Wer meint, im Tessin sei alles so schön, weil dort die Uhren langsamer ticken, wird eines Besseren belehrt. Der Kanton Tessin ist auch ein Uhrenland. Ob als Hersteller oder Zulieferer, zwischen 3000 und 4000 Fachkräfte arbeiten in dieser Branche. Davon pendelt täglich eine stattliche Anzahl Arbeitskräfte aus Norditalien in die Schweiz. Mit ein Grund für die im letzten Jahrhundert im Tessin angesiedelte Uhrenbranche: Italienische Termineure arbeiteten (schon) damals bis zu 20% billiger als Schweizer.

Im unabhängigen Familienunternehmen Alfex ist auch heute rund die Hälfte der knapp 30 Angestellten italienische Grenzgänger, die gemeinsam eine Jahresproduktion von rund 120000 Zeitmessern assemblieren, kontrollieren und im Preissegment von 250 bis 500 Fr. weltweit in über 50 Ländern vermarkten. Es wird nur Edelstahl 316L verarbeitet, auch goldbeschichtet oder geschwärzt.

80% der Produktion sind Damenuhren. Kein Wunder, schenkt Alfex mit Sitz in Manno der Ästhetik und somit dem Design besondere Aufmerksamkeit.

Von der Mechanik zum Design

«Das war nicht immer so», erinnert sich Alfex-CEO Hans Saurer, der 1981 als Verkaufschef zum Tessiner Unternehmen gestossen war. Das von Ferdinand Gindraux in Lugano 1948 gegründete Familienunternehmen stellte jahrelang mechanische Uhren der untersten Preisklasse her, die in Exportmärkten - allen voran in den USA - reissenden Absatz fanden. Das Unternehmen nannte sich Ferex und erreichte Ende der 1960er Jahre eine Jahresproduktion von über 5 Mio Uhren.

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Zehn Jahre später wurde die Welt mit billigsten Quarzuhren aus dem Fernen Osten überschwemmt; die Schweiz konnte nicht mithalten und stürzte in die bekannte Uhrenkrise ab.

Firmengründer Gindraux wagte mit zwei langjährigen Mitstreitern einen Neustart, vollzog den Namenswechsel zu Alfex und engagierte Hans Saurer für den Relaunch. Der damaligen Zeit gehorchend, bestückt das Kleinunternehmen Alfex seine Uhren fortan mit ganggenauen Swiss-made-Quarzwerken von Ronda. Während die meisten Uhrenhersteller in dieser schwierigen Periode ihren Schwerpunkt auf Herrenuhren legten, erkannte Alfex das grosse Potenzial der Frauen und entwickelte eine schier unerschöpfliche Vielfalt von weiblichen Uhrenmodellen. Dank hervorragenden Beziehungen zu bisherigen Wiederverkäufern konnte das Tessiner Uhrenunternehmen auch unter dem neuen Namen rasch wieder Fuss fassen. Als sich Ferdinand Gindraux mit seinen Partnern in den 90er Jahren altershalber zurückzog, erwarb Hans Saurer die Aktienmehrheit.

Oft kopiert - und oft vor Gericht

Die kleine Südschweizer Uhrenmarke setzt seither immer wieder Trends und wird von in- und ausländischen Mitbewerbern kopiert, sodass es seine international deponierten Schutzrechte in über 30 gewonnenen Prozessen verteidigen musste. Viel wichtiger jedoch sind dem Unternehmen gewonnene Designpreise. Seit Jahren werden Alfex-Uhren mit dem Red-dot-Award ausgezeichnet, welchen das Design-Zentrum Nordrhein Westfalen seit 1955 für gutes Produktdesign verleiht. Und regelmässig holen ausgefallene Modelle die international begehrte Auszeichnung für Designkunst, den Good Design Award des Athenaeums von Chicago.

Die Designer ticken feminin

Alfex-Damenuhren sind keine verkleinerten Herrenmodelle, sondern werden von Grund auf neu entwickelt. Entsprechend anders und vielfältig sind Formen und Farben. Dahinter stehen namhafte Designer, mit denen Saurer seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet - am längsten und intensivsten mit Georg Plum aus Hamburg, aber auch mit Marcus Eilinger aus Diessenhofen, Max Giorgetti aus Varese, Julia Hou aus Taipei oder Antoine Tschumy aus Le Locle. Sie alle sorgen innerhalb der fünf Kollektionen Big Line, Flat Line, Modern Classic, New Structures und Diamonds für eine breite Varietät.

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Alfex will in erster Linie gefallen, verführen und verzaubern und geht dabei stets das Wagnis ein, anders zu sein, was sich in ihrem internationalen Slogan «Dare to be different» ausdrückt.

Botschafter Russi und Mechanik

Aus einer privaten freundschaftlichen Beziehung wurde vor zwei Jahren mit der Schweizer Skilegende Bernhard Russi aus Andermatt auch eine geschäftliche Verbindung. Gemeinsam mit Alfex? freischaffenden Designern Eilinger und Plum entwickelte Russi eine mechanische Uhrenlinie und erfüllte sich damit nach eigenen Aussagen einen lang gehegten Traum. Die Bernhard-Russi-Kollektion soll bei allen Aktivitäten eine gute Figur machen und in jeder Situation überzeugen - auf der Skipiste wie beim Bergsteigen, auf Fairways und Greens genauso wie beim Business-Lunch.

