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Bedrohungen: Gefährdete Lieferketten

Die Region Basel profitiert von den internationalen Güterströmen durch die Binnenhäfen am Rhein.

Die Gefahren für die globalen Logistikkettenwerden laut einer Studie unterBranchenexperten bis 2030 weiter zunehmen.

Von Roberto Stefano
am 07.09.2011

Nicht erst die Entdeckung von Sprengstoffpaketen in mehreren Frachtflugzeugen Ende Oktober 2010 hat die Gefahr von Terroranschläge in der Logistikbranche aufgezeigt. Die versuchten Anschläge haben der Branche aber deutlich vor Augen geführt, wie anfällig die weltweiten Lieferketten sind und wie schnell die Sicherheitsbemühungen an ihre Grenzen stossen.

Und die Gefahr durch neuerliche Attacken dürfte nochmals zunehmen. Laut Einschätzungen von Logistikexperten zur Zukunft werden bis zum Jahr 2030 die weltweit vernetzten Lieferketten zunehmend ins Visier von Terroristen, Piraten und Cyberkriminellen geraten.

Dies ist dem vierten Teil der Studien­reihe «Transportation & Logistics 2030» des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) und des Supply-Chain-Management-Instituts der European Business School zu entnehmen. Für die Studienreihe wurden Branchenkenner aus Industrie, Forschung und Politik befragt. Die Spezialisten erwarten eine Zunahme gezielter Angriffe auf die globalen Lieferketten. Der Schaden durch Hacker-angriffe dürfte dabei künftig noch deutlich grösser sein als jener durch physische Attacken.

Gefahr als Kostentreiber

Die erwartete steigende Bedrohungslage für die Logistikdienstleister dürfte nicht ohne wirtschaftliche Folgen bleiben. Mit der zunehmenden Bedrohung wird erwartet, dass auch die Sicherheitsausgaben der Transport- und Logistikunternehmen erheblich ansteigen könnten. Investitionen in die Sicherheit auch der IT-Systeme werden damit zu den bedeutendsten Kostentreibern in der Logistikbranche. Aus­serdem erwarten die Experten längere Transportzeiten aufgrund schärferer Sicherheitsvorkehrungen und befürchten, dass die besondere Gefährdung bestimmter Regionen zu einer Verlagerung von Handelsrouten führen wird.

«Die Lieferbeziehungen zwischen Produzenten, Zulieferern und Konsumenten sind in den vergangenen Jahren immer komplexer und damit auch störanfälliger geworden», erläutert Thomas Brüderlin, Partner und Leiter des Branchensektors Transport und Logistik bei PwC Schweiz. Heute würden sich 90 Prozent des weltweiten Handelsvolumens auf knapp 40 Transportknotenpunkte konzentrieren. «Fällt auch nur einer dieser ‹Hubs› aus, sind die wirtschaftlichen Folgen bereits nach kurzer Zeit erheblich und rund um den Globus zu spüren», ergänzt der Logistikexperte.

Anschläge auf bestimmte, stark frequentierte Knotenpunkte könnten die Volkswirtschaften der angrenzenden Regionen destabilisieren. So verliert beispielsweise Ägypten schon heute mehr als 640 Millionen Dollar pro Jahr, weil Reeder die Frachtpassage über den durch Piraterie bedrohten Golf von Aden und den Suezkanal meiden. Trotz der zunehmenden Risiken soll es jedoch keine ­Abkehr von weltumspannenden Lieferketten geben. Lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent bewerten die Branchenexperten ein Szenario, in dem die weltweiten Lieferketten im Jahr 2030 weniger komplex strukturiert sind als heute.

Neue Technologien bieten Schutz

Den möglichen Gefahren werden die Logistikunternehmen nach Meinung der Studienteilnehmer allerdings nicht tatenlos zusehen. Erwartet wird, dass die Firmen, um den künftigen Gefahren wirksam zu begegnen, ihre gesamte Lieferkette ­einem verpflichtenden Sicherheitscheck unterziehen werden. Den wirksamsten Schutz vor Angriffen jeglicher Art sehen die Befragten jedoch im Einsatz fortschrittlicher Technologien. Von staatlichen und zwischenstaatlichen Institutionen erwarten sie demgegenüber nicht die entscheidenden Impulse für mehr Sicherheit.

«Unternehmen müssen zum Schutz ihrer Lieferkette alle denkbaren Gefahrenszenarien analysieren und geeignete Gegenmassnahmen entwickeln», ist Thomas Brüderlin überzeugt. Dabei gehe es nicht nur um Prävention, sondern auch darum, Alternativen für den Ernstfall zu entwickeln. «So sollte jedes Unternehmen darauf vorbereitet sein, den Aus-fall eines Zulieferers schnell kompensieren zu können», betont Thomas Brüderlin.

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