Das konjunkturelle Umfeld der Schweiz zeichnet sich durch eine anhaltende Dynamik aus. Und auch die Bauwirtschaft rechnet weiterhin mit einem wachsenden Auftragseingang. Auch wenn die Investitionen für Wohnbauten 2005 den Höhepunkt überschritten haben, bleibt die Nachfrage nach Wohnraum hoch. Ebenso wird der gesamte Hochbau weiterhin beeindruckende Werte aufweisen. Der Tiefbau leidet immer noch unter den Entlastungsprogrammen 2003/04. Auch wenn gegen Ende letzten Jahres einige grössere Projektvergaben seitens des Bundes erfolgt sind, wird die öffentliche Hand auch 2006/07 keine wesentlichen Impulse geben können. Dementsprechend beurteilt bauenschweiz als Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft die Zukunftsaussichten nicht mehr ganz so euphorisch.
In der dem Baugewerbe funktional vorgelagerten Projektierungsbranche hat sich die Geschäftslage im 1. Quartal 2006 erfreulich entwickelt und der Auftragsbestand ist merklich gestiegen. Im Blick auf die künftige Auftragsentwicklung zeigen sich die Planungsbüros zuversichtlich. Die erbrachten Planerleistungen haben als Folge der kontinuierlich gestiegenen Bausummen für neue Projekte zugenommen, wie aus der von der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) zusammen mit dem Schweizerischen Ingenieur- und Architekten-Verein (SIA) durchgeführten Erhebung hervorgeht. Neben dem Wohnungsbau erwies sich der industriell-gewerbliche Bau erneut als Stütze. Bei den Honoraransätzen, deren bisheriger Rückgang auf die Margen drückte, zeichnet sich eine Entspannung ab. Der Bausektor und hier besonders der Wohnungsbau haben viel zur gesamtwirtschaftlichen Dynamik des vergangenen Jahres beigetragen. Nach den Feststellungen der KOF wird die Entwicklung in der Bauwirtschaft wieder vom langfristigen Trend dominiert und es wird sich die Tendenz einer Verlagerung von Neubau- zu Ersatzinvestitionen fortsetzen. Dabei kommt das allgemein positive Konjunkturklima hauptsächlich bei der Investitionstätigkeit im Wirtschaftsbau zum Tragen. Laut der Prognose der KOF laufen allerdings die Wachstumsimpulse seitens des Wohnungsbaus aus und die Schrumpfung des gesamten Bausektors wird sich weiter fortsetzen.
Mit der guten mengenmässigen Entwicklung im Bausektor können jedoch die Erträge der Unternehmen nicht mithalten. Im Bauhauptgewerbe sind in den letzten fünf Jahren die durchschnittlichen Kosten übermässig gestiegen, hält dazu der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) fest. Und diese konnten kaum auf die Bauauftraggeber abgewälzt werden. In jüngster Zeit hat sich die Volatilität der Preise und Kosten ein wenig normalisiert und insbesondere im Hochbau haben sich 2005 die Preise vermehrt der vorangegangenen Kostenentwicklung angeglichen.
Keine Preiswende in Sicht
Auch wenn für 2006 ein BIP-Wachstum um die 2% prognostiziert ist, dürfte das nicht reichen, um den Angebotsüberhang von rund 5 Mio m2 ungenutzter Bürofläche wesentlich zu reduzieren. Gemäss dem Immo-Monitoring des Beratungsbüros Wüest&Partner wird dieses Jahr eine Produktion von 50000 m2 Bürofläche erwartet.
Weiter auf vollen Touren läuft der Wohnungsbau, sodass dieses Jahr nochmals gegen 40000 neue Wohnungen auf dem Markt erscheinen werden. Sowohl bei den Wohnungen als auch bei den Einfamilienhäusern wird eine Abflachung des Preisauftriebs erwartet. Trotzdem steht nach Meinung von W&P keine deutliche Trendwende bei den Preisen bevor, wobei auf zum Teil markante regionale Unterschiede hingewiesen wird. Hingegen erwartet die Immobilienwirtschaft für 2006 steigende Mietzinsen.
Curt M. Mayer, Redaktor «Bauwirtschafts-Spiegel» von bauenschweiz, Zürich.www.bauenschweiz.ch