Auf der «BaselWorld 2007» wurde die Lucendro-Linie mit einem Chronographen und einer Dreizeigeruhr mit Datum lanciert, designt von Georg Plum. 2008 folgte in Basel die Linie Badus - ein eher klassisches Design mit Kleiner Sekunde von Marcus Eilinger. «Jede Uhr trägt den Namen eines Berges aus meiner Heimat und ist auf der Rückseite von mir signiert», erklärt Bernhard Russi (siehe auch «Nachgefragt»). Der Pizzo Lucendro ist 2963 m hoch, der Piz Badus 2928 m; mit der Uhr erhält jeder Käufer zudem Wandertipps und Infos zum jeweiligen Berg.

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«Damit setzen wir auf den seit einigen Jahren stark zugenommenen Trend zur Mechanik und kehren im Prinzip zu unserem Ursprung zurück», hält Saurer fest und freut sich auf die positive Aufnahme im Schweizer Markt. Aber auch in Hongkong sei die Bernhard-Russi-Uhr sehr gefragt, was Alfex auf der «BaselWorld 2009» zur Lancierung der dritten Kollektion verführt, die Linie Pazzola in Karreeform. Bei dieser Alarm-Arbanduhr wird die Weckfunktion erstmals über eine ins Handaufzugswerk integrierte, unter dem Zifferblatt montierte Scheibe eingestellt. Das extravagante Design verdankt sie Designer Marcus Eilinger.

 

 


«Ich konnte meine Gefühle für Form und Design einbringen»

NachgefragTBernhard Russi

Bernhard Russi (60), der gelernte Bauzeichner, ist Ex-Skiweltmeister, Ski-Experte beim Schweizer Fernsehen, Berater und Pistenarchitekt des Internationalen Skiverbandes FIS und Botschafter der Uhrenmarke Alfex.

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Was hat Sie vor zwei Jahren bewogen, mit der Tessiner Uhrenherstellerin Alfex zusammenzuarbeiten und gerade diese Marke als Botschafter zu unterstützen?

Bernhard Russi: Die Eigenständigkeit dieser Schweizer Marke, die Idee, in einer neuen Kollektion, das was mir am nächsten liegt, nämlich die Natur und die Berge, einzubringen und umzusetzen. Schliesslich auch die persönlichen Kontakte und das Vertrauen in die verantwortlichen Personen.

Noch vor Ihrem und Alfex? 60. Geburtstag wurde die Bernhard-Russi-Kollektion lanciert. Was war Ihr Ziel und wie intensiv Ihr Einfluss auf die Uhrenmodelle in der Zusammenarbeit mit den Designern Marcus Eilinger und Georg Plum?

Russi: Ich bin kein Uhrmacher und auch kein Designer. Allerdings konnte ich mein Gefühl für Form und Design relativ früh einbringen. Dabei habe ich aber auch gelernt, wie eine Uhr und eine Kollektion wachsen können.

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Ihre ersten beiden Uhrenlinien Badus und Lucendro ticken mit mechanischen Uhrwerken, womit Alfex erstmals in die Mechanik vorgestossen ist. Weshalb?

Russi: Darüber hatte ich mir früher keine Gedanken gemacht. Als ich mich aber näher mit mechanischen Uhrwerken zu befassen begann, bekam ich eine ganz andere Beziehung. Auf einmal fühlte ich so etwas wie «Leben» in meiner Uhr, etwas Unvergängliches, einen Mehrwert, Qualität und Eigenständigkeit.

Die Lucendro-Automatik ist als sportlicher Chronograph und Drei-Zeiger-Uhr erhältlich, die Badus mit Handaufzug und Kleiner Sekunde. An der «BaselWorld 2009» wird die dritte Linie, die Pazzola mit Alarmfunktion, vorgestellt. Weshalb diese Variation?

Russi: Bei der Russi-Kollektion geht es auch darum, dem Liebhaber mechanischer Uhren eine gewisse Auswahl an Werkausführungen anzubieten. Bei der Pazzola-Uhr zum Beispiel verwenden wir ein mechanisches Weckerwerk, das in dieser Ausführung und mit diesem Wecker-Stellmechanismus einmalig ist.

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Der Sportchronograph Lucendro ist mit dem renommierten deutschen Designpreis Red dot ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Russi: Preise sind immer auch Anerkennung für aussergewöhnliche Leistung. Selbstverständlich bin auch ich stolz über diese Auszeichnung. Für das Unternehmen bedeutet dies, dass diese Uhr von der bedeutendsten Fachjury ausgezeichnet wurde.

Wie sehen Sie Ihr Engagement als Botschafter?

Russi: Als Botschafter von Alfex bin ich bei speziellen Präsentationen oder grösseren Händlermeetings dabei. Aber viel wichtiger scheint mir, dass ich mit möglichst vielen unserer Händler die Berge, deren Namen unsere Uhren tragen, auch besteigen werde. Ich werde für mein Engagement entschädigt. Unter anderem bin ich seit zwei Jahren wieder stolzer Besitzer einer Uhr, ich trage eine Lucendro. Vorher hatte ich keine Uhr am Handgelenk.

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