursprünglich wurde Dörig ins Senior Managment der Fides geholt. 1997 aber informierte ein CS-Manager die Fides, dass es zu riskant sei, wenn Dörig innerhalb der Schweizer Bank vorgeschobene Offshore-Gesellschaften für die Steueroptimierung gründe und betreibe. Darum beschloss man in der Credit Suisse, dass das Management und die Gründung von solchen Steuervehikeln ausserhalb der Credit Suisse geschehen müsse. 

Darauf gründete Dörig in Absprache mit den CS-Oberen 1997 in Zürich die Dörig Partner AG - an der Bleicherstrasse 33, der gleichen Adresse, an der die Credit Suisse Fides logierte (siehe Downloads). Von nun an wurde diese AG fürs Aufsetzen der Offshore-Konstruktionen benutzt.

Bachmann und Dörig arbeiteten Hand in Hand - wenn ein Kunde von Bachmann in Zürich weilte, wurde Dörig informiert, und umgekehrt.

Kein formelles Prozedere für Reisen

Bachmann musste jedes Jahr ein Reisebudget eingeben, um seine Kundenbesuche in die USA zu finanzieren. Bei Fides gab es kein formelles Prozedere, um diese Reisen zu genehmigen. Stattdessen informierte Bachmann jeweils vor den Trips den Fides-Chef der Zweigstelle Zürich sowie den CEO von Credit Suisse Fides.

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Ums Jahr 2001 unterzeichnete die Credit Suisse das «Qualified Intermediary Agreement» (QIA) mit der US-Steuerbehörde IRS. Um in den USA zu geschäften, mussten sich die Banken verpflichten, ihre Kunden nach US-Regeln zu identifizeren. Die Credit-Suisse-Juristen besuchten auch die Fides-Tochter, um die Konsequenzen des QIA-Programms für die Praxis zu erläutern. Unter anderem hätten die Schweizer ihren US-Kunden keine Aktienanlagetipps mehr geben dürfen.

QIA offenbar reines Lippenbekenntnis

Den Fides-Vorgesetzten waren die neuen Regeln offenbar herzlich egal. Als sich Bachmann bei seinen Oberen über die Konsequenzen von QIA beschwerte, sagte man ihm: «Du weisst, was wir von Dir erwarten - lass Dich nicht erwischen.»

Die Vertreter der Compliance-Abteilung bei der Credit Suisse blieben laut Bachmann weitgehend untätig, um sicherzustellen, dass die QIA-Regeln bei der Fides auch eingehalten wurden. Niemand wurde intern zur Rechenschaft gezogen, der dagegen verstiess